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Mischkonzern - Scheitert die Conzzeta-Aktie an der 1000-Franken-Marke?

Dem «Gemischtwarenladen» Conzzeta läuft es an der Börse vorzüglich. Ende April erreichte die Aktie ein neues Allzeithoch bei 999 Franken. Operativ hingegen überzeugen längst nicht alle Geschäftsbereiche.
17.05.2017 13:52
Von Pascal Züger
Die Sportmarke Mammut ist eine von fünf Bereichen von Conzetta.
Die Sportmarke Mammut ist eine von fünf Bereichen von Conzetta.
Bild: ZVG

Der Conzzeta-Konzern hat eine lange Geschichte. Gegründet wurde das Unternehmen als "Zürcher Ziegeleien" bereits im Jahre 1912. Inzwischen haben sich der Name und die Geschäftsaktivitäten komplett verändert. Heute werden keine Dachziegel mehr verlegt, Conzzeta ist dafür in den Bereichen Blechbearbeitung, Systeme für Glasbearbeitung, grafische Beschichtungen, Schaumstoffe und Sportartikel tätig.

Eine clevere Diversifizierung durch völlig unterschiedliche Geschäftsbereiche, mögen die einen sagen. Kritiker hingegen monieren, dass der Konzern auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzt und sich dadurch zu verzetteln droht. Den Kritikern nahm Conzzeta etwas Wind aus den Segeln, als 2015 die Immobiliensparte Plazza separat an die Börse gebracht wurde.

Zumindest bei der Aktienkursentwicklung der letzten 12 Monate gibt es nichts auszusetzen: Die Conzzeta-Aktie legte in dieser Zeit um 59 Prozent zu. Alleine in diesem Jahr beträgt der Wertezuwachs 38 Prozent. Ende April stieg die Aktie auf ein Allzeithoch von 999 Franken.

Kursentwicklung Conzzeta-Aktie, 1 Jahr (Quelle: cash.ch)

Verschiedene Gründe haben zu diesem Kursfeuerwerk geführt. Zum einen ist es der generelle Run der Anleger auf Schweizer Nebenwerte (siehe cash Insider: Gründe des Höhenfluges von Schweizer Nebenwerten). Andererseits stimmen auch die operativen und strategischen Entwicklungen bei Conzzeta viele Anleger optimistisch.

Gutes Jahr 2016, viel Geld auf der Seite

Im Geschäftsjahr 2016 konnten Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert werden. Allen voran der Bereich Blechbearbeitung (Bystronic) -  mit einem Umsatzanteil von über 50 Prozent klar der grösste Bereich – und die Division der grafischen Beschichtungen und Schaumstoffe (FoamPartner und Schmid Rhyner) wussten mit deutlichen Umsatzzunahmen zu überzeugen.

Und auch an der Akquisitionsfront war Conzzeta aktiv: 2016 tätigte Conzzeta drei kleinere Zukäufe, dadurch gewann die Wachstumsregion Asien an Bedeutung für den Mischkonzern. Weitere gezielte Käufe dürften folgen: Mit liquiden Mitteln von knapp 515 Millionen Franken sitzt das Unternehmen auf einer grossen Menge Cash.

Dieses Geld wird nicht etwa für Aktienrückkäufe verwendet, sondern gezielt ins Geschäft investiert, wie CEO Michael Willome im November 2016 in einem Interview mit der Finanz und Wirtschaft sagte. Dadurch erhöht sich langfristig der Wert der Firma. Dieses Vorgehen spricht für das Management.

Die zwei «Problemkinder»

Doch nicht alles läuft rund bei Conzzeta. Als "Klotz am Bein" erweisen sich derzeit die Divisionen Sportartikel (Mammut) und die Glasbearbeitung (Bystronic glass). Beide Bereiche büssten 2016 an Umsatz ein und trugen nur wenig zum Gewinn bei.

Die Glasbearbeitung leidet unter den hohen Kosten in Europa. Gleichzeitig ist die Präsenz in China noch zu klein. Und der Sportartikelhersteller Mammut hat zwar einen starken Brand, in der Branche der Outdoorbekleidung und -ausrüstung ist der Konkurrenzkampf jedoch sehr gross geworden. Hier erhofft sich das Conzetta-Management durch einen Geschäftsausbau in Hongkong künftig mehr Wachstum.

Aufgrund dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob Conzzeta nicht besser fahren würde, wenn es die beiden kriselnden Divisionen abstossen würde. Vorläufig will Conzzeta an den Bereichen festhalten und versucht, diese durch gezielte Massnahmen wieder auf Vordermann zu bringen.

Lohnt sich ein Kauf der Aktie angesichts der sehr steilen Aufwärtskurve der letzten Monate noch? Anleger sollten vorsichtig sein. Conzzeta sitzt auf einigen Baustellen, ausserdem sind die Aktien mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis 2017 von 29 mittlerweile sehr stattlich bewertet. Auch ist die Dividendenrendite von 1,1 Prozent alles andere als attraktiv. Wer einsteigen möchte, sollte eine Korrektur beim Aktienkurs abwarten.