Die Aktien von Bossard haben in diesem Jahr einen starken Lauf hingelegt. Seit dem Sechs-Jahres-Tief im März bei unter 140 Franken pro Aktie sind die Titel des Industriekonzerns auf 240 Franken angestiegen - ein Zwei-Jahres-Hoch. Ein Plus von knapp 80 Prozent in weniger als einem halben Jahr ist für die Bossard-Aktien rar.
Grund für die jüngsten Avancen dürften die Ergebnisse im April gewesen sein, die just vor der Trendumkehr erschienen. Dabei verzeichnete die Verbindungstechnikerin einen überraschend guten Start in das Jahr 2026. Bei den Halbjahresergebnissen von Ende Juli schlug das Unternehmen die Erwartungen erneut klar und verlieh der Aufwärtsbewegung eine neue Dynamik.
Analysten honorierten die starke operative Entwicklung. Seit April hat es laut Daten von LSEG nur Kurszielerhöhungen sowie eine Ratinghochstufung gegeben. Dabei empfehlen über 70 Prozent der Experten das Halten der Aktie - während eine der sieben Stimmen zum Kaufen rät. Auf Halbjahressicht sank die Zahl der Verkaufsempfehlungen von zwei auf eine.
Laut Vontobel könnte der Aufwärtstrend beibehalten werden. Einerseits ist ein Bewertungsanstieg wegen der sich zunehmend verbessernden Fundamentaldaten vorstellbar. Andererseits bestehen jedoch weiterhin Unsicherheiten bezüglich der Industrieproduktion in Europa und der geopolitischen Risiken angesichts der Zyklizität des Geschäfts.
Auch die UBS erwartet wegen sich abschwächender PMIs in Europa erneut mehr Gegenwind für Bossard im zweiten Halbjahr, wenngleich die Prognosen auf ein stabiles kurzfristiges Umfeld hindeuten. Sowohl Vontobel als auch UBS haben jedoch die Kursziele kräftig erhöht: Vontobel von 210 auf 250 Franken, die UBS von 156 auf 220 Franken.
Mittelfristig scheinen die Prognosen wiederum positiv zu sein: Bis 2028 dürfte der Umsatz um über 14 Prozent ansteigen. Beim Gewinn pro Aktie rechnen Experten mit einer Steigerung von nahezu 50 Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2025. Ob die Bewertung diesen Erwartungen gerecht wird, bleibt offen. Aktuell wird das Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 20x auf die nächstjährigen Ergebnisse gehandelt. Dies liegt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 14,1x.
Entscheidend dürfte deshalb der Zahlenkranz zum dritten Quartal am 14. Oktober sein. Für einen nachhaltigen Kursanstieg über das Niveau von 240 Franken braucht es Resultate über den Erwartungen.

