Nach dem schwachen Wochenauftakt stieg der Dax am Mittwoch um ein halbes Prozent auf bis zu 25.103 Punkte. Der EuroStoxx50 kletterte um 0,7 Prozent auf 6161 Zähler und markierte damit ein frisches Allzeithoch. «Wegen Trumps neuer Zölle ist der Dax nur kurzzeitig aus dem Tritt gekommen», sagte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. In der Rede von US-Präsident Donald Trump zur Lage der Nation seien neue Zolldrohungen ausgeblieben.
Für Zuversicht sorgte der US-Softwareentwickler Anthropic. Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte Start-up stellte bereits am Dienstag neue Software-Werkzeuge für Geschäftskunden vor, die bei Aufgaben im Investmentbanking, in der Vermögensverwaltung und im Personalwesen helfen sollen. Ziel sei nicht, die Kunden zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen. Eine andere KI-Anwendung von Anthropic für juristische Aufgaben hatte zuletzt einen massiven Ausverkauf bei Software-Aktien ausgelöst. Anleger befürchteten, dass die KI-gestützte Automatisierung grosse Teile der Einnahmequellen traditioneller Anbieter untergraben könnte. Der Ausverkauf hatte binnen sechs Handelstagen weltweit einen Börsenwert von 830 Milliarden Dollar vernichtet.
Augen auf bei Nvidia
Bereits an der Wall Street hatten Anleger die gefallenen Kurse zum Einstieg bei Technologiewerten genutzt. Die KI-Euphorie und die Nachfrage nach Chip-Herstellern trieb zur Wochenmitte auch die Börsen in Japan, Südkorea und Taiwan auf frische Höchststände. Am Abend wird die Rally bei Künstlicher Intelligenz allerdings erneut auf die Probe gestellt: Nach US-Börsenschluss legt der Chip-Gigant Nvidia seine mit Spannung erwarteten Quartalszahlen vor. Analysten rechnen mit einem Gewinnsprung von 62 Prozent und einem Umsatzplus von 68 Prozent. Da Nvidia die Prognosen in den vergangenen 13 Quartalen regelmässig übertroffen hat, dürfte der Markt auf noch bessere Zahlen hoffen.
«Angesichts der hohen Erwartungen werden Anleger heute Abend in Nvidias Bilanz versuchen, das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden», sagte Stanzl. «Im besten Fall könnten Nvidias Quartalszahlen zu einem Weckruf werden, dass mit dem Wachstum im KI-Sektor weiterhin alles stimmt.» Börsianern zufolge hat aber vor allem der Ausblick auch das Potenzial, für einen gehörigen Dämpfer zu sorgen. «Verfehlt Nvidia in irgendeiner Art und Weise die Schätzungen, könnte nicht nur der Aktienkurs des Big Tech-Konzerns unter die Räder geraten, auch der gesamte Aktienmarkt würde darunter leiden», sagte IG-Analyst Christian Henke.
HSBC beflügelt Finanztitel
Von den abgemilderten KI-Sorgen profitierte zur Wochenmitte auch der Finanzsektor. Ein europäischer Banken-Index zog rund zwei Prozent an. Dazu trug auch die britische Bank HSBC bei, die ihre Renditeziele nach oben geschraubt hat. Bei Anlegern kamen die rosigen Aussichten nach einem tiefgreifenden Konzernumbau gut an: HSBC-Aktien kletterten in London um rund sechs Prozent.
Rund sieben Prozent nach unten rutschten dagegen die Aktien des weltgrössten Spirituosenkonzerns Diageo. Der Hersteller von Johnnie Walker Whisky verstimmte Investoren mit der Ankündigung, nach einem Gewinneinbruch die Dividende zu kürzen. Wegen des schwachen Nordamerikas-Geschäft stampfte der neue Firmenchef zudem die Prognose ein und geht nun von einem stagnierenden bis leicht sinkenden Umsatz aus.
Verschnupft reagierten Anleger auch auf die Aussichten bei Fresenius. Die Titel des Gesundheitskonzerns rutschten in der Spitze mehr als vier Prozent ab und waren damit der schwächste Dax-Wert. «Knackpunkt ist der Ausblick 2026», teilten die Analysten der DZ Bank mit. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einer operativen Gewinnmarge von rund 11,5 Prozent und liegt damit unter den Analystenerwartungen von 12,0 Prozent. Die Abweichungen kämen aber vor allem durch höhere Kosten auf Konzernebene aufgrund verstärkter Investitionen in Digitalisierung und Produktinnovationen. «Insofern betrachten wir dies als nicht dramatisch», so die DZ Bank-Analysten.
(Reuters)

