US-Aktien können dank steigender Unternehmensgewinne weiter zulegen. Allerdings sollten Anlegerinnen und Anleger den jüngsten Gewinnern jedoch nicht unvorsichtig hinterherjagen. Denn die Marktführerschaft an der Börse ist, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, auf extrem wenige Titel konzentriert. Ben Snider, Chef-US-Aktienstratege bei Goldman Sachs, hat deshalb jüngst vor Momentum-Strategien gewarnt.
Momentum-Strategien setzen auf Aktien mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung. Laut dem Goldman-Strategen ist dieser Faktor in der vergangenen Woche allerdings um 8 Prozent gefallen. Dieser Sturz verdeutlicht, wie rasch sich solche Positionen auflösen können - und welche Risiken hinter der aktuellen Hausse stecken.
Snider geht allerdings nicht von einer Marktkorrektur bis zum Jahresende aus. Vielmehr dürften die bisher sehr gut gelaufenen Titel in den verbleibenden zwei Monaten relativ schwächer abschneiden, während die bisherigen Nachzügler massiv aufholen. Zu seinen Favoriten zählen deshalb zurückgebliebene US-Konsumaktien.
Doch auch in Europa und der Schweiz gibt es zahlreiche Aktien, die hinter den Kursavancen der US-Tech-Werte zurückgeblieben sind. cash.ch hat sechs Unternehmen - je zwei aus der Schweiz, Europa und den USA - identifiziert, die trotz prognostiziertem Gewinnwachstum zurückgeblieben sind. Sie könnten von der von Snider prognostizierten Aufholbewegung profitieren.
Gegenüber den besten Momentum-Werten sind das allerdings geradezu bescheidene Avancen: Micron und AMD, die Nummern eins und zwei im «MSCI World Momentum Factor»-Index, haben im selben Zeitraum fast 1'000 respektive gut 300 Prozent zugelegt. Auf Zwölfmonatssicht liegen die Belimo-Titel mit minus 8,4 Prozent sogar unter Wasser. Micron und AMD schlagen den Klimaspezialisten auch hier über Längen.
Dabei sind die Aussichten für die Hinwiler eigentlich gut: Laut Daten von Bloomberg erwarten Analystinnen und Analysten ein Gewinnwachstum von rund 19 Prozent pro Jahr bis mindestens 2029. Viele von ihnen empfehlen die Aktie zum Kauf - von insgesamt elf Experten weichen nur vier davon ab. Auch das durchschnittliche Kursziel von 1022 Franken liegt deutlich über der aktuellen Notierung von 739 Franken.
Was spricht also dafür, was dagegen? Dafür das Wachstum, eine hohe Eigenkapitalrendite und seit 2016 steigende Margen auf hohem Niveau. Dagegen die Bewertung: Der Kursrückgang hat die Überbewertung lediglich normalisiert. Aktuell handeln die Papiere zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fast 35 - dem langjährigen Durchschnitt. Da Belimo auch schon mit einem KGV von 20 bewertet wurde, ist das Bewertungsrisiko nicht zu unterschätzen.
Huber+Suhner
Huber+Suhner ist ein weiterer Schweizer Profiteur beim Bau neuer Rechenzentren. Der Verbindungstechnikspezialist aus Herisau liefert unter anderem optische Schalter, mit denen sich Datenverbindungen flexibel steuern lassen. Das Thema hatte die Aktie seit Anfang 2024 zwischenzeitlich um rund 350 Prozent nach oben getrieben. Seit Juni dieses Jahres hat der Titel allerdings mehr als 40 Prozent verloren.
Es treffen deshalb auch hier unterdurchschnittliche Performance mit hohem erwarteten Gewinnwachstum aufeinander. Gemäss Analystenkonsens dürfte der Gewinn des Appenzeller Konzerns um durchschnittlich rund 28 Prozent pro Jahr steigen.
Mit einem KGV von 25,8 ist Huber+Suhner niedriger bewertet als Belimo. Gegenüber dem eigenen langfristigen Durchschnitt von 22,4 besteht jedoch weiterhin ein Aufschlag. Der Kursrückgang hat die Bewertung somit deutlich reduziert, macht die Aktie aber nicht automatisch günstig. Rund 80 Prozent der Analystinnen und Analysten empfehlen den Titel zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel signalisiert ein Aufwärtspotenzial von etwa 50 Prozent.
