Management-Transaktionen - Wo die Chefs eigene Aktien gekauft und verkauft haben

Zumeist gibt es logische Gründe, warum aus den Chefetagen von Firmen im grossen Stil Aktien gekauft oder veräussert werden. Ein paar der Topmanager-Aktivitäten der letzten Wochen fallen aber dennoch aus dem Rahmen.
26.11.2019 22:10
Von Marc Forster
Ein Verwaltugsratsmitglied des Flughafens Zürich hat massiv Aktien der Gesellschaft gekauft.
Ein Verwaltugsratsmitglied des Flughafens Zürich hat massiv Aktien der Gesellschaft gekauft.
Bild: ZVG

Wenn Manager und Verwaltungsräte wie verrückt Aktien ihres Unternehmens verkaufen, sollten Anleger mindestens eine Augenbraue hochziehen: Das Gefühl, dass den Chefs Übles schwant und sie noch rasch Kasse machen wollen, lässt sich in solchen Fällen nie ganz vermeiden. Denn wer Unternehmen lenkt, weiss meist auch genauer als die Öffentlichkeit über etwaige Negativentwicklungen Bescheid.

Doch Managementtransaktionen richtig zu deuten, ist nicht einfach. Nicht immer geht es darum, dass Ratten ein sinkendes Schiff verlassen. Dass bei SIG Combibloc Mitte November Titelverkäufe für fast 16 Millionen Franken gemeldet wurden, hat wenig mit einer bevorstehenden Krise beim Schaffhauser Packungsmaschinenhersteller zu tun. SIG Combibloc läuft gut und erfreut sich einer Kursperfomance von 32 Prozent seit Anfang Jahr.

Der langjährige Mehrheitsaktionär Onex hat seinen Anteil seit dem Sommer schrittweise von 51 auf 31 Prozent reduziert. Bei den Verkäufen, die der SIX Group gemeldet wurden, handelte es sich um Placierungen bei institutionellen Investoren durch die SIG-Verantwortlichen. Weil die Titel also ausserbörslich die Hand wechselten, kam es auch nicht zum Kursabsturz.

Viel Handel bei Pierer/KTM

Ein Dauergast in den SIX-Meldungen über Managementtransaktionen ist Pierer Mobility, der österreichische Motorradhersteller mit Schweiz-Kotierung, der bis vor etwa einem Monat als KTM Industries firmierte. Seit Anfang Oktober wurden einerseits für rund 2,7 Millionen Aktien gekauft, aber auch für rund 6,5 Millionen Franken Titel veräussert.

Aus Meldungen, wie sie bei der SIX eingehen, wird jeweils nur ersichtlich, dass es sich bei den Käufern oder Verkäufern um ein Mitglied des Verwaltungsrates oder der Geschäftsleitung handelt. Im Unterschied zu gewissen Offenlegungen bei den US-Finanzaufsichtsbehörden werden bei der SIX keine Namen genannt. Bei Pierer/KTM wird aber immer wieder vermutet, dass es sich um Firmenchef Stefan Pierer handelt, dem knapp 62 Prozent der Unternehmensgruppe gehören.

Das Hin- und Herverkaufen von Aktien kann (muss aber nicht!) als Kurspflege gedacht sein. Im Falle von Pierer Mobility hätte dies nicht gewirkt, denn der Kurs der Aktie hat von einem Höchststand im August 2018 inzwischen 37 Prozent verloren. Allerdings muss auch bedacht werden, dass Pierer Mobility jüngst ein Aktienrückkaufprogramm lanciert hat und etwa 20 Prozent des Free Floats aufkaufen will. Das bedeutet, dass auch Aktionäre aus der Firmenleitung einen Teil ihrer Bestände angeboten haben dürften.  

Vor einem ähnlichen Hintergrund erklärt sich, dass aus dem Verwaltungsrat für 6,5 Millionen Franken Aktien der Cham Group gekauft wurden: Das Unternehmen geht im Dezember von der Börse, und so dürften bestehende Grossaktionäre noch einen Teil der Bestände von Investoren aufkaufen, welche die Aktie vorher loswerden möchten.

Millionenpakete veräussert

Bei grosskapitalisierten Unternehmen wie jenem aus dem SMI gehört es zum "courant normal", dass aus dem Management Aktien verkauft werden, auch schnell einmal für mehrere Hunderttausend Franken pro Transaktion. Teilweise hat dies damit zu tun, dass Haltefristen enden oder dass die Manager aus irgendeinem Grund Aktien zu Geld machen wollen.

Auffallende Transaktionen im November waren aber insofern ein jeweils einzelner Verkauf von Aktien für 1,4 Millionen Franken bei Geberit durch ein Geschäftsleitungsmitglied und für 1,3 Millionen bei Lonza durch einen Verwaltungsrat. Die Geberit-Aktie bewegt sich auf Rekordhochs und lädt damit zu Gewinnmitnahmen ein, während bei Lonza der Kurs nach dem Abgang von CEO Marc Funk Mitte November unter Druck steht. Interessanterweise hat Anfang November auch jemand für 4,5 Prozent Geberit-Aktien erworben. 

Ein happiger Verkauf von Aktien des Immobilienunternehmens PSP Swiss Property von 6,5 Millionen Franken taucht ebenfalls in der Meldungsliste auf. Was hinter dem Verkauf steckt, ist unklar. Noch in frischer Erinnerung ist, dass PSP-Verwaltungsrat und Grossaktionär Nathan Hetz im Sommer seinen Anteil unter 10 Prozent gesenkt hatte, was auch eine Beteiligungsmeldung nach sich zog. Hetz hielt die Aktie für hoch bewertet.

Wieso gerade Flughafen-Aktien?

Manche Anleger interessieren sich noch mehr für die Käufe der Unternehmenschefs. Sie sehen darin gewisse Signalwirkungen. So wurde am 13. November gemeldet, dass ein Verwaltungsratsmitglied des Flughafens Zürich für fast eine Million Franken Aktien gekauft habe. Die Aktie trudelt seit dem bisherigen Rekordwert im August 2017.

Unter Druck kam die Aktie, die seit diesem Höchstwert 23 Prozent an Wert verloren hat, erneut nach dem 11. November: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl auferlegte den Airport-Betreibern tiefere Gebühren. Dass jemand aus dem Verwaltungsrat trotz erwarteter Ertragseinbussen Aktien des Unternehmens kauft, kann so verstanden werden, dass Vertrauen in das Geschäft manifestiert werden soll.

Auch Temenos kann solchen Zuspruch gebrauchen. Der Aktienkurs des Bankensoftwareentwicklers geriet Mitte Oktober massiv unter Druck und brach innert Tagen zweistellig ein, nachdem die jüngsten Zahlen enttäuscht hatten. Ende Oktober kauften Führungskräfte der Firma bei drei Gelegenheiten Aktien für insgesamt etwa 5,5 Millionen Franken. Gut möglich, dass diese Chefs einfach die Kursschwäche ausnutzen wollten.

Interessant ist aber auch, dass aus dem Temenos-Management in den vergangenen Jahren immer wieder sehr hohe Aktienverkäufe, häufig in zweistelliger Millionenhöhe, getätigt wurden. Bis zu diesem Sommer hatte der Kurs einen jahrlangen Aufwärtstrend gezeigt. Gewinnbringend waren damals Anteile auf jeden Fall verkauft worden. Nun sehen sich die Temenos-Chefs - wie alle übrigen Aktionäre - einer etwas anderen Realität ausgesetzt. 

 

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