Investoren wird es gefreut haben: Bei 30'762 Punkten hatte der Nasdaq 100 Anfang Juni seinen bisher höchsten Stand überhaupt erreicht. Allein in den vergangenen zwei Jahren war er um mehr als 50 Prozent gestiegen und hat so längerfristig orientierte Anleger belohnt.
Seit Juni-Beginn schwankt der US-Technologie-Index zwischen 28'200 und 30'700 Zählern. Die Seitwärtsbewegung hat sich also unter grösseren Schwankungen nach unten und nach oben vollzogen.
Auch langfristig gibt es Risiken, die beispielsweise von den hohen und bisweilen schuldenfinanzierten Investitionen der Branchengiganten wie Amazon, Apple, Meta und Microsoft ausgehen. Die Rede ist von einem eigentlichen Super-Zyklus, ebenso von hohem Gewinnwachstum und hohen Gewinnerwartungen - die leicht enttäuscht werden können, wenn Projekte nicht so zügig vorankommen, wie dies erwartet wird, oder wenn die Regulierung zunimmt.
Die Analysten der Privatbank Berenberg haben nachgezählt: Im ersten Quartal 2026 seien in den USA Rechencenter-Vorhaben im Umfang von 130 Milliarden Dollar verschoben oder abgesagt worden. Zugleich seien 1560 KI-bezogene Gesetze vorgeschlagen worden - mehr als im Gesamtjahr 2025.
Die Berenberg-Experten sind nun der Auffassung, dass Künstliche Intelligenz auch weiterhin Chancen bietet. Sie zeigen jedoch Alternativen zu KI-Aktien auf, wobei sie namentlich Europas Bau-, Energie-, Konsumgüter-, Telekommunikations- und Pharma-Sektor genauer betrachtet haben. Diese Branchen seien am ehesten vor KI-bedingten Umwälzungen gefeit und böten weitgehend unabhängiges Ertragspotenzial.
Lonza
Künstliche Intelligenz könne zwar die Entwicklung von Medikamenten beschleunigen, aber sie könne die Medikamente nicht physisch herstellen, halten die Analysten fest. Lonza füge sich derweil in viele kurzfristige Trends ein; das Unternehmen verfüge über eine hohe Kapitalbasis, wachse rasch und sei weitgehend unempfindlich gegenüber Konjunkturabschwüngen. Es könne in den nächsten Jahren ein organisches Wachstum von jährlich mehr als 10 Prozent erzielen.
Nun beträgt das Aufhol- beziehungsweise Gewinnpotenzial gemessen an der Berenberg-Prognose 8,5 Prozent und gemessen am Konsens 15,6 Prozent.
Geberit
Geberit und dessen Anleger partizipierten an den sich allmählich erholenden Renovierungsaktivitäten in Europa, vermerkt der zuständige Berenberg-Analyst in der zum Wochenauftakt erschienenen Studie. Zudem weise der Sanitärtechnikkonzern eine hohe Preissetzungsmacht, erstklassige Margen und eine aussergewöhnliche Cashflow-Generierung auf, so der Experte weiter.
Das Berenberg-Kursziel geht auch deutlich über den aktuellen Stand der Aktie von 532 Franken am Montagabend hinaus. Anders gesagt: Abgelesen an der Prognose der deutschen Privatbank können Anleger auf einen 22-prozentigen Kursgewinn in den nächsten Monaten hoffen.
Dormakaba
Der Schliesstechnikkonzern aus Rümlang schreibe eine Geschichte der Selbsthilfe in einem schwierigen Umfeld, notiert der verantwortliche Berenberg-Experte. Die Endmärkte zeigten weiterhin ein gemischtes Bild, und das Margenpotenzial von Dormakaba werde noch immer unterschätzt. Es gehe dabei aber um Vereinfachung, Beschaffung und operative Exzellenz.
Das Anlageurteil der deutschen Privatbank zu Dormakaba lautet «Buy». Das Preisziel von 90 Franken liegt 60 Prozent über der aktuellen Notierung, die 56,20 Franken beträgt. Es ist gemäss AWP zugleich das höchste Kursziel am Markt. Im Schnitt peilen die Analysten knapp 73 Franken an.
Man kann fragen, warum nicht auch die Schweizer Pharma-Grössen Roche und Novartis unter den favorisierten KI-fernen Aktien der deutschen Privatbank auftauchen. Die Antwort lautet: Die Analysten haben andere Pharma-Aktien in ihre Top-Picks aufgenommen, beispielsweise AstraZeneca und Novo Nordisk. Analog fiel die Entscheidung im Bausektor nicht zugunsten von Holcim oder Amrize, sondern zugunsten des französischen Unternehmens Saint-Gobain aus.

