Der Swiss Market Index (SMI) hat im Oktober fast 9 Prozent zugelegt und kurz vor dem Monatswechsel bei 14'861 Punkten ein neues Allzeithoch erklommen. Für diese Entwicklung gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen haben sich die Investoren aus dem Technologiesektor zurückgezogen, sodass beispielsweise der US-Auswahlindex Nasdaq 100 seit Anfang Oktober beinahe 7 Prozent verloren hat. Das Kapital floss dann in defensive Werte aus Sektoren wie Lebensmittel, Versicherungen und Gesundheit - und solche Titel gibt es am hiesigen Aktienmarkt nicht zu knapp.
Zum anderen haben die grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen jüngst ihre Quartalsberichte vorgelegt. Am Zug waren namentlich Roche, Novartis, Nestlé, ABB und UBS. Doch auch die SMI-Neulinge Galderma und Sandoz haben ihre Bücher geöffnet. Von den Ergebnissen gingen Impulse für die Aktienkurse sowie für die Kursziele und Ratings der Analysten aus.
In diesem Geschehen haben die Anteilsscheine der Pharma-Riesen Roche und Novartis am Freitag frische Allzeithochs erreicht - die Partizipationsscheine von Roche bei 405,90 Franken, die Aktien von Novartis bei 135,06 Franken. Beide Konzerne hatten mit den Drittquartalszahlen die Erwartungen erfüllt und zudem von ihren defensiven Qualitäten profitiert.
Just zum Wochenauftakt sind sie nun allerdings zurückgesetzt worden. Der zuständige Analyst der UBS hat das Rating für Roche von «Buy» auf «Neutral» gesetzt sowie das Kursziel für den Partizipationsschein von 376 auf 420 Franken angehoben. Soll heissen: Die Titel sind aus Sicht der UBS nicht länger ein Kauf. Die UBS hält die Wachstumsaussichten grundsätzlich für intakt, sieht aber nach der starken Kurssteigerung Bewertungsrisiken. Das neue Zwölf-Monate-Preisziel liegt deshalb nur 5,5 Prozent über dem aktuellen Stand des Partizipationsscheins.
Ein härteres Verdikt erging am heutigen Montag über Novartis. Der zuständige Analyst der Deutschen Bank, Emmanuel Papadakis, senkte von «Hold» auf «Sell» sowie von 120 auf 115 Franken, da die Aktienkursentwicklung nicht zu den negativen Nachrichten aus der Medikamentenpipeline passt. Papadakis macht damit auch klar, welchem der beiden Pharmakