Unter dem Strich wurden nur 57.000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Bericht der US-Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg um 110.000 erwartet. Im Mai waren nach revidierten Daten nur 129.000 Arbeitsplätze hinzugekommen. Ursprünglich war eine Zahl von 172.000 gemeldet worden. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote sank im Juni allerdings überraschend - und zwar auf 4,2 Prozent, nach 4,3 Prozent im Mai.
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern soll, hat den Leitzins zuletzt in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent konstant gehalten. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh sagte jüngst auf dem EZB-Forum in Sintra, die Inflationserwartungen und -gefahren hätten sich in den vergangenen Wochen abgeschwächt. Zugleich bekräftigte er das Bekenntnis, die Teuerungsrate wieder auf das Zwei-Prozent-Ziel der Fed zu bringen.
Die Notenbank achtet dabei besonders auf ein Inflationsmass, das auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher ausgerichtet ist - den sogenannten PCE-Index. Die daraus berechnete Teuerungsrate schnellte im Mai infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschubs auf 4,1 Prozent von 3,8 Prozent im April in die Höhe.
«Die unter den Erwartungen liegenden Jobzahlen dürften die zwischenzeitlich immer wieder aufgeflammten Diskussionen um eine kurzfristige Zinserhöhung der Fed erst einmal beenden», so die Einschätzung von Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Dazu komme, dass auch die Inflation wieder nachlassen dürfte. Die deutlich gefallenen Ölpreise sorgten bereits für eine Entlastung an der Tankstellen. «Damit sprechen die wesentlichen Daten – auf die sich laut Fed-Chef Warsh die Marktteilnehmer bei ihrer Einschätzung der Leitzinsentwicklung stützen sollen – nicht für eine Zinserhöhung auf der Sitzung Ende Juli.»
«Fussball-WM sorgt nicht für mehr Stellen»
Der Experte verweist darauf, dass die Fussball-Weltmeisterschaft, deren Beginn mit der Erfassungswoche für die Arbeitsmarktdaten zusammenfiel, wider Erwarten nicht für mehr Stellen gesorgt hat. Die Beschäftigung im Freizeit- und Gastgewerbebereich sei sogar um 61.000 gefallen: «Der Stellenaufbau konzentriert sich einmal mehr auf den privaten Gesundheitsbereich.»
An den Terminmärkten wird trotz der schwachen Jobdaten damit gerechnet, dass die Fed den Leitzins im laufenden Jahr anheben wird. Allerdings wurde die Chance auf eine Erhöhung im September nur noch auf knapp über 50 Prozent taxiert. «In der Summe werden die neuen Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten von den internationalen Finanzmärkten eher als Hinweis auf eine wohl weiterhin ziemlich vorsichtig agierende Fed interpretiert», erklärte NordLB-Analyst Tobias Basse.
Die Daten vom US-Arbeitsmarkt stützten die Börsen und belasteten den Dollar. Der Dax und der EuroStoxx50 bauten ihre Gewinne aus und legten um 1,7 und 1,3 Prozent zu. Nach oben ging es auch für die Futures für die wichtigsten US-Indizes und für den Goldpreis. Unter Druck geriet hingegen die US-Devise: Der Dollar-Index rutschte um fast ein Prozent auf 100,587 Punkte ab.

