Autos, die selbstständig einen Parkplatz suchen, einen Platz im Lieblingsrestaurant buchen oder einen Umweg über eine schönere Strecke vorschlagen: Chinas Autobranche nimmt mit dem Thema Künstliche Intelligenz die nächste technische Revolution nach der Elektromobilität in Angriff. Auf der Automesse in Peking dreht sich alles um die Frage, wie die Technik ins Fahrzeug integriert werden kann. Die Autobauer reagieren damit auch auf die Vorgaben der Regierung in Peking, die dem Thema in ihrem Fünfjahresplan oberste Priorität eingeräumt hat. «Es gibt nicht mehr länger einen Unterschied zwischen einem Technologieunternehmen und einem Autobauer», sagte der China-Chef von Nissan, Stephen Ma.
Künstliche Intelligenz kommt bei Autobauern zum einen bei der Entwicklung zum Einsatz. Damit können Entwicklungszeiten deutlich beschleunigt werden, zudem sinken die Kosten. Doch auch in den Autos selbst hat die Technik Einzug gehalten. So wirbt Xpeng damit, dass die Fahrer dem Auto inzwischen komplexe Kommandos geben können, wie etwa «Suche einen Parkplatz direkt neben dem Eingang zum Einkaufszentrum», die das Fahrzeug dann selbstständig umsetze. Xiaomi wirbt damit, dass die Autos sogar komplexe To-Do-Listen abarbeiten können, etwa einen Platz im Restaurant buchen, Kaffee bestellen oder Notizen zusammenstellen. Zudem erkenne das Auto, in welcher Stimmung der Fahrer sei, und stelle darauf die Beleuchtung der Wohnung ab.
Auch die deutschen Autobauer sind auf den Zug aufgesprungen. Volkswagen kündigte in Peking an, in seinen Fahrzeugen KI-Agenten einzuführen, an die Aufgaben abgegeben werden können. Mercdes arbeitet mit der kanadischen University of Waterloo bei künstlichen neuronalen Netzen zusammen, welche die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nachahmen und so schnellere Reaktionen des Autos etwa auf Verkehrsschilder oder andere Verkehrsteilnehmer ermöglichen.
«Im Rest der Welt wird viel Augenmerk darauf gelegt, wie KI das Geschäft vorantreiben kann», sagte Dan Hearsch, Experte beim Beratungsunternehmen Alix Partners. «Das ist nicht das, worüber die Chinesen sprechen. Die KI, die sie in ihre Autos einbauen, macht es leichter, die Fahrzeuge zu bedienen, mit ihnen zu interagieren und all die Dinge zu tun, die sonst aufwändig sind.»
Doch allein mit der Entwicklung von KI-Systemen für die Fahrzeuge ist es nicht getan. Chinesische Autobauer investieren zusätzlich massiv in eigene Chips. Diese Strategie ist auch im Fünfjahresplan der Regierung vorgegeben: China will so seine Abhängigkeit bei hoch entwickelten Halbleitern beenden, bei denen die USA weltweit führend sind. Neben Xpeng arbeiten auch Li Auto, BYD, Geely und Leapmotor an eigenen Bauteilen, die Chips von Nvidia ablösen sollen. Nio-Chef William Li sieht in der Entwicklung eigener Chips eine Möglichkeit, Kosten zu reduzieren und die Gewinne nach oben zu treiben. Er bietet seine Systeme auch der Konkurrenz an: «Wir sind für die ganze Branche offen und laden sie dazu ein, unsere Chips zu nutzen», sagte er.
Einige Autobauer sagen offen, was für sie der Anstoss für die Investitionen in KI war. Dongfeng, einer von vier grossen staatlichen Autobauern, kündigte an, Autos mit KI-Technologie analog zu den langfristigen Regierungsplänen zu entwickeln. Dazu arbeitet das Unternehmen mit Huawei zusammen. «Wenn das Land ruft, antwortet Dongfeng», sagte Unternehmenschef Yang Qing.
(Reuters)

