Der Dax und der EuroStoxx50 notierten am Donnerstag gegen Mittag jeweils zwei Prozent tiefer bei 22'807 und 5616 Punkten. Im Minus lagen auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes. Der US-Präsident kündigte in der Nacht zwar ein baldiges Erreichen der strategischen US-Ziele im Iran-Krieg an, gleichzeitig aber auch «extrem harte» Angriffe für die kommenden zwei bis drei Wochen. Am Mittwoch hatten der Dax und der EuroStoxx50 um fast drei Prozent zugelegt, nachdem Trump gesagt hatte, die USA würden den Krieg recht schnell beenden.
«Seine Ansprache hat keine zusätzliche Klarheit über den Zeitrahmen gebracht, und genau darauf hatte der Markt gehofft», sagte Jon Withaar, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Pictet. «Die Aussicht auf weitere zwei bis drei Wochen militärischer Aktionen, die Tatsache, dass ein Einsatz von Bodentruppen nicht ausgeschlossen wurde, sowie erneut bekräftigte Drohungen gegen Infrastruktur dürften den Markt wieder in die Defensive drängen.»
Öl nimmt Allzeithoch ins Visier
Nordseeöl Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich um rund 7,5 und acht Prozent. «Sollten sich die Spannungen verschärfen oder die Risiken für die Schifffahrt zunehmen, könnte der Ölpreis neue Höchststände testen», sagte Priyanka Sachdeva, Chefanalystin beim Broker Phillip Nova. Mit 108,70 Dollar je Fass (159 Liter) lag Brent am Donnerstag noch rund 35 Prozent unter seinem bisherigen Allzeithoch von knapp 145 Dollar. Im März waren die Rohölpreise um mehr als die Hälfte gestiegen.
Dies trieb die Zinserwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB) nach oben: An den Geldmärkten wurde bis zum Jahresende ein Einlagensatz von 2,75 Prozent eingepreist, nach 2,68 Prozent am späten Mittwoch. Derzeit liegt der Satz bei zwei Prozent. «Die Sperrung der Strasse von Hormus durch den Iran und die negativen Auswirkungen des Krieges auf die Weltkonjunktur sind noch nicht absehbar», sagte Christian Henke, Chefanalyst des Brokers IG. «Was aber absehbar ist, ist die anziehende Inflation infolge der deutlich höheren Energiepreise.» Die EZB versucht, mit erhöhten Zinsen die Teuerungsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.
Bitcoin und Gold unter Druck
Anleger trennten sich hingegen von Bitcoin und Gold. «Hier hat sich in den vergangenen Handelsmonaten ein erkennbarer Paradigmenwechsel vollzogen», sagte Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets. Gold und andere Edelmetalle gelten in Krisenzeiten normalerweise als «sichere Häfen». Nach oben ging es hingegen für den Dollar-Index, der angesichts der Erwartung länger hoch bleibender Zinsen der US-Notenbank Fed um gut ein halbes Prozent auf 100,236 Punkte zulegte. Nach der fulminanten Rally bei Gold und anderen Edelmetallen zum Jahreswechsel greifen Anleger bereits seit einiger Zeit verstärkt erneut bei der US-Devise zu.
Unter Druck bei den Einzelwerten gerieten unter anderem Technologieaktien wie die von Infineon, Siltronic und Aixtron, die 2,7 bis 5,4 Prozent einbüssten. Der europäische Technologie-Branchenindex rutschte um drei Prozent ab. Für lange Gesichter sorgte auch Mutares. Die Titel des Finanzinvestors brachen nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung um mehr als zwölf Prozent ein und waren damit Schlusslicht im SDax. Ein Händler bezeichnete die geplante Aufstockung des Grundkapitals um ein Fünftel als «überraschend».
(Reuters)

