Auf der wohl letzten Zinssitzung unter Vorsitz des scheidenden Fed-Chefs Jerome Powell hat die US-Notenbank in einer intern umstrittenen Entscheidung eine erneute Pause eingelegt. Sie entschied am Mittwoch zum dritten Mal in Folge, den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste Anstieg der Spritpreise haben die Inflation angeheizt, womit die von US-Präsident Donald Trump immer wieder geforderten Zinssenkungen vorerst als unwahrscheinlich gelten. Dennoch votierte Fed-Direktoriumsmitglied Stephen Miran für eine Lockerung.
Zugleich gab es Uneinigkeit im Offenmarktausschuss über den Begleittext zum Zinsentscheid: Drei Währungshüter waren nicht mit dem Ausblick auf künftige Zinsanpassungen einverstanden. Sie lesen dies als ein Signal in Richtung etwaiger Zinssenkungen, das sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt für nicht mehr angebracht halten.
Trotz Meinungsverschiedenheiten sei es klug, dass die Fed abwarte, meint Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Zu unsicher seien die Wirkungen des Iran-Kriegs auf Inflation und Arbeitsmarkt. Die Entscheidungssituation für die Fed sei durch die Folgewirkungen des Nahost-Krieges deutlich schwieriger geworden, sagt Michael Heise, Chefökonom vom Family Office HQ Trust: «Zinssenkungen sind vorerst kein Thema mehr.» Mit Spannung blicken die Finanzmärkte nun auf den anstehenden Wachwechsel an der Spitze der Zentralbank, da Powell Mitte Mai regulär aus dem Amt scheidet.
Sein designierter Nachfolger Kevin Warsh, der eine erste Hürde im Bestätigungsverfahren im Senat jüngst genommen hat, will die Notenbank reformieren. Zugleich gelobte er, ihre Unabhängigkeit zu wahren. Diese gilt den Finanzmärkten als hohes Gut, da sie eine frei von politischen Erwägungen gestaltete Geldpolitik ermöglichen soll. Powell dürfte auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid darauf angesprochen werden. «Powell muss seine voraussichtlich letzte Zinsentscheidung als Fed-Chair nutzen, um ein klares Signal zu setzen: Die Fed reagiert auf wirtschaftliche Daten, nicht auf politischen Druck», meint Forschungsdirektorin Lena Dräger vom Kiel Institut für Weltwirtschaft.
Unlängst sagte der US-Präsident, er wäre enttäuscht, wenn Warsh die Zinsen nicht gleich nach seinem Amtsantritt senken würde. Dieser hat bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss im Senat betont, Trump habe ihn nie dazu aufgefordert, sich auf eine bestimmte Zinssatzentscheidung festzulegen. Er werde als Fed-Chef die Unabhängigkeit der Notenbank bewahren. «Entscheidend wird sein, ob Warsh diese Autonomie am Ende auch gegen den permanenten Zinssenkungsdruck von Donald Trump behaupten kann. Gerade bei steigender Inflation sind Glaubwürdigkeit und Erwartungssteuerung der Fed entscheidend», sagt KfW-Experte Stephan Bales.
In den USA hat der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges die Inflationsrate bereits kräftig in die Höhe getrieben. Die Verbraucherpreise stiegen im März um 3,3 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Teuerung hatte im Februar, also vor Ausbruch der Kämpfe in Nahost, noch bei 2,4 Prozent gelegen.
Der Iran-Krieg und die Blockade der Strasse von Hormus, durch die gewöhnlich etwa 20 Prozent des weltweiten Rohölbedarfs transportiert werden, treiben die Energiepreise massiv in die Höhe. Auch rund 20 Tage nach der von Trump verkündeten Waffenruhe haben diplomatische Bemühungen die Meerenge nicht wieder vollständig öffnen können.
Zinsentscheidung der Fed belastet US-Aktien
Der Leitindex Dow Jones Industrial gab daraufhin um 0,7 Prozent nach und lag bei 48'782 Punkten. Er rutschte damit erstmals seit Donnerstag vergangener Woche wieder unter die Marke von 49'000 Zählern. Der marktbreite S&P 500 verlor 0,3 Prozent auf 7117 Punkte.
Eine Vielzahl von Unternehmen berichtete am Mittwoch schon vor dem Börsenstart über ihre Geschäftsentwicklung. Die Aktien von Seagate stiegen um gut zehn Prozent und erreichten ein Rekordhoch. Der Hersteller von Festplattenlaufwerken übertraf sowohl mit den Zahlen für das vergangene als auch mit dem Ausblick auf das laufende Quartal die Erwartungen. Ähnlich sah es beim Halbleiterhersteller NXP aus, dessen Titel mit plus 27 Prozent den höchsten Stand seit ihrem Rekord im Juli 2024 erreichten.
Die Aktien von Visa gewannen dank überraschend guter Quartalszahlen fast neun Prozent. Der Zahlungsdienstleister habe mehr als die übliche Umsatzüberraschung geliefert, kommentierte die US-Investmentbank Goldman Sachs.
Für die Papiere von T-Mobile US ging es um fast sieben Prozent hoch. Die US-Tochter der Deutschen Telekom gewann im ersten Quartal deutlich mehr neue Kunden hinzu als erwartet. Für das Jahr ist das Unternehmen hier nun optimistischer als bisher.
Biogen-Aktien gewannen trotz einer Senkung der Jahresprognose für das Ergebnis je Aktie fast fünf Prozent. Die Bank Jefferies verwies auf einen überraschend hohen Umsatz des Biotech-Konzerns im ersten Quartal.
Dagegen sackten die Aktien von Robinhood Markets um mehr als 14 Prozent ab. Der Finanzdienstleister verschreckte die Anleger mit einem 18-prozentigen Anstieg der Ausgaben zum Jahresauftakt.
GE Healthcare brachen um fast 13 Prozent ein. Der Medizintechnikkonzern schraubte sein Ziel für das Jahresergebnis je Aktie nach unten. Dass Booking den Jahresausblick wegen der Auswirkungen des Nahostkonflikts senkte, brockte dem Betreiber von Online-Reiseportalen ein Minus von einem Prozent ein.
(Reuters)

