Der in Hongkong verwaltete «Pictet Strategic Income Fund» verdoppelte seine Aktienquote innerhalb weniger Wochen nach den Waffenstillstandsgesprächen zwischen den USA und dem Iran Anfang April auf rund 65 Prozent. Im Fokus standen dabei unterbewertete und infrastrukturbezogene Unternehmen mit Bezug zu KI. Diese Überzeugung trug dazu bei, dass der Fonds im vergangenen Monat fast 90 Prozent seiner Vergleichsgruppe übertraf und im vergangenen Jahr eine Rendite von rund 43 Prozent erzielte.
«Ich denke, wir befinden uns weiterhin in einem sehr starken und lang anhaltenden KI-Zyklus, von dem die asiatische Lieferkette profitieren wird», sagte Lorraine Kuo, Co-Managerin des Fonds, in einem Interview vergangene Woche. «Wir bevorzugen nach wie vor die führenden US-amerikanischen Technologieunternehmen – insbesondere diejenigen, die alles von Modellen und Chips bis hin zum Vertriebskanal abdecken.»
Zu den Top-Positionen zählen der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix, dessen Aktien seit 2026 um 194 Prozent gestiegen sind, sowie Samsung Electronics mit einem Plus von über 138 Prozent. Diese beiden Unternehmen trugen fast zwei Drittel zum Anstieg des Referenzindex Kospi bei. Laut den eingereichten Unterlagen hält Pictet ausserdem Anteile an Alphabet, Apple und Nvidia.
Die risikofreudigere Ausrichtung von Pictet spiegelt eine breitere Marktstimmungsänderung wider. Die Erwartung einer Lösung im Nahen Osten ermutigt Anleger, defensive Positionen aufzulösen, während die positive Entwicklung im Bereich KI – mit Berichten von Lieferkettenunternehmen über Engpässe – Kapital zurück in Infrastrukturaktien lenkt.
Laut Andy Wong, Leiter Multi-Asset bei Pictet Hongkong und Hauptmanager des Fonds, verfolgt das Unternehmen bei der Identifizierung von Chancen einen ganzheitlichen Ansatz, der auch die Beobachtung sich verändernder Engpässe in der Lieferkette umfasst.
«Rechenleistung ist zwar wichtig, aber es eröffnen sich auch Chancen auf Betriebssystem- und Anwendungsebene», fügte Wong hinzu und verwies auf das rasante Wachstum des Jahresumsatzes von Anthropic PBC.
Abseits der Schwergewichte wächst auch das Interesse der Anleger an weniger bekannten Aktien aus der KI-Lieferkette, darunter der Hersteller von Mehrschicht-Keramikkondensatoren Samsung Electro-Mechanics und der Substrathersteller Ibiden. Beide Aktien erreichten kürzlich Rekordkurse.
Da Pictet verstärkt auf Technologie setzt, hat der Fonds gleichzeitig sein traditionelles Engagement in Gold als sicheren Hafen reduziert. Im März verstärkte der Fonds seine Absicherung angesichts der Turbulenzen durch den Iran-Krieg und nutzte Index-Hedges anstelle von Goldbarren, um seine Positionen gegen Kursverluste abzusichern.
(Bloomberg/cash)
