Kryptowährung - «Die Frage ist nicht, ob Bitcoin die 20'000-Dollar-Marke knacken wird, sondern wann»

Von der breiten Öffentlichkeit erstaunlich unbemerkt, steuert Bitcoin zielgenau auf ein Allzeithoch zu. Trotzdem ist die Situation nicht mit dem Hype von 2017 vergleichbar. Für Anleger bieten sich jetzt noch Chancen.
18.11.2020 18:00
Von Henning Hölder
Bitcoin ist, gemessen an der Marktkapitalisierung, die grösste Kryptowährung der Welt.
Bitcoin ist, gemessen an der Marktkapitalisierung, die grösste Kryptowährung der Welt.
Bild: imago images / Imaginechina-Tuchong

Bitcoin scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen: Steil nach oben. Nachdem die grösste Kryptowährung der Welt bereits zu Wochenbeginn die wichtige technische Hürde von 16'000 Dollar geknackt hat, nähert sie sich in grossen Schritten ihrem Allzeithoch von knapp 20'000 Dollar aus dem Jahr 2017. Derzeit kämpft Bitcoin mit der 18'000-Dollar-Marke.

Die fundamentalen Gründe der aktuellen Bitcoin-Rally sind schnell erzählt. Der Einstieg von grossen Playern wie Paypal, Square oder MicroStrategy in das Krypto-Geschäft, das Liebäugeln vieler Notenbanken mit digitalen Staatswährungen sowie das stark anziehende Interesse grosser institutioneller Investoren verleihen Bitcoin derzeit grossen Rückenwind.

Die Folge: Innerhalb von nur sechs Wochen schoss der Bitcoin-Kurs um rund 70 Prozent in die Höhe. Diese Rally weckt Erinnerung an den Winter 2017/2018, als Bitcoin erstmals in das öffentliche Bewusstsein rückte und im Zuge einer allgemeinen FOMO-Hysterie ("Fear of missing out"), bei der zum Schluss jeder noch auf den Zug aufspringen wollte, innerhalb weniger Monate von 4000 Dollar auf 20'000 Dollar katapultiert wurde.

Doch trotz der derzeit massiv steigenden Kurse, ist die jetzige Rally nicht mit Ende 2017 vergleichbar – zumindest noch nicht. Ein Blick auf Daten von Google Trends zeigt, dass das öffentliche Interesse an Bitcoin derzeit nicht ansatzweise vergleichbar ist mit damals.

Google-Trends-Analyse für den Suchbegriff "Bitcoin", 2015 bis heute (weltweit). 

Auch Patrick Heusser von Crypto Finance stellt fest, dass das Thema Bitcoin noch nicht wieder im Mainstream angekommen ist. Das zeige sich auch in den sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook. "Die Social-Data-Analysen zeigen, dass wir weit weg sind von einem Markt, der overhyped ist", sagt Heusser gegenüber cash.ch. Dass Bitcoin noch nicht wieder die mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht wie im Hype 2017, ist eine gute Nachricht für Anleger. Besonders für jene, die jetzt noch überlegen, kurzfristig einzusteigen.

Timo Emden vom Analysehaus Emden Research glaubt, dass spätestens ab einem Kurs von 20'000 Dollar auch wieder unerfahrene Anleger dazukommen werden. "Kurzfristig bieten sich dadurch, frei nach dem FOMO-Prinzip, Chancen für weitere Kurssprünge", sagt Emden gegenüber cash.ch. Doch er mahnt gleichzeitig, dass sich Anleger bewusst sein müssten, dass der Bitcoin-Kurs jederzeit plötzlich und unerwartet tief fallen könne, sobald grosse Investoren Gewinne mitnehmen wollen. "Das wird auch früher oder später passieren, wenn auch nicht in der Grössenordnung von 2017", sagt Emden.

