Kein Fleisch, keine Umweltverschmutzung - Der erste vegane ETF ist sehr «flexibel»

Der weltweit erste vegane ETF stammt aus der Schweiz und ist seit September an der New York Stock Exchange kotiert. Wer sich die Einzeltitel in diesem passiven Fonds genauer anschaut, wird womöglich etwas stutzig.
29.10.2019 11:36
Von Pascal Züger
Vegan lebende Menschen meiden entweder alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, oder sie lehnen generell die Verwertung tierischer Produkte und Ausbeutung der Tiere ab.
Vegan lebende Menschen meiden entweder alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, oder sie lehnen generell die Verwertung tierischer Produkte und Ausbeutung der Tiere ab.
Bild: pixabay.com

Das Geschäft für Fleischersatzprodukte boomt. Gross war etwa der Hype um den Börsengang von Beyond Meat im Mai 2019. Die US-Firma stellt vegane Fleischersatzprodukte her, die richtigem Fleisch verblüffend ähnlich sind.

Für 25 Dollar pro Aktie startete Beyond Meat an der Börse, zwischenzeitlich schoss sie bis auf 240 Dollar empor. Zuletzt fiel der Titel wieder auf knapp 106 Dollar – was zum Einstiegspreis aber noch immer mehr als eine Vervierfachung in nur einem halben Jahr darstellt.

Schweizer Firma mit klaren Richtlinien

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die Fonds-Industrie auf diesen Zug aufspringen würde: Am 10. September startete mit dem "US Vegan Climate ETF" (Kürzel: VEGN) tatsächlich der erste Exchange Traded Fund (ETF) dieser Art. Dahinter steckt eine Schweizer Firma, Beyond Investing aus Genf. Das Investmenthaus verfolgt klare ethische Grundsätze und setzt in ihren Investments auf Firmen, die keine Tiere ausbeuten und umweltbewusst agieren. CEO ist Claire Smith, eine überzeugte Veganerin.

Wenig überraschend ist die Beyond-Meat-Aktie im ETF enthalten. Allerdings reicht es nicht in die Top-10-Positionen. Dort finden sich andere Firmen: Apple, Microsoft, Facebook, Visa, Mastercard oder Bank of America.

Diese Namen klingen vielmehr nach einem Standard-ETF als nach einem Produkt mit hohen ethischen Anforderungen. So könnte etwa Apple für die Arbeitsbedingungen, unter welchen ihre Produkte in Asien produziert werden, kritisiert werden. Auch die anderen Firmen gelten kaum als soziale Vorbilder, geschweige denn als vegane Vorreiter.

Vegan und klimabewusst

Im Factsheet des veganen ETF rühmt sich Beyond Investing damit, auf Firmen zu setzen, die insgesamt 60 Prozent weniger Treibhausgase produzieren, 94 Prozent weniger Abfall generieren und 80 Prozent weniger Wasser nutzen, als die S&P-500-Firmen im Schnitt. Abgebildet wird im ETF der im Juni 2018 von Beyond Investing selbst eingeführte US Vegan Climate Index. Dieser wiederum basiert auf dem Solactive US Large Cap Index (welcher mehr oder weniger dem S&P 500 entspricht) unter Ausschluss aller Aktien, die nicht mit dem veganen und klimabewussten Anlageansatz vereinbar sind.

Seit der Lancierung am 10. September hat der US Vegan Climate ETF 1,4 Prozent zugelegt. Damit hinkt er leicht hinter dem S&P 500 hinterher (plus 2,0 Prozent). Allerdings ist der betrachtete Zeitraum schlicht zu kurz, um hier von einer Enttäuschung zu sprechen. Die Gesamtkosten des ETF belaufen sich auf 0,6 Prozent, was für einen passiven Fonds eher im oberen Bereich ist.

Wurde da ein Anlagevehikel kreiert, das vom veganen Trend profitieren will, aber eigentlich ein 08:15-ETF ist? CEO Claire Smith rechtfertigt die Zusammensetzung des ETF in einem Interview mit CNN so, dass man nur Firmen aus dem Portfolio schmeisse, die sich fragwürdig gegenüber Tieren oder unserem Planeten verhielten. Unter Ausfiltrierung der "schwarzen Schafe" blieben im ETF noch 43 Prozent der Marktkapitalisierung des gesamten S&P 500 übrig.

Warren Buffet ausgeschlossen, Elon Musk willkommen

Ausgeschlossen werden etwa die Energiegiganten Exxon Mobil und Chevron, aber auch Amazon (besitzt Whole Foods, eine Biosupermarktkette, die jedoch auch Fleisch im Sortiment führt), Walmart, McDonald's oder Warren Buffetts Berkshire Hathaway, dies aufgrund des Investments in Kraft Heinz.

Weiter betont Smith, dass man im Nahrungsmittelbereich "leider" unterbewertet sei, da es derzeit nur wenige Aktien gebe, die auf rein pflanzliche Inhalte setzten. Speziell positiv hebt Smith hingegen Tesla hervor, da die Firma für das Model 3 lederfreie Sitze habe und dasselbe für das kommende Model Y geplant sei. Man setze auf den Elektroautohersteller, da die Firma sowohl umweltfreundlich, als auch tierfreundlich sei.

 

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