Donald Trump verunsichert in sporadischen Episoden die Märkte. In der Folge betreibt ganz Europa Beschwichtigungspolitik, gibt nach - und die Märkte erholen sich wieder. Diese Abfolge hat sich nun mehrmals wiederholt. Inwieweit dieses Muster auf den Fall Grönland zutrifft, bleibt abzuwarten.

Die beispiellose Unverlässlichkeit des wichtigsten Konsumenten der Erde und zentralen Handelspartner vieler Länder hat bislang zwar nicht zu nachhaltigen Markteinbrüchen geführt, jedoch Anlagen, die als sichere Häfen gelten - wie der Franken oder Gold -, deutlich an Wert gewinnen lassen. Eine Anlagekategorie, die sich ebenfalls als grosser, wenn auch eher heimlicher Gewinner der Trump-Politik herauskristallisiert, sind Aktien der Schweizer Kantonalbanken.

Unberührt von geopolitischen Streitigkeiten haben viele von ihnen entweder Mehrjahreshochs oder gar neue Rekordniveaus erreicht. Zudem bieten zahlreiche Kantonalbanken weiterhin attraktive Dividendenrenditen. Im aktuellen Marktumfeld haben sie aber scheinbar nicht nur klassische Dividendenjäger für sich gewonnen.

Bewertungsanstiege und ausgereizte Kursziele

Die Papiere der Kantonalbanken aus Jura, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Graubünden, Bern, Luzern, Zug, St.Gallen, Waadt und Wallis legen in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 8 und 40 Prozent zu. Auch Valiant verbucht einen steilen Anstieg an der Börse. Die Bank betreibt ein vergleichbares Geschäftsmodell, ihre Aktien notieren rund 45 Prozent höher als noch vor einem Jahr.

Einige dieser Valoren handeln mittlerweile auf Rekordständen - darunter die Graubündner, Berner, Zuger und Walliser Kantonalbank -, andere auf Dekadenhochs. Die Aktien der St.Galler und der jurassischen Kantonalbank erreichten letztmals vor 17 beziehungsweise 15 Jahren vergleichbare Niveaus. Valiant markiert ein 16-Jahres-Hoch.

Der Wert von Sicherheit ist zuletzt stark gestiegen. Während Valiant noch vor wenigen Monaten mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 13x bewertet war und mit einer Dividendenrendite von 6 Prozent gehandelt wurde, sind es heute knapp 17x und noch 4,5 Prozent. Eine vergleichbare Entwicklung haben viele Kantonalbanken spätestens seit dem vergangenen Sommer, vielfach bereits seit Oktober 2024, durchlaufen.

Expertinnen und Experten zeigen sich gegenüber dieser Anlagekategorie weiterhin positiv eingestimmt. Bei Valiant stehen zwei Kaufempfehlungen einer Halten- und einer Verkaufsempfehlung gegenüber, bei der St. Galler Kantonalbank finden sich je eine Kauf- und eine Haltenempfehlung.

Aufgrund der kräftigen Kursanstiege liegen die durchschnittlichen Kursziele jedoch meist unter den aktuellen Kursniveaus. Eine Ausnahme bildet Valiant: Die Privatbank Berenberg wartet hier mit einem Rekordkursziel von 170 Franken auf. Dieses rückt zumindest in die Nähe des Allzeithochs von rund 206 Franken aus dem Jahr 2009. Ein Gewinnpotenzial von weiteren 8 Prozent.

Luca_Niederkofler
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