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Industrieaktien - Marc Possa: «Gute Small und Mid Caps müssen teuer sein»

Trotz erhöhter Bewertungen und einem volatilen Börsenumfeld rät Marc Possa weiter zu industriellen Small und Mid Caps. Der Fondsmanager diskutiert Favoriten, nennt aber auch eine Aktie, der er mit Vorsicht begegnet.
17.05.2019 07:40
Von Marc Forster
Marc Possa, CEO VV Vermögensverwaltung, im Börsen-Talk.
Bild: cash

Beim Logistiktechniker Interroll hat sich der Aktienkurs in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht. Der Elektrokomponentenspezialist Lem erfuhr im gleichen Zeitraum an der Börse eine Wertsteigerung von 75 Prozent.

Neben einer guten Perfomance haben die beiden Industrieunternehmen noch mindestens zwei weitere Gemeinsamkeiten. Sie gehören beide zu den Top-Positionen im Fonds SaraSelect, den Marc Possa als CEO des Anlagedienstleisters VV Vermögensverwaltung leitet. Und: Sie sind mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 33 beziehungsweise 27 hoch bewertet.

Eine so hohe Bewertung schreckt viele Anleger ab. Gerade jetzt, wo die Märkte wieder gefallen sind und sich die Unsicherheiten nochmal erhöht haben, werden manche nervös. Für Possa sind die Bewertungen wie auch die Marktturbulenzen indes eher zweitrangig.

Kursrückgänge geben Einstiegschance

"Ich glaube, gute und erfolgreiche Firmen mit überdurchschnittlichen Strategien müssen teuer sein - sonst funktioniert der Markt nicht", sagt Possa im cash-Börsen-Talk. Diese Firmen seien vor einigen Jahren von Investoren entdeckt worden, wodurch die Bewertungen gestiegen seien. Das Risiko von "Setbacks" besteht bei teuren Aktien immer, soll aber nicht vom Investieren abhalten, wie Possa sagt. Er empfiehlt jenen, die diese Aktien besitzen, sie weiter zu halten.

Wer einsteigen wolle, habe gerade durch die jüngsten Kursrückgänge eine gute Chance bekommen. Interroll und Lem seien wie zahlreiche Schweizer Small und Mid Caps Marktführer in ihren Bereichen und würden mit ihren Produkten an den Megatrends der Gegenwart und wohl auch der Zukunft teilhaben.

Als Anleger müsse man bei all diesen guten Vorzeichen auch mit dem Management eines Unternehmens einverstanden sein: "Patronal geführte Gesellschaften sind mir sympathisch." Interroll-CEO Paul Zumbühl etwa gehört zu den langjährigen CEO bei Schweizer Firmen, dessen Leistung auch von der Börse kräftig honoriert worden ist (cash berichtete). 

Zuspruch für LafargeHolcim-CEO Jenisch

Possa hält aus den gleichen Gründen auch viel vom SMI-Mitglied Sika. Auch wenn der global führende Bauchemiespezialist ein Grosskonzern sei, spürt man laut Possa man bei den heutigen Chefs das "feu sacré", das unermüdliche Engagement für das Unternehmen und dessen operative Leistung. Dies lasse sich daran ablesen, dass der Kurs der Aktie praktisch stetig nach oben gelaufen sei - bis zu einem Rekordhoch vor wenigen Wochen

Die Kursverläufe von Sika (rot) und LafargeHolcim (grün) in den vergangenen fünf Jahren. Die Lafarge-Holcim-Aktie erholt sich seit Anfang 2019 und ist year-to-date die best-performende im SMI (Grafik: cash.ch). 

Weniger gradlinig verlief der Kurs von LafargeHolcim - und für Possa ist klar: "Das liegt an der Kultur." Der Zementkonzern hat seiner Einschätzung nach nicht die effizienten, klaren Strukturen wie die anderen, von ihm als Investments bevorzugten Firmen. Solche Voraussetzungen zu schaffen brauche Jahre oder gar Jahrzehnte.

Possa hält diesen Titel unter Beobachtung, ist dort aber nicht investiert. Allerdings hat er Vertrauen in den LafargeHolcim-Chef und früheren Sika-CEO Jan Jenisch, der das Ruder im September 2017 übernahm: "Wenn einer es schaffen kann, dann er." Im Sinne eines Langfrist-Engagements sei LafargeHolcim durchaus eine Überlegung wert. 

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Possa auch zur gegenwärtigen Zinssituation und sagt, warum er «Sektorrotation» für ein Unwort hält. Dazu erläuert er auch, weswegen er die Finger von Grossbankaktien lässt und eher zum Verkauf spekulativer Biotechtitel rät. 

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