«Am deutschen Aktienmarkt macht sich nach der Feiertagsrally rund um Christi Himmelfahrt zunehmend Katerstimmung breit», sagt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. Da das Gipfeltreffen zwischen ⁠US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking keinen Durchbruch im US-Iran-Konflikt brachte, fürchten Anleger eine erneute militärische Eskalation. US-Präsident Trump drohte dem Iran am Donnerstag, er werde «nicht mehr ‌lange geduldig sein». Dies drückte den Dax in der alten Woche nach drei Tagen mit Gewinnen um insgesamt ‌gut ein Prozent unter den Vorwochenschluss.

Die Skepsis der Anleger zeigte sich auch ​am Ölmarkt. Die Nordsee-Rohölsorte Brent verteuerte sich auf Wochensicht um fast sieben Prozent, beim US-Leichtöl WTI lag das Plus bei rund neun Prozent. «Die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Strasse von Hormus ist verflogen», sagt Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht. Sollte der US-Iran-Konflikt in einen langanhaltenden Zermürbungskrieg übergehen, dürfte dies die Ölpreise weiter nach oben treiben, schreiben die Analysten der Warburg Bank. Dies würde nicht nur die Inflation anfachen, sondern könnte die US-Notenbank Fed dazu zwingen, den Zinssenkungszyklus abzubrechen oder gar die ‌Zinsen erneut anzuheben.

Die US-Märkte gaben deshalb am Freitag deutlich nach: Das breit gefasste Börsenbarometer S&P 500 verlor 1,24 Prozent auf 7408,50 Zähler. Der Leitindex Dow Jones Industrial büsste 1,07 Prozent auf 49'526,17 Punkte ein. Auf Wochensicht ergibt dies ein Minus von 0,17 Prozent. Der Tech-Index Nasdaq 100 fiel um 1,54 Prozent auf 29'125,20 Punkte. Auch der europäische Leitindex Stoxx 600 tauchte um 1,5 Prozent auf 606,93 Zähler. Der Swiss Performance Index (SPI) (-0,02 Prozent) vermochte indes die Verluste auf ein Minimum zu begrenzen.

Warten auf Frühindikatoren

Nun blicken Anleger in der neuen Woche mit Spannung auf eine Reihe von Frühindikatoren, die als wichtige Barometer für die weitere Entwicklung der Inflation und der Konjunktur gelten. Die Fed versucht, mit straffer Geldpolitik die Teuerungsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken, ohne die Konjunktur abzuwürgen.

Dabei wird der ​Fokus neben Einkaufsmanagerindizes vor allem auf dem deutschen Ifo-Geschäftsklimaindex für Mai liegen. Dieser wird am Freitag veröffentlicht. «Der Iran-Krieg hat die Ifo-Geschäftserwartungen ​einbrechen lassen, die Auswirkungen auf das laufende Geschäft schienen sich aber zumindest vor einem Monat ​noch in Grenzen zu halten», sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Ähnliches sei in den ersten Monaten des Ukraine-Kriegs im Frühjahr 2022 zu beobachten gewesen. Allerdings habe damals die weitere Entwicklung gezeigt, dass eine ‌stabile Beurteilung der Geschäftslage im Mai kein Grund zur Entwarnung war.

Zugleich warten Anleger unter anderem auf die Daten zum Aussenhandel in der Euro-Zone im März, die am Dienstag veröffentlicht werden. Zur Wochenmitte folgen die endgültigen Inflationszahlen für den Euroraum im April. Am Donnerstag stehen die Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone und die USA sowie Daten ​zum Verbrauchervertrauen ​im Euroraum im Mai an. Geplant zur Veröffentlichung zum Wochenschluss sind Zahlen zum ⁠deutschen Wirtschaftswachstum im ersten Quartal und das GfK-Konsumklima für Juni.

Grossbritannien und Unternehmensergebnisse im Blick

Zugleich blicken Anleger weiter auf ​die politische Lage in Grossbritannien. Dort ⁠bringt sich der «König des Nordens» gegen den angeschlagenen Premierminister Keir Starmer in Stellung. Der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, hat die Rückkehr in die nationale Politik ‌angekündigt. Der 56-Jährige will für einen frei werdenden Sitz im Parlament kandidieren. Als Abgeordneter könnte er Starmer den Vorsitz der Labour-Partei streitig machen. Der Parteichef ist fast automatisch auch der Regierungschef. Seinen Wählern verspricht Burnham, mit grossen Veränderungen die Lebenshaltungskosten zu senken.

Die Ankündigung sorgte ‌für Nervosität an den Finanzmärkten und belastete das Pfund. Investoren fürchten einen Anstieg der Staatsschulden. «Sollte sich ein ausgabenfreudigerer Kandidat durchsetzen, ​dürfte dies die Renditen der britischen Staatsanleihen weiter nach oben treiben, die bereits jetzt auf den höchsten Niveaus seit 2008 handeln», erläutert Commerzbank-Stratege Erik Liem.

Bei den Unternehmen kommt die Bilanzsaison nach und nach zu Ende. Im Rampenlicht steht vor allem der Quartalsbericht des US-Chipriesen Nvidia am Mittwoch. Die Anleger blicken zudem auf die Geschäftszahlen kleinerer Unternehmen, etwa Hornbach, ‌Douglas und Südzucker. Mehrere Konzerne laden zur ​Hauptversammlung ein.

In der Schweiz publizieren Sonova am Montag, EFG und Ypsomed am Mittwoch, Swiss Life am Donnerstag und Richemont sowie Julius Bär am Freitag die Ergebnisse.

(Reuters/cash)