Nun Aktien oder Bares? Das sagen cash-Leser

Die Börsenrally ist noch immer intakt. Und Anlageprofis raten Privatanlegern, nun endlich in Aktien zu investieren. Was die cash-Leser davon halten, zeigt eine Umfrage. Das Ergebnis ist überraschend und deutlich.
07.07.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Der Schweizer Franken gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen.
Der Schweizer Franken gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen.
Bild: Bloomberg

Die niedrigen Zinsen treiben Anleger weltweit in den Notstand. Kaum eine Anlageklasse wirft derzeit einen ordentlichen Gewinn ab. Auch auf Bargeld-Einlagen erhalten Sparer nur einen verschwindend kleinen Ertrag. Eine der wenigen Ausnahmen sind Aktieninvestments. Verschiedene Börsen jagen denn auch von Rekord zu Rekord. Der Dow Jones ist jüngst erstmals in seiner Geschichte über die Markte von 17'000 Punkten geklettert. Der Dax hat eben erst ein neues Rekordhoch erreicht. Und auch der Swiss Market Index (SMI) stellt seit Monaten laufend neue Mehrjahres-Bestmarken auf.

In diesem Umfeld rät der frischgebackene UBS-Investmentchef Mark Haefele vermögenden Kunden, ihr Geld in Aktien umzuschichten. Bei den durch die Finanzkrise 2008 ausgelösten Turbulenzen an den Märkten mussten viele Anleger hohe Verluste in Kauf nehmen. Nach der Krise seien sie nie in die Aktien zurückgekehrt, was sich laut Haefele nun ändern solle.

Gegen diese Empfehlung stemmen sich allerdings die cash-Leser. Seit gut einer Woche fragt cash in einer Umfrage: "Schichten auch Sie vom Bargeld in Aktien um?" Unter den mehr als 2000 Teilnehmern zeichnet sich eine klare Tendenz zugunsten von Bargeld ab. Rund 51 Prozent sind der Meinung, dass der Einstiegszeitpunkt bei den hohen Kursen schlecht ist, während 34 Prozent angeben, bereits mehrheitlich in Aktien investiert zu sein. Nur 15 Prozent votieren ganz grundsätzlich gegen Bargeld.

Cash hat Tradition

Die Affinität zum Bargeld ist in der Schweiz nicht neu. Der Schweizer Franken gilt seit Jahrzehnten als sicherer Hafen. Konsequenz dieser Stärke war im September 2011 die Einführung der Euro-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank.

Laut UBS-CIO Haefele liegt der Bargeld-Anteil der vermögenden UBS-Kunden bei 25 Prozent, während die Bank 5 Prozent Cash empfiehlt. Auch andere Schweizer Banken sprechen sich für ähnliche Werte aus. Die St.Galler Kantonalbank rät in ihren aktuellen Muster-Portfolios zu Bargeld-Beständen zwischen 7 und 14 Prozent – je nach Risikobereitschaft. Anders die Raiffeisen-Gruppe. Für die Risikoprofile Ertrag, Ausgewogen und Wachstum  empfiehlt sie stets Cash in der Höhe von 5 Prozent.

Anleger bleiben skeptisch

Trotz der Rekordjagd an den Börsen ist die Stimmung unter Anlegern eher skeptisch, wie Marktstimmen bemerken. So sei es bereits mehr als 50 Tage her, seit sich der S&P 500 mehr als 1 Prozent nach oben oder unten bewegt hat. Trotzdem ist auch er in der letzten Woche auf ein neues Rekordhoch geklettert.

Höhere Kurse an den Börsen treiben auch die Bewertungen nach oben. Die bevorstehende Halbjahreszahlen-Saison - der US-Aluminiumhersteller Alcoa macht am Dienstag den Anfang - wird zeigen, ob die Unternehmen den Gewinnerwartungen gerecht werden können. 

Im Zusammenhang mit den teils hohen Bewertungen lässt sich laut Experten auch die Zunahme an Fusionen und Übernahmen erklären. So können Firmen ihre teuren Aktien nutzen, um die Deals zu stemmen. Die Aktivitäten im Bereich Fusionen und Übernahmen haben sich in letzter Zeit denn auch deutlich beschleunigt. Historische Daten zeigen: Jede der letzten fünf grossen Fusionswellen – die 125 Jahre zurückreichen – endete mit einem massiven Absturz der Aktienkurse.