Der globale Markt für «Private Credit» ist eines der am schnellsten wachsenden Anlagesegmente. Laut der US-Investmentbank Morgan Stanley belief sich das Wachstum der verwalteten Vermögen auf 80 bis 100 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Das Gesamtvolumen dieser Kredite, die nicht kotiert und handelbar sind, soll bis 2029 auf 5 von rund 3,5 Billionen Dollar weiterwachsen.
Seit einigen Monaten knirscht es allerdings im Getriebe. Zuerst meldete der US-Autoteilehersteller First Brands Group Ende September 2025 mit Verbindlichkeiten von über 10 Milliarden Dollar Insolvenz an. Die UBS war über verschiedene Fonds, primär über ihre in Chicago ansässige Tochtergesellschaft O'Connor, mit insgesamt über 500 Millionen Dollar und einem Klumpenrisiko bei First Brands in nicht-kotierten Krediten exponiert. Ende Januar 2026 gab es schlechte Nachrichten von Blackrock, die den Nettoinventarwert (NAV) eines börsengehandelten Private-Credit-Fonds - ein sogenanntes «Business Development Company Vehikel» - im vierten Quartal 2025 um 19 Prozent nach unten korrigierte.
Mitte Februar kam es dann zu einer Schockwelle, als die US-Firma Blue Owl die vierteljährliche Rücknahmemöglichkeit für den «Blue Owl Capital Corp II» aussetzte. Dabei handelt es sich um eine nicht börsennotierte, primär auf Privatanleger ausgerichtete Business Development Company (BDC), die in Private Credit investiert. Blue Owl, einer der grössten Anbieter in diesem Bereich, hat in der Zwischenzeit die Auszahlungen nach dem Verkauf von Portfolio-Werten im Umfang von 1,4 Milliarden Dollar wieder aufgenommen.
Das Nervenflattern bei den Anlegern ging indes weiter, weil die ausstehenden PIK-Kredite - PIK steht für «Payment-in-kind», bei Blue Owl im vierten Quartal 2025 erneut zunahmen. Bei einem normalen Kreditgeschäft bezahlt der Schuldner seine Zinsen, während es sich bei einem PIK-Kredit um ein Darlehen handelt, bei dem der Schuldner die fälligen Zinsen nicht in bar bezahlt. In diesem Fall wird der geschuldete Zinsbetrag auf die bestehende Kreditsumme aufgeschlagen. Damit wächst einerseits der Schuldenberg des Darlehensnehmers. Andererseits, und darin liegt die Problematik, zahlt das Private-Credit-Vehikel Dividenden aus, die nicht mit dem Cashflow der Zinszahlung auf der Einnahmenseite korrespondieren.
Blue Owl ist besonders auf Kredite an Software- und Technologieunternehmen spezialisiert, weil diese Firmen im letzten Jahrzehnt überdurchschnittliche Cashflows erwirtschafteten. Diese Cashflows bildeten die Grundlage für die Vergabe von privaten Krediten, und entsprechend hoch ist das Exposure in diesen «vermeintlich» sicheren Softwareunternehmen. Diese Rechnung geht seit Kurzem nicht mehr auf. Seit Anfang des Jahres gab es einen massiven Aktienausverkauf bei Unternehmen im Bereich «Software-as-a-Service» - oder kurz SaaS, angefangen bei Adobe, Atlassian und AppLovin über HubSpot bis zu Salesforce oder Unity Software.
Der Kurssturz wird von Analysten als «SaaSpokalypse» bezeichnet und hat innert 6 Wochen rund 2 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet. Hauptauslöser für den Vertrauensverlust der Anleger waren die Veröffentlichung neuer KI-Agenten, welche das traditionelle SaaS-Geschäftsmodell grundlegend infrage stellen.
Ebenso ging es mit den Valoren von Blue Owl den Berg hinunter, der Titel gab innert vier Wochen um 28 Prozent nach. Und auch die Valoren der hiesigen Partners Group wurden in Sippenhaft genommen mit einem Minus von 13 Prozent im gleichen Zeitraum - mehr dazu hier.
So sehr Blue Owl und Softwareunternehmen dieser Tage die Schlagzeilen beherrschen, der Markt für Private Credit dürfte kaum implodieren, auch wenn einzelne Firmen kurzfristig stark unter Druck geraten sind. Im Segment Private Credit beträgt gemäss Daten von Bloomberg der Anteil von Softwareunternehmen rund 16 Prozent. Den Hauptteil machen hingegen stabile Sektoren wie Infrastruktur, Energie, Versorgung oder Finanzierungen von Firmenübernahmen aus.
Die Ökonomen von Vanguard sehen eine zunehmende Marktreife von privaten Krediten und betonen, dass sich der Fokus vom Wachstum hin zur Struktur, zur Disziplin bei der Kreditvergabe und zur Vernetzung mit dem gesamten Finanzsystem verschiebe.
