Die anhaltend hohen Ölpreise treiben den Anlegern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Der Schweizer Leitindex SMI sinkt um 0,7 Prozent auf 14'293 Zähler. Der deutsche Leitindex verliert zum Wochenauftakt 0,4 Prozent auf 25'931 Punkte. Der EuroStoxx50 gab 0,2 Prozent nach.

Die hohen Energiepreise und die damit ‌verbundenen Bremsspuren für ⁠eine konjunkturelle Erholung belasteten den Markt, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Auch die Analysten von Bantleon konstatierten: «Die Weltwirtschaft steckt diese Belastung dank extrem expansiver Fiskalpolitik bislang gut weg.» Doch je länger die ⁠Energiepreise hoch blieben, desto grösser werde das Risiko.

Im Nahen Osten und in der Strasse von Hormus war die Lage auch nach dem Wochenende angespannt. Nach gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran auf Tanker ist der Schiffsverkehr in der wichtigen ‌Wasserstrasse von Hormus auf den niedrigsten Stand seit Mai eingebrochen. Versorgungsängste trieben den Ölpreis in Richtung 100-Dollar-Marke: Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI ‌legten in der Spitze jeweils um 1,7 Prozent auf 97,93 beziehungsweise 93,04 Dollar je Fass zu. ​Ein langwieriger Konflikt mit gezielten Militäraktionen der USA und des Iran dürfte den Weg zur vollständigen Wiederherstellung der Lieferketten im Nahen Osten weiter verzögern, prognostizierten die Analysten von ANZ. Die Experten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die Ölpreise bis auf 120 Dollar je Fass anziehen könnten.

Dreht die Fed im September an der Zinsschraube?

Damit sind auch Inflations- und Zinsängste allgegenwärtig. Die Finanzmärkte haben sich bereits darauf eingestellt, dass die Europäische Zentralbank(EZB) den zum Steuern des geldpolitischen Kurses wichtigen Einlagensatz am Donnerstag um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent hochsetzen wird. Ob die US-Notenbank im Kampf gegen die hohe Teuerung nachzieht, ist unklar. ‌Seit dem überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht am vergangenen Freitag preisen die Händler eine Wahrscheinlichkeit von rund 57 Prozent für eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September ein. Der Dollar-Index konnte davon allerdings nicht profitieren und verlor 0,3 Prozent auf 98,83 Punkte. Der Euro notierte mit 1,1626 Dollar knapp im Plus.

Auch die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dämpften die Stimmung am Markt. Die AfD hat die Wahl mit grossem Vorsprung gewonnen, die ​absolute Mehrheit dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge aber verfehlt. Das sehr schlechte Ergebnis der CDU in Sachsen-Anhalt werde die Diskussion um den richtigen Kurs und damit ​auch über die Parteiführung – insbesondere den Vorsitzenden, Kanzler Merz – weiter anfachen, urteilte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei der Berenberg ​Bank, geht jedoch davon aus, dass Merz trotz erheblicher Rückschläge während der Legislaturperiode bis zur nächsten regulären Bundestagswahl Anfang 2029 im Amt bleiben wird. «Weder CDU/CSU noch SPD haben eine glaubwürdige Alternative zu ihrer Koalition.» Und bei Neuwahlen würden beide erhebliche Verluste riskieren, ‌meint der Experte.

Chip-Werte mit deutlichen Kursgewinnen zu Wochenanfang

Auf der Unternehmensseite ragten die Chipwerte nach deutlichen Kursgewinnen in den USA und Asien heraus. Die Titel von Infineon standen mit einem Plus von mehr als drei Prozent an der Dax-Spitze. Im MDax rückten Suss Microtec, Aixtron und Elmos Semiconductor zwischen 4,2 und 2,9 Prozent vor. Die Zuversicht der Anleger in die Entwicklung der Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz sei neu entfacht, sagte Jochen ​Stanzl von der ​Consorsbank. Der US-Halbleiterindex hatte am Freitag 3,4 Prozent zugelegt. Am Montag blieben die US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen.

Keinen guten Tag ⁠erwischten dagegen die Immobilienwerte nach einem Kommentar von Goldman Sachs. Die Analysten verwiesen vor dem Hintergrund steigender Zinsen auf eine ​leicht zurückhaltende Stimmung in der Branche. Die ⁠Papiere von Vonovia, die Goldman auf «Neutral» von «Buy» gesetzt hatte, verloren im Dax zwei Prozent. Sie gehörten damit zu den schwächsten Werten. Im MDax gaben Aroundtown, LEG Immobilien, TAG Immobilien und Deutsche Wohnen zwischen 1,8 und einem ‌Prozent nach.

An der Schweizer Börse gerieten die Aktien von Novartis nach einem Rückschlag bei der Entwicklung eines neuen Herzmedikaments unter Druck. Die Titel verloren mehr als drei Prozent.

(Reuters)