«Der erste Monat 2026 ist fast geschafft, und ‌mit Blick ‌auf die verbleibenden elf stellt sich schon die Frage, was denn nach diesem Januar sonst noch alles kommen kann», schreiben die Experten der Helaba.

Getrieben von der Drohung von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran wies Rohöl in der alten Woche einen Gewinn von insgesamt rund zehn Prozent aus. Seine mit Grönland verbundenen Zolldrohungen wurden zwar zurückgenommen, für Verunsicherung sorgte das Ganze aber ​trotzdem.

Die ereignisreiche Woche schickte die Aktienmärkte einmal mehr auf eine Achterbahnfahrt. So lag der Dow am Freitagabend 0,4 Prozent unter dem Vorwochenschluss, der Dax gar 1,5 Prozent. Der SMI hingegen gewann in den fünf Handelstagen 0,3 Prozent dazu. 

Seit Jahresbeginn büsst der Schweizer Leitindex jedoch 0,6 Prozent ein - trotz Rekordhoch Mitte Monat bei 13'529 Punkten. Auch der Dow ist im Januar um 1,7 Prozent geschrumpft. Dafür erfreute sich der Nasdaq einem Wertzuwachs von 1,2 Prozent.

Geopolitische Unsicherheiten

In den Mittelpunkt rückt erneut der Ukraine-Krieg: Russland hat ‌einer Bitte von Trump zugestimmt und die Luftangriffe auf Kiew vorerst eingestellt. Dies solle ein günstiges Umfeld für Friedensverhandlungen schaffen, teilte der Kreml am Freitag mit.

Nach dem zweiten tödlichen Schusswaffeneinsatz von ICE-Einwanderungsbeamten gegen einen US-Bürger in Minneapolis und dem öffentlichen Aufschrei steigt ausserdem der Druck ‌auf die neue US-Einwanderungspolitik.

Die Börsianer warten zudem auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Trotz Sorgen wegen des anhaltenden Euro-Höhenflugs dürften die Währungshüter den Leitzins bei 2,0 Prozent halten. Wie zementiert liegt er bereits seit ⁠Mitte vorigen Jahres auf diesem Niveau und könnte nach Einschätzung vieler Experten auch noch länger dort verharren.

Angesichts des nachlassenden Inflationsdrucks hatte die EZB den Leitzins bis Mitte vorigen Jahres in mehreren Schritten gesenkt. Die Notenbank steht mit Blick auf die Inflation nun längst nicht mehr unter Handlungsdruck, denn die Teuerungsrate liegt mit 1,9 Prozent nur knapp unter der ​EZB-Zielmarke von 2,0 Prozent. Doch die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar sorgt für Störfeuer.

Powell-Nachfolge im Blick

Im Rampenlicht steht auch ‌die US-Notenbank Fed. Der frühere Notenbankdirektor Kevin Warsh soll Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell werden. Das gab ‍US-Präsident Donald Trump am Freitag bekannt. Der Senat müsste der Personalie Warsh zustimmen, wobei dies noch nicht ausgemacht zu sein scheint. Ein einflussreicher Abgeordneter der Republikanischen Partei Trumps, Senator Thom Tillis aus North Carolina, droht ​damit, jegliche Nominierungen für die Fed zu blockieren, bis die laufenden Ermittlungen gegen Powell abgeschlossen sind. Der Notenbanker ist jüngst ins Visier der US-Justiz geraten und hat die Ermittlungen als Vorwand bezeichnet, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen.

Thomas Altmann, Portfoliomanager vom Vermögensverwalter QC Partners, zeigt sich optimistisch. Mit Warsh «fällt die Wahl wohl auf den falkenhaftesten der Kandidaten in der engen ‌Wahl», sagt der Experte. «Und auch wenn Warsh in seiner neuen Rolle wahrscheinlich weniger falkenhaft auftreten wird, könnte ⁠er der Fed-Präsident werden, der Vertrauen in den Dollar zurückholt.»

Bilanzsaison geht weiter

Im Fokus der neuen Konjunkturdatenwoche ‌stehen die US-Arbeitsmarktdaten für Januar, die am Freitag veröffentlicht werden. «Es steht zu erwarten, dass die Daten die Tür für eine erneute Lockerung der US-Geldpolitik im späteren Jahresverlauf offenhalten», prognostizieren die LBBW-Analysten. «Die US-Verbraucher schätzen die Arbeitsmarktlage nach Massgabe ‍der jüngsten Umfrage des Conference Boards so ungünstig ein wie zuletzt im Frühjahr 2021.» Die US-Notenbank versucht, mit erhöhten Zinsen die Inflation einzudämmen, ohne die Konjunktur abzuwürgen.

Im Terminkalender steht zudem zum Wochenauftakt die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes für die Industrie in Deutschland, der Euro-Zone und in den USA im Januar. ​Am Mittwoch folgen die Zahlen für den Dienstleistungssektor. Ebenfalls zur Wochenmitte stehen die Inflationsdaten für den Euroraum im Januar an.

Auf der Unternehmensseite geht es mit der Bilanzsaison weiter. Geplant zur Veröffentlichung in den USA sind die Ergebnisse von Unternehmen wie PepsiCo, Walt Disney, Pfizer, Merck und PayPal.

In der Schweiz warten anfangs Woche Julius Bär, die Zuger Kantonalbank und Medacta mit Zahlen auf. Am Mittwoch gewähren die UBS und Novartis Einblick in ihre Bücher. In der zweiten Wochenhälfte folgen unteranderm SPS, Valiant, Ems-Chemie, Lem, Vontobel, und die Zürcher Kantonalbank.

(Reuters/AWP)