Chipotle
Einst die beste US-Fastfood-Aktie, ist Chipotle Mexican Grill seither tief gefallen: Seit dem Allzeithoch im Juni 2024 ging es fast nur bergab, unter dem Strich hat das Unternehmen mehr als die Hälfte des Börsenwerts verloren. In den vergangenen zwölf Monaten gab die Aktie rund 20 Prozent nach.
Hinter der Korrektur stehen operative Herausforderungen. Chipotle muss zeigen, dass neben der Eröffnung neuer Restaurants auch die Nachfrage an den bestehenden Standorten wieder stärker wächst. Zusätzliche Filialen allein genügen nicht.
Chipotle passt in das Kriterienraster von Snider. Bis 2029 erwartet der Marktkonsens ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von knapp 13 Prozent - mit steigender Tendenz. Gleichzeitig ist die Bewertung gegenüber den früheren Höchstständen deutlich gesunken: Das KGV war seit dem Börsengang nur vor 16 Jahren um Haaresbreite niedriger.
Über zwei Drittel der Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt knapp 50 Prozent über der aktuellen Notierung.
Wise
Zwar in den USA kotiert, handelt es sich bei Wise um ein Fintech aus Grossbritannien, vergleichbar mit Revolut. Das Unternehmen wurde mit günstigen grenzüberschreitenden Überweisungen gross und bietet inzwischen unter anderem Mehrwährungskonten und Zahlungskarten an. Nach dem Börsengang in London im Juli 2021 wurde die Hauptkotierung im Mai dieses Jahres nach New York verlegt.
Der Konzern setzt auf zwei Wachstumstreiber: das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden sowie Wise Platform. Bis ins Jahr 2029 dürfte der Finanzdienstleister die Gewinne um mindestens 18 Prozent pro Jahr steigern. Mit einem KGV von 24,9 liegt die Bewertung deutlich unter früheren Spitzenwerten, welche von 20 bis 190 reichte.
Für den weiteren Geschäftsverlauf sind drei Punkte zentral: die Marge - steigende Zinsen kommen Wise entgegen -, die stärkere Bindung der Privatkunden über neue Dienstleistungen und der Ausbau der Wise-Plattform. Fast 70 Prozent der Expertinnen und Experten empfehlen die Aktie zum Kauf, das Kursziel sehen sie über 40 Prozent höher.
Die Ergebnisse zum dritten Quartal publiziert Moncler am Mittwoch, 21. Oktober, nach Börsenschluss. Wegen der zuletzt schwächeren Nachfrage in China und der anhaltenden Tourismusflaute in Europa und im Nahen Osten rechnet die UBS mit einem organischen Umsatzrückgang von 1 Prozent und einem negativen Deviseneffekt von 3 Prozent.
Eine deutlichere Gewinnbelebung erwartet der Analystenkonsens erst ab 2027. Dann sollen die Gewinne wieder um mehr als 10 Prozent jährlich wachsen. Sollte sich in den kommenden Monaten eine Wende beim chinesischen Konsumenten oder eine Entspannung auf der Arabischen Halbinsel abzeichnen, dürfte die Börse eine Verbesserung allerdings früher vorwegnehmen. Das KGV von 17,5 beinhaltet dabei viel Neubewertungspotenzial. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 24.
Anders als bei den wachstumsstarken Unternehmen dieser Auswahl steht hier eine mögliche Entlastung bei Zinsen und Finanzierungskosten im Zentrum. Vonovia ist damit vor allem eine Wette auf günstigere finanzielle Rahmenbedingungen.
Der Gewinnrückgang von knapp 48 Prozent in diesem Jahr dürfte sich laut Analysten im nächsten Jahr nahezu einstellen. Bis 2029 wird noch mit einem Gewinnrückgang von 2,5 Prozent pro Jahr gerechnet. Für eine Aufholbewegung könnte die tiefe Bewertung sprechen: Das aktuelle KGV von 8,9 wurde seit dem Börsengang 2013 nur im März 2023 (mit 7) unterboten - der Durchschnitt seit dem IPO liegt bei 17,2.
Sinkende langfristige Renditen und günstigere Refinanzierungsbedingungen könnten hier die Aktie stützen - durch entweder eine rückgängige Inflation oder Platzen der KI-Blase. Sie würden den Druck auf Immobilienbewertungen verringern und könnten mittelfristig die Finanzierung erleichtern. Der Bewertungsabschlag ist allerdings kein Selbstläufer: Der Konzern muss zeigen, dass er seine Verschuldung kontrolliert und aus dem laufenden Geschäft ausreichend Mittel erwirtschaftet.