Bitcoin-Kurs-Entwicklung der letzten drei Jahre (Quelle: cash.ch)

Doch bis wohin kann die Reise für die, gemessen an der Marktkapitalisierung, grösste Kryptowährung der Welt noch gehen? In den Finanz-Blogs machen derzeit wieder Kursziele im sechsstelligen Dollar-Bereich die Runde. Diese werden dabei nicht nur von ominösen Crypto-Bullen aus dem Internet propagiert, sondern auch von etablierten Finanzinstituten wie der Citibank. Deren Analyst Tom Fitzpatrick sorgt derzeit mit einem Kursziel von über 300'000 Dollar für Ende 2021 für Aufsehen.

Er bedient sich dabei der technischen Analyse. Fitzpatrick projiziert die Kursgewinne der letzten drei Aufwärtsphasen in den 2010er-Jahren auf die aktuelle Ausgangslage und errechnt daraus ein potenziellen Bitcoin-Anstieg auf bis zu 318'000 Dollar bis Ende 2021. Allerdings: Der Citi-Analyst setzte das Kursziel für Gold auch schon mal auf 6'400 Dollar.

Emden hält solche Kursziele schlicht für unseriös und irreführend, insbesondere, wenn man an unerfahrene Anleger denke. "Wenn ein Laie ein Kursziel von 300'000 Dollar liest, dann kauft er Bitcoin und erwartet, dass er die 300'000 Dollar bekommt." Man müsse aufpassen, dass die Gier nicht Überhand gewinne, sagt Emden. Auch Heusser rät, solch hohe Kursziele, die ein genauen Zeitpunkt des Eintreffens vorhersagen, mit grosser Vorsicht zu behandeln. "Preis und Timing zusammenzubringen, funktioniert in den wenigsten Fällen", so Heusser. Die Möglichkeit einer Preisentwicklung in diese Richtung sieht er allerdings durchaus gegeben. "Unter Aspekten der technischen Analyse sind Kursziele von 100'000 Dollar durchaus realistisch."

Wann knackt Bitcoin sein Allzeithoch?

Die langfristigen Kursziele ausser Acht gelassen, scheint es kurzfristig nur noch eine Frage der Zeit, bis Bitcoin sein Allzeithoch und damit die Marke von 20'000 Dollar knackt. Für den Bitcoin spricht kurzfristig die derzeit enorme Kaufkraft am Markt, die auf ein niedriges Angebot trifft. "Wir sind in einer sogenannten Sell-Side Liquidity Crisis", sagt Heusser. Mit anderen Worten: Es gibt zu wenig Coins für die hohe Nachfrage. Das treibt kurzfristig den Markt, kann aber auch zu abrupten Abstürzen, Blow-Off-Tops genannt, wie 2017 führen.

Kurzfristig stellt sich laut Heuser die Frage aber nicht, ob Bitcoin die 20'000-Dollar-Marke und damit das Allzeithoch knackt. "Die Frage ist nur, wann es passiert". Auch Emden sieht die Marke von 20'000 Dollar bald erreicht. "Ob das noch diese Woche passiert oder in zwei Wochen, weiss ich nicht. Es wird aber sehr wahrscheinlich noch dieses Jahr passieren", sagt Emden. Sobald diese Marke allerdings erreicht werde, halte er zwischenzeitliche Rücksetzer bis auf 14'000 Dollar für möglich.

Anleger, die in Bitcoin investieren, müssen sich des noch immer spekulativen Charakters dieser Anlageklasse bewusst sein und kurzfristige, heftige Korrekturen aushalten können. Zwischenzeitliche Rücksetzer sind gerade bei diesem schnellen Tempo normal und sogar wünschenswert, halten sie den Kursanstieg doch auf einem gesunden und nachhaltigen Niveau. Kurzfristig scheint das Momentum derzeit noch für weiter steigende Kurse zu sprechen. Vorsichtig sollten Anleger werden, wenn das Thema Bitcoin beginnt, die breite Öffentlichkeit zu dominieren.

Patrick Heusser drückt es so aus: "Sobald ihre Mutter, die sonst nichts mit Finanzen zu tun hat, anruft und fragt, ob sie Bitcoin kaufen solle, wird es gefährlich."

 
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