In der zurückliegenden Woche sorgten die Quartalsergebnisse, namentlich von UBS, Amrize und Logitech, für Bewegung am Schweizer Aktienmarkt. Der Swiss Market Index hat denn auch erfolgreiche Handelstage hinter sich und erklomm so ein neues Allzeithoch.
Bei den grossen Tech-Konzernen an der Wall Street standen die Zeichen wegen hoher Barmittelabflüsse und zuletzt enttäuschender Wachstumszahlen allerdings auf Sturm. «Die Anleger blicken nun wieder deutlich kritischer auf die Zahlen der KI-Giganten und scheinen nervös zu werden», meinen die Strategen der LBBW.
Auch die anhaltend hohen Ölpreise könnten zum Bremsklotz für die Aktienmärkte werden. Im Oktober steuerte der über der Marke von 100 Dollar liegende Preis für US-Leichtöl WTI auf einen Anstieg von rund vierzehn Prozent zu. Ein erneuter US-Militärschlag gegen den Iran nach den Zwischenwahlen würde hier «im wahrsten Sinne des Wortes weiteres Öl ins Feuer giessen», heisst es bei der LBBW.
Swiss Re und Geberit geben Ergebnisse bekannt
In der neuen Woche geht die Bilanzsaison weiter. Es werden unter anderem Swiss Re, Geberit, Burckhardt, Clariant, Barry Callebaut, Valiant und Swisscom ihre Bücher öffnen.
«Die Messlatte für die Gewinne liegt sehr hoch», sagt Chris Galipeau, Chefmarktstratege des Franklin Templeton Institute. «Und wenn man diese Erwartungen verfehlt oder an der Hürde scheitert, gerät man in Schwierigkeiten.» In den USA veröffentlicht Apple am Montag seine Geschäftszahlen.
Die Aktien des iPhone-Konzerns sind in diesem Jahr bisher um 28 Prozent gestiegen. Auch von den Halbleiter-Herstellern AMD und Qualcomm sowie von Palantir, das einen weiteren Einblick in den KI-Markt bietet, werden Ergebnisse erwartet. McDonald's, Amgen und ConocoPhillips gehören zu den über hundert S&P-500-Unternehmen, die nächste Woche ihre Zahlen präsentieren.
Im Weiteren stehen Konjunkturdaten im Anlegerfokus: Der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober, der am Freitag veröffentlicht wird, dürfte einen entscheidenden Einblick in den Zustand der amerikanischen Wirtschaft bieten. Es wird ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen ausserhalb der Landwirtschaft um 40'000 erwartet, während die Arbeitslosenquote voraussichtlich bei 4,2 Prozent liegen wird.
Am Freitag wird zudem die vorläufige Umfrage der Universität Michigan zur Konsumstimmung für November veröffentlicht. Für Deutschland stehen Produktionsdaten an, am Donnerstag werden die Industrieaufträge erwartet. Für die Euro-Zone stehen die endgültigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Oktober am Mittwoch an.
Die Zinserwartungen haben sich nach den Notenbanksitzungen in den USA und Europa nicht wesentlich verschoben: Bei der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank (EZB) geht die Mehrheit der Marktteilnehmer nach einer Zinspause in diesem Monat von weiteren Erhöhungen im Dezember aus. Die Bank of England dürfte Experten zufolge am Donnerstag bereits handeln und das erste Mal seit drei Jahren die Zinsen anheben.
Dem KI-Sektor droht Gegenwind
Zur Halbzeit der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump wird am Dienstag entschieden, ob seine Republikaner ihre knappen Mehrheiten in beiden Kongresskammern verteidigen können. Zur Wahl stehen das gesamte Repräsentantenhaus und gut ein Drittel des Senats. Die Demokraten benötigen in beiden Kammern jeweils vier zusätzliche Sitze, um die Kontrolle zu übernehmen. Die Umfragewerte für Trump sind angesichts steigender Lebenshaltungskosten und eines erbitterten Streits über die Zuwanderung stark gefallen.
Investoren bereiten sich auf zunehmenden Widerstand gegen Rechenzentren vor, deren Auswirkungen auf Energiekosten und Umwelt auf starken öffentlichen Widerstand stossen. Ein Sieg der Demokraten dürfte zu einer strengeren Regulierung führen. «Sollte es zu einer deutlichen 'blauen Welle' zugunsten der Demokraten kommen, wird dies als negativ für die KI-Titel, für die Technologiebranche im Allgemeinen und vielleicht sogar für den Gesamtmarkt gewertet», sagt Rick Meckler von Cherry Lane Investments.
Einigen Experten zufolge besteht die Gefahr, dass Trump und seine Partei eine Niederlage nicht akzeptieren könnten. Stattdessen könnten sie versuchen, Wahlergebnisse zu manipulieren oder das Zusammentreten des Repräsentantenhauses zu verhindern - als Folge drohten dann Klagen und Demonstrationen. Ein solches Szenario habe nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, sei aber nicht ganz auszuschliessen, erklären die Commerzbank-Ökonomen.
(Reuters/cash)

