Passives Anlegen - Mit diesen schrägen ETF können Sie (vielleicht) Geld verdienen

Auf das Lädelisterben in den USA wetten oder auf Fettleibigkeit setzen: Im Dschungel der passiven Fonds hat es viele Exoten dabei. Vier Investmentideen, die durch ihre aussergewöhnliche Themenwahl auffallen.
12.06.2019 06:42
Von Pascal Züger
Bombshells ist ein Restaurant und Nachtclub in den USA. Die Kette gehört der börsenkotierten RCI Hospitality, die Teil eines "Laster-ETF" ist.
Bombshells ist ein Restaurant und Nachtclub in den USA. Die Kette gehört der börsenkotierten RCI Hospitality, die Teil eines "Laster-ETF" ist.
Bild: ZVG

Wenn Anleger auf ETF-Produkte setzen, dann meist auf solche, die einen bekannten Aktienindex abbilden. Etwa den SMI, den Dow Jones oder den Euro Stoxx 50. Das ist sicherlich nicht falsch und bringt auch mit etwas Ausdauer in der Regel eine ordentliche Rendite ein.

Doch wieso nicht mal etwas Neues wagen: Inzwischen existiert eine Vielzahl an passiven Fonds, die weit über die üblichen Leitindex-Abbildungen gehen und auf spezifische Trends setzen. Sogenannte Themenfonds schiessen seit einiger Zeit wie Pilze aus dem Boden - immer mit dem Hintergedanken, speziell renditestarke Nischen abdecken zu können.

Auf das Lädelisterben wetten: «ProShares Decline of the Retail Store ETF»

Immer mehr wird über das Internet bestellt. Firmen wie Amazon, Zalando oder Digitec florieren, während die traditionellen Geschäfte, die Lädeli, zunehmend ums Überleben kämpfen. Das Problem existiert nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den USA. Dort hat die findige ETF-Anbieterin "ProShares" im Jahr 2017 den "Decline of the Retail Store ETF" ins Leben gerufen.

Darin werden Aktien von traditionellen Einzelhandelsgeschäften leerverkauft - mit anderen Worten handelt es sich um eine Wette auf das "Lädelisterben". Geshortet werden derzeit ganze 56 Unternehmen, die in den USA tätig sind und mindestens 75 Prozent der Einnahmen durch Ladenverkäufe erzielen. Darunter sind Firmen wie Walmart, Macy's, Foot Locker oder Ross Stores - alles bekannte US-Retailer. Doch: Viele dieser Firmen halten sich erstaunlich gut. Daher ging die Wette der "Lädeli-Shorter" bisher nicht auf, der ETF hat in diesem Jahr 7 Prozent eingebüsst. Die Verwaltungsgebühr (TER) 0,65 beträgt Prozent.

Profiteure der Fettleibigkeit: «The Obesity ETF»

Wie Studien zeigen, ist etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung übergewichtig - vor allem bei Kindern ist dieser Wert stark steigend. Das führt gemäss Forschern zu teils schwerwiegenden Gesundheitsproblemen. Die Investmentgesellschaft Janus Henderson setzt in ihrem "Obesity ETF" - mit dem passenden Kürzel SLIM (englisch für "schlank")- genau auf dieses Problem. Konkret sind in diesem Produkt Firmen enthalten, die von der zunehmenden Fettleibigkeit profitieren.

Darunter sind etwa Biotechs oder Pharmafirmen, die sich stark auf Probleme fokussieren, die durch Übergewicht entstehen - etwa Diabetes, hoher Blutdruck, erhöhter Cholesterinspiegel oder Herzkrankheiten. Grösste Positionen im ETF sind der dänische Pharmariese Novo Nordisk, der amerikanische Therapiegeräte-Hersteller Resmed und das deutsche Gesundheitsunternehmen Fresenius. Mit plus 7 Prozent seit Jahresbeginn bleibt der ETF 2019 bisher hinter dem Gesamtmarkt zurück. Der MSCI All Country World Index stieg im gleichen Zeitraum 12 Prozent an. Die TER beträgt 0,35 Prozent.

Blockchain, das neue Internet: «First Trust Indxx Innovative Transaction & Process ETF»

Die Blockchain ist nicht nur die Technologie hinter den bekannten Kryptowährungen Bitcoin, Ether und Co., sondern ein digitales Buchführungssystem, welches keine zentrale Kontrollinstanz benötigt und als sehr sicher gilt. Noch ist unklar, wie gross das Potenzial der Blockchain ist. Für viele ist das Thema noch nicht greifbar. Doch die Hoffnungen sind gross: "Ein Investment in Blockchain ist vergleichbar mit einem Investment in das Internet Mitte der neunziger Jahre", schrieb die UBS vor zwei Jahren in einer Studie.

Der "First Trust Indxx Innovative Transaction & Process ETF" setzt bewusst auf Firmen, die entweder als "Active Enabler" oder "Active User" der Blockchain-Technologie eingestuft werden. In diesem Jahr stieg der Kurs um 16 Prozent. Grösste Positionen sind der US-Chipentwickler AMD, der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard - der unter Betrugsvorwürfen leidet - und Europas grösster Softwarehersteller SAP. Der Schönheitsfehler: Es sind alles keine "reinen" Blockchain-Firmen, die teilweise nur einen geringen Teil des Ertrags mit der Blockchain-Technologie erwirtschaften.

Die Laster des Lebens: «AdvisorShares Vice ETF»

Alkohol, Zigaretten, Cannabis, ungesundes Essen und Nachtclubs: Der "Vice ETF" von AdvisorShares investiert in so ziemlich alles, was ethische und wohl auch auf Nachhaltigkeit ausgerichete Anleger tunlichst vermeiden würden. Die Idee hinter dem Produkt ist, dass die Menschen diesen "Sünden" immer nachgehen, egal ob es der Wirtschaft gerade gut geht oder nicht. Es soll sich gemäss ETF-Beschrieb um ein "Portfolio für jedes Wetter" handeln mit einem "enormen Aufwärtspotenzial". 

Kursperformance des AdvisorShares Vice ETF seit Jahresbeginn, Quelle: cash.ch 

Und tatsächlich stimmt die Performance: In diesem Jahr hat der "Laster-ETF" bereits 17 Prozent zulegen können. Das liegt deutlich über den plus 12 Prozent des Dow Jones im gleichen Zeitraum. Zu den Top-Positionen gehören MGP Ingredient - ein Hersteller von Whiskey, Vodka und Gin -,  der Bierbrauer Boston Beer, das Tabakunternehmen British American Tobacco und RCI Hospitality. Letztgenannte ist im Bereich der Erwachsenenunterhaltung tätig und führt diverse Nachtclubs. Wobei RCI Hospitality beweist, dass man sich an "Sündenfirmen" auch die Finger verbrennen kann: Derzeit läuft gegen einige Führungskräfte der Firma eine Untersuchung wegen Verdachts auf rechtswidrige Geschäftspraktiken. Die Aktie hat in diesem Jahr bereits 25 Prozent eingebüsst.

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