Der neue Chef des Gucci-Mutterkonzerns Kering, Luca de Meo, hat bei Anlegern die Hoffnung auf eine Wende geweckt und ‌der Aktie ‌damit den grössten Kurssprung seit rund 17 Jahren beschert. Der Umsatz des französischen Luxusgüterkonzerns sank zwar im vierten Quartal währungsbereinigt um drei Prozent auf 3,9 Milliarden Euro, und auch die Erlöse der wichtigsten Marke Gucci, die seit zehn Quartalen in Folge schrumpft, gingen um zehn Prozent zurück. Allerdings fielen ​die Einbussen geringer aus, als von Analysten befürchtet. «Die Dynamik ist real - früh, zerbrechlich, aber real», ‌erklärte der frühere Renault-Chef de Meo, der sein erstes Quartal an ‌der Kering-Spitze verantwortete, am Dienstag. Neben Gucci zählt Kering unter anderem auch Bottega Veneta, Balenciaga und Yves Saint Laurent zu seinem Portfolio.

An der Börse legten die Aktien daraufhin in der Spitze um 13 Prozent zu. «Kering steht erst am Anfang eines mehrjährigen Sanierungsprozesses, und die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 sollten den Anlegern die eingeschlagene Richtung verdeutlichen», kommentierten Analysten der Deutschen Bank.

De Meo stellte für das kommende ⁠Jahr wieder Wachstum und steigende Profitabilität in Aussicht. «Wir werden 2026 Wachstum sehen, wir werden eine Margensteigerung bei allen Marken sehen», betonte der Manager. Um die Wende zu schaffen, hat der Konzern bereits Kosten gesenkt und im vergangenen Jahr 75 Boutiquen geschlossen. De Meo kündigte nun ​an, die Investitionen in die Marken zu verstärken und das Management-Team umzubauen, um die Entscheidungsfindung zu beschleunigen.

Gucci im Fokus der Bemühungen

Im Zentrum der Sanierungsbemühungen steht die Marke Gucci, die für ‍rund die Hälfte des Konzernumsatzes und zwei Drittel des Gewinns steht. Die Hoffnung ruht hier auf dem neuen Kreativdirektor Demna Gwassalia, der Ende des Monats seine ​erste Kollektion vorstellen wird. Von ihm wird erwartet, dass er der Marke nach einer längeren Schwächephase wieder eine klare kreative Richtung und neue Anziehungskraft verleiht. Die ersten Produkte aus seiner Feder sollen im zweiten Quartal in die Läden kommen. Nach Angaben von Finanzchefin Armelle Poulou verzeichnete Gucci ‌bereits Ende letzten Jahres in «fast allen Regionen» eine leichte Verbesserung, die auf neu ⁠eingeführte Produkte und den Absatz von Handtaschen zurückzuführen war.

Wie dringend die Sanierung ist, ‌unterstreichen die Zahlen für das Gesamtjahr 2025. Der operative Gewinn brach auf 1,63 Milliarden Euro ein. Dies ist weniger als ein Drittel des Rekordniveaus von 2022. Die operative ‍Marge der Gruppe schmolz auf elf Prozent. Der grosse Rivale LVMH kam im gleichen Zeitraum auf eine Marge von 22 Prozent, was den Abstand zwischen den beiden französischen Luxusgiganten verdeutlicht. Netto fiel bei Kering ein Verlust von ​29 Millionen Euro aus dem fortgeführten Geschäft an. Dieser ist hauptsächlich auf Restrukturierungskosten zurückzuführen. Bereinigt um diese Kosten ‍erreichte der Nettogewinn 532 Millionen Euro, verglichen mit 1,2 Milliarden Euro im Jahr davor. Die in früheren Jahren boomenden Luxusfirmen ächzen seit Längerem unter der Konsumzurückhaltung in China, wo sich die Konsumenten noch nicht von den Folgen der Shutdowns in Zeiten der Corona-Pandemie erholt haben.

(Reuters)