Schwieriges Pflaster für Privatanleger
Für grosse Pensionskassen, institutionelle Investoren wie Versicherungen oder sehr vermögende Privatinvestoren, sind Investments in den Privatmärkten - sprich Private Equity, Private Debt und Private Credit - eine mögliche Diversifikation, da die Rendite und das Risikoprofil im Portfolio optimiert werden können. «Bei institutionellen Anlegern ist die Adaption von Anlagen in Privatmärkten weit vorangeschritten», erklärt Anastassios Frangulidis, Chefstratege bei Pictet Asset Management in Zürich. Nebst dem positiven Diversifikationseffekt weisen Privatmarktanlagen historisch betrachtet eine höhere Rendite als klassische Anlagen wie Obligationen oder Aktien auf, so der Pictet-Experte.
Grosse institutionelle Anleger haben Teams, um bei Privatmarktanlagen die Allokation vorzunehmen und die Risikokontrolle durchzuführen. Bei kleineren Portfolios sieht die Situation anders aus, gerade weil Privatinvestoren oftmals das Knowhow für diese Anlageklasse fehlt. Dominick Carlino, Head of Global Alternatives bei PGIM, weist denn auch darauf hin, dass Ausbildung und Transparenz die zentralen Erfolgsfaktoren für das Anlagesegment Private Assets - sprich nicht-kotierten Anlagen - sind.
Die Struktur dieser Vehikel ist wie im Fall Blue Owl zudem nicht darauf ausgelegt, dass ein Grossteil der Investierenden gleichzeitig aussteigt. Es fehlt schlichtweg an Liquidität, um die Positionen glattzustellen. Zudem ist es für Ausstehende schwierig oder unmöglich, sämtliche Bewertungsmechanismen zu verstehen und die Risiken der Portfoliogesellschaften einzuschätzen.
Das heisst, Anlagen in den Privatmärkten sind nur für Investoren geeignet, die einen sehr langfristigen Zeithorizont mitbringen, erläutert Frangulidis von Pictet weiter. Für Privatanleger kommen daher sogenannte Dach-Fonds in Frage, die in den drei Teilbereichen Private Equity, Private Debt oder Private Credit, investieren. Ein Dach-Fonds ist ein aktiv verwalteter Investmentfonds, der sein Vermögen nicht direkt in Aktien oder Anleihen anlegt, sondern in eine Auswahl anderer Investmentfonds.
Eine weitere Möglichkeit für affine Privatanleger sind sogenannte «CLO»-ETF. CLO oder «Collateralized Loan Obligations» sind strukturierte Finanzprodukte, die syndizierte Kredite in einem Portfolio verbriefen und handelbar machen. Private Credit ist dabei die Bezeichnung für das Kreditgeschäft selbst, die CLOs sind das Vehikel zur Verbriefung und zum Handel.
Zu den bekannten CLO-ETF zählen der «iShares EUR AAA CLO Active ETF» (Rendite 3,2 Prozent), der «UBS EUR AAA CLO UCITS ETF» (Rendite 3,7 Prozent) oder der «Invesco AAA CLO UCITS ETF» (3,4 Prozent). Da die Auszahlungen von CLO-ETF entweder reinvestiert oder ausgeschüttet werden und die Berechnung der Ausschüttungen sowie die Laufzeit variieren, ist es für Interessierte unabdingbar, sich vor einem Engagement beraten zu lassen. Ebenfalls gilt es zu berücksichtigen, dass CLO-ETF auf die US-Märkte wie der «iShares USD AAA CLO Active ETF» eine höhere Rendite von 5,3 Prozent erzielen. Dem steht allerdings das statistisch höhere Abwertungsrisiko des Dollars zum Franken gegenüber.
Ob es aufgrund der aktuellen Turbulenzen der richtige Zeitpunkt ist, um in Private Credit zu investieren, stellt Jeffrey Sherman, Co-Anlagechef des Hedgefondsmanagers DoubleLine Capital, infrage. Er argumentiert, dass die Anlageklasse eine «klassische Verschlechterung» der fundamentalen Faktoren erfahren habe, da schnelle Mittelzuflüsse und nachlassende Standards die Risikoqualität beeinträchtigt hätten.
Anlegerinnen und Anleger, die einen Einstieg in Betracht ziehen, können getrost zuwarten. Dies, weil das Angebot an CLO-ETF breiter werden, sich der Markt für Private Credit weiter etablieren und somit die Transparenz zunehmen dürfte. Interessant ist dabei die Beobachtung, dass sich die Kurse der drei vorhin erwähnten europäischen CLO-ETF trotz Marktturbulenzen - wie von den Emittenten in Aussicht gestellt - stabil entwickeln. Bleibt dies in den kommenden Monaten unter Berücksichtigung der Zinsentwicklung bestehen, so haben die CLO-ETF einen wichtigen Test bestanden, der das langfristige Anlegervertrauen fördern kann.

