Der Griff zu GLP-1-Medikamenten beginnt Analysten und Einzelhändlern zufolge, die Einkaufsgewohnheiten ‌auf der ‌Insel zu verändern. In den vier Wochen bis Weihnachten seien die Lebensmittelumsätze im Wert zwar um 2,5 Prozent gestiegen, mengenmässig aber leicht zurückgegangen, teilte der Branchendienst NielsenIQ am ​Montag mit. Dies sei vielleicht der klarste Hinweis auf ‌die Auswirkungen der Medikamente auf die ‌Essgewohnheiten der Briten, sagte Verbraucherforscher Clive Black von Shore Capital.

Unter die Räder kamen zum Wochenauftakt die Aktien der für ihre kalorienreichen Würstchen im Blätterteig, Steak-Pasteten und süssen Teilchen bekannten Bäckereikette Greggs. Die Titel der britischen Fast-Food-Kette brachen in der ⁠Spitze um sechs Prozent ein und reagierten damit auf eine Herabstufung von Jefferies. «Wir sind zunehmend der Ansicht, dass die rasante Verbreitung von GLP-1-Medikamenten zur Gewichtsreduktion Greggs beeinträchtigt», sagte ​Jefferies-Analyst Andrew Wade. Das Brokerhaus stufte die Aktie auf «Hold» ‌von «Buy» herab und warnte davor, dass die Abnehmmittel ‍das Umsatz- und Gewinnwachstum beeinträchtigen könnten, indem sie die Nachfrage der Stammkunden verringerten.

Auch der Chef der ​Supermarktkette Sainsbury's, Simon Roberts, sagte, der Konzern spüre die Auswirkungen der Abnehmmittel. «Bei Kunden, die diese Mittel verwenden, sehen wir einen verstärkten Trend hin zu gesünderen Alternativen, zu frischen ‌Lebensmitteln und zu Ballaststoffen.» Tesco-Chef Ken Murphy erklärte, ⁠man beobachte den Trend «sehr genau».

Die Unternehmen reagieren ‌bereits auf die veränderte Nachfrage. Die Supermarktkette Marks & Spencer hatte vergangenen Monat eine Reihe nährstoffreicher Mahlzeiten auf ‍den Markt gebracht, die auf Menschen zugeschnitten sind, die Abnehm-Spritzen verwenden. Greggs-Chefin Roisin Currie hatte zuletzt erklärt, die Kunden würden zu kleineren ​Portionen greifen und mehr Informationen über den Protein- und Ballaststoffgehalt suchen. ‍Das Unternehmen reagiere darauf mit einer Anpassung des Angebots. 

(Reuters)