Wie die amerikanischen Pendants kamen auch die europäischen Unternehmen in den Sektoren Software, IT-, Internet-, Medien- und Geschäftsdienstleistungen seit dem Höchststand 2025 mit einem Minus von 40 Prozent unter die Räder.
Die Befürchtungen des Marktes hinsichtlich der Umwälzungen durch KI waren ein wesentlicher Treiber, wobei die stärksten Abwertungen in den Bereichen Informationsdienstleistungen, Software, E-Commerce und Kleinanzeigen zu verzeichnen waren. Diese Korrektur sollte gemäss den Analysten von Morgan Stanley um Adam Wood nun vorbei sein.
Historisch gesehen übertraf der durchschnittliche Gewinn je Aktie mit disruptiven Zukunftsaussichten den Index und führende Unternehmen. Diese Outperformance sei jedoch weitgehend zum Stillstand gekommen, erläutert der Experte der US-Investmentbank. So sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in den vergangenen zwölf Monaten von durchschnittlich 24x auf nur noch 16x gesunken. Im Vergleich dazu fiel das KGV von Aktien mit disruptiven Zukunftsaussichten, die als unumstritten gelten, von 16x zum Zeitpunkt der ChatGPT-Veröffentlichung auf aktuell 12x. Das ist aus Sicht von Wood von Morgan Stanley ein möglicher Tiefpunkt im schlimmsten Fall.
Zudem deuten die technischen Indikatoren für europäische Aktien mit disruptiven Zukunftsaussichten mit minus drei Standardabweichungen auf einen überverkauften Bereich hin. Ähnliche Werte in der Vergangenheit liessen zumindest eine vorübergehende Entspannung des Verkaufsdrucks vermuten.
Spreu trennt sich vom Weizen
Mit Adecco hat ein hiesiger Titel im Zeichen des negativen KI-Einflusses auf das Geschäftsmodell gelitten. Mit rund 23 Franken notiert der Titel nur unwesentlich über den dreijährigen Tiefstständen und jeder Erholungsversuch beim Titel erstickte im Keim.
Die Experten von Morgan Stanley konstatieren zwar, dass Adecco wie der Rest der Branche von KI-bedingten Arbeitsplatzverlusten und der Disintermediation betroffen sei - Disintermediation bezeichnet den Prozess des Wegfalls von Zwischenhändlern oder Vermittlern in der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig erwirtschafte der Personalvermittler aber rund 12 Prozent seines Bruttogewinns mit Outplacement und Weiterbildung. Dies seien Segmente, die von der KI-Entwicklung profitieren.
Die Investmentbank stuft Adecco mit einem Rating «Equalweight» und einem Kursziel von 22,50 Franken ein. Am Dienstag liegt der Kurs bei 23 Franken, was einem leichten Abwärtspotenzial entspricht. Dies gilt es mit einem Blick auf den Rest der Branche einzuordnen. Randstad, Hays, PageGroup und Capgemini werden alle mit «Underweight» eingestuft.
Oben auf der Empfehlungsliste von Morgan Stanley stehen Universal Music Group, Experian, Scout24 und SAP - alle Titel haben ein Rating «Overweight». Die Teilbranchen Kreditauskunfteien, Kleinanzeigenportale, Musiklabels und Softwareunternehmen wurden anhand der Einschätzung des Risikos durch KI-bedingte Disruptionen und des Ausmasses der jüngsten Abwertung bewertet. Grundlage hierfür waren die Bewertungskriterien für KI-Disruptionen, Komplexität der Prozesse, Datenvorsprung, Innovationsfähigkeit und Intensität der privaten Kapitalfinanzierung respektive Bedrohung durch neue Marktteilnehmer.
Die ERP-Systeme zählen aufgrund ihrer Komplexität und geschäftskritischen Rolle zu den Softwarekategorien, die am besten vor KI-bedingten Umwälzungen geschützt sind. SAP integriere KI zügig in seine Produkte und verzeichnet bereits eine starke Akzeptanz. Die Firma sei zudem ein wichtiger Wegbereiter für erweiterte KI-Anwendungsfälle. Das Team von Morgan Stanley vergibt ein Kursziel von 240 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von etwas mehr als 30 Prozent.

