Die Gemütslage hat sich im Handelskonflikt China-USA über das Wochenende deutlich verbessert: Die USA verzichtet bis auf Weiteres auf eine Ausweitung der Zölle um 300 Milliarden Dollar, zudem wird Huawei von der schwarzen Belieferungsliste der USA gestrichen (cash berichtete).

"Die Chancen auf eine definitive Einigung nach der Wiederaufnahme von Verhandlungen sind klar gestiegen", schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einem Kommentar. Dies mache nun ein Abwürgen der weltweiten Konjunktur durch zusätzliche Zölle unwahrscheinlicher, was Hochzykliker in der Halbleiter- und Halbleiterzulieferindustrie beflügeln werde.

Und Tech-Titel haben gleich doppelt Grund zur Freude, denn China baut weiter Barrieren ab: So werden etwa ausländische Investitionen in der Halbleiterherstellung für 5G und Cloudcomputing erlaubt. Das erweitert international tätigen Firmen die Investitionsmöglichkeiten im grossen und wichtigen Markt China.

Zukaufen bei Rückschlägen?

Doch der Handelskonflikt bleibt unberechenbar, der aktuelle Burgfrieden könnte auch nur von kurzer Dauer sein. "Die Welt ist immer noch ein unberechenbarer Ort, regiert von teilweise gewöhnungsbedürftigen Gestalten", schreibt Martin Lück, Kapitalmarktstratege bei Blackrock. Wachstum und Unternehmensgewinne blieben unsicher, die Eskalation diverser Brandherde sei nicht ausgeschlossen.

Zwar rechnet auch die ZKB in nächster Zeit mit einer hohen Volatilität am Aktienmarkt, vor allem auch rund um die anstehenden Halbjahreszahlen. Doch könnten sich Kursschwankungen nach unten als gute Einstiegspunkte präsentieren - sollte sich der Handelskonflikt in den nächsten Monaten ganz lösen.

Grosse Profiteure in der Schweiz wären in einem solchen "Alles-wird-gut"-Szenario gemäss ZKB folgende fünf Schweizer Tech-Aktien, die von der Kantonalbank derzeit allesamt mit "Übergewichten" eingestuft sind:

AktiePerformance, 1 WochePerformance, 52 WochenKGV 2020*
AMS+26%-41%16
Inficon+4%+29%23
Logitech+4%-11%20
U-Blox+5%-57%17
VAT+7%-5%23

*Kurs-Gewinn-Schätzung für das Jahr 2020 der Zürcher Kantonalbank (ZKB)
Quellen: cash.ch und ZKB

AMS

In den letzten fünf Handelstagen hat Apple-Zulieferer AMS an der Börse 26 Prozent zulegen können, seit Jahresbeginn sind es sogar plus 70 Prozent. Doch der aktuelle Aktienpreis von 40 Franken liegt noch immer über 40 Prozent unter dem Wert von vor einem Jahr. Geht es nach der ZKB, ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Jahr 2020 von derzeit 16 sehr günstig bewertet. Eine Lösung des Handelsstreits könnte bei AMS die derzeit hohen Unsicherheiten bezüglich der weiteren Umsatzentwicklung beseitigen und eine Kursrally auslösen. Wichtig wird für Anleger zunächst der 23. Juli sein, dann wird sich anlässlich der Halbjahreszahlen zeigen, ob im zweiten Quartal die vom Unternehmen erhoffte Gewinnmarge (Stufe EBIT) von 10 Prozent erreicht werden konnte.

Inficon

Der Messtechniker Inficon aus Bad Ragaz ist ein Halbleiterzulieferer. Im Gegensatz zu vielen anderen Firmen der Branche zeigt sich Inficon für das Jahr 2019 aber relativ zuversichtlich. Trotz Nachfrageschwäche im ersten Quartal hält das Management an seinen Jahreszielen (Umsatz von rund 400 Millionen Dollar und Betriebsgewinn-Marge von rund 19 Prozent) fest, man erwartet eine starke zweite Jahreshälfte. In den letzten 52 Wochen hat der Titel 27 Prozent zugelegt - ganz unberührt von den Leiden der Halbleiterbranche. Mit 3,5 Prozent fällt Inficon auch mit einer für Tech-Werte ausserordentlich hohen Dividendenrendite auf. 

Logitech

Vom Allzeithoch im August 2018 bei knapp 49 Franken hat sich Logitech wieder um über 20 Prozent entfernt. Für Irritationen unter Anlegern sorgte Ende April der Abgang des langjährigen Finanzchefs Vincent Pilette, der die (positiven) Quartalszahlen damals schon fast vergessen lassen liess. Dabei stimmt bei Logitech die Profitabilität, die Zukunftsmärkte Gaming und Videokonferenzen versprechen ein starkes Wachstum. Läuft es zwischen China und USA wieder besser, dürften Anleger beim Computerzubehör-Hersteller - der vieles in China produziert - ihre letzten Hemmungen ablegen.

Lesen Sie zum Thema auch die Insider-Kolumne vom 2. Juli 2019: Jetzt aus Novartis in Logitech umschichten?

U-Blox

Der Halbleiterhersteller U-Blox setzt voll auf das Internet der Dinge, welchem generell mit dem in den nächsten Jahren erwarteten Durchbruch der Mobilfunktechnologie 5G ein enormes Potenzial vorausgesagt wird. U-Blox selbst entwickelt Chips, die zur Positionsbestimmung von Autos oder anderen Objekten eingesetzt werden. An der Börse ist von diesem enormen Potenzial derzeit nichts zu sehen: die U-Blox-Aktie hat in den letzten 52 Wochen 57 Prozent an Wert eingebüsst. 2018 kam es zu einem starken Gewinnrückgang, vor allem der Markt in China enttäuschte. Die nächsten Jahre dürften aber Umsatz und Gewinnmarge wieder kontinuerlich ansteigen, vor allem wenn es Rückenwind aus China geben sollte.

Kursentwicklung U-Blox-Aktie in den letzten 12 Monaten, Quelle: cash.ch

VAT

Im Bereich der Vakuumventile ist VAT klarer Marktleader. Beliefert wird etwa die Halbleiter- und Displayindustrie. Die führende Stellung konnte die Firma aber nicht vor einem deutlichen Umsatzrückgang von rund 35 Prozent im ersten Quartal 2019 bewahren. Inzwischen könnte die Talsohle im aktuellen Zyklus durchschritten sein: Gemäss firmeneigener Prognose wird der Umsatz im zweiten Quartal leicht höher, oder zumindest stabil sein. Zudem hat VAT Ende Juni die im Oktober 2018 verhängte Kurzarbeit für rund 400 Mitarbeitende in Haag SG aufgehoben. Auf 12-Monats-Sicht weist die Aktie noch immer ein Minus von 5 Prozent auf.