Höhere Zinsen sowie ein Plus im Handels- und Investmentbanking werden den Instituten nach Ansicht von Analysten im zweiten Quartal ein Gewinnplus bescheren. Die Zuwächse dürften jedoch erneut geringer ausfallen als bei den mächtigen US-Rivalen. Zudem dürften Investoren auf mögliche Belastungen durch den Iran-Krieg achten, der die wirtschaftlichen Aussichten für Europa trübt.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs prognostiziert für die europäischen Banken im Mittel einen Anstieg des Vorsteuergewinns im zweiten Quartal um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies werde durch ein höheres Kreditvolumen, verbesserte Margen wegen der seit Beginn des Iran-Kriegs anhaltend hohen Zinsen sowie niedrigere Kosten gestützt.
Den Auftakt der Berichtssaison machen am Mittwoch die italienische UniCredit, die auf eine Übernahme der Frankfurter Commerzbank zusteuert, und die spanische Santander. Am Donnerstag folgt die französische BNP Paribas. In der kommenden Woche legen unter anderem die britische Barclays, die Schweizer UBS, die spanische BBVA sowie die Deutsche Bank ihre Zahlen vor.
Die europäischen Banken verzeichnen seit mehr als zwei Jahren eine steigende Profitabilität. Dies liegt auch an höheren Kreditmargen und geringen Kreditausfällen. Der EuroStoxx Banks Index hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt und erreichte den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2007/2008. Die Erholung folgt auf ein Jahrzehnt der Schwäche, in dem profitablere US-Konkurrenten Marktanteile in Europa gewannen.
Um die Branche zu stärken, stellte die EU-Kommission in der vergangenen Woche Pläne vor, die politische Einflussnahme bei Bankenfusionen in der Europäischen Union zu begrenzen und Hindernisse für grenzüberschreitende Geschäfte abzubauen. Sorgen über steigende Rückstellungen für faule Kredite und eine schwächelnde europäische Wirtschaft dämpfen die Aussichten jedoch.
Im Investmentbanking hinken die europäischen Institute ihren US-Rivalen hinterher
Im Investmentbanking hinken die europäischen Institute ihren US-Rivalen weiterhin hinterher. Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Volatilität an den Finanzmärkten kurbelte zwar das Handelsgeschäft an, und Fusionen sowie Börsengänge stützten die Einnahmen. US-Banken profitierten jedoch stärker von der hohen Aktivität auf ihrem Heimatmarkt und bauten ihre Marktanteile über ihren Heimatmarkt hinaus aus. Allein das grösste US-Geldhaus JPMorgan Chase fuhr im abgelaufenen Quartal einen Rekordgewinn von 21,2 Milliarden Dollar ein.
Für das zweite Quartal erwarten Analysten von Morgan Stanley bei der UBS im Investmentbanking ein Plus von 21 Prozent, während für BNP Paribas ein Zuwachs von sieben Prozent und für die Societe Generale von zwei Prozent prognostiziert wird. Mehrere US-Grossbanken meldeten Einnahmesteigerungen von mehr als 30 Prozent. Die Analysten von Morgan Stanley empfehlen die Aktie der Deutschen Bank zum Kauf und bezeichnen sie als die günstigste in ihrer Bewertung. Bei der UBS raten sie wegen der Unsicherheit über neue Schweizer Regulierungsvorschriften zur Zurückhaltung.
Bei der Deutschen Bank wollen Vorstandschef Christian Sewing und der neue Finanzchef Raja Akram am 29. Juli ihre Geschäftsergebnisse vorstellen. Analysten erwarten dabei einen Zuwachs der Erträge auf rund 8,1 (Vorjahr: 7,8) Milliarden Euro. Den Gewinn vor Steuern sehen sie nach einem Rekordgewinn im ersten Quartal im Mittel bei rund 2,3 Milliarden Euro, unter dem Strich und nach Minderheiten dürfte das grösste deutsche Geldhaus nach Einschätzung der Experten rund 1,377 Milliarden Euro verdient haben.
Sewing strebt bis zum Jahr 2028 eine Eigenkapitalrendite von mehr als 13 Prozent und Erträge von rund 37 Milliarden Euro an. Im laufenden Jahr sollen diese rund 33 Milliarden Euro erreichen. Analysten trauen der Bank dies zu.
Die UBS präsentiert ihr Zahlenwerk am 29. Juli, die Commerzbank dann am 6. August - und wird hoffen, dass dies ihrer Strategie der Eigenständigkeit Rückenwind gibt.
(Reuters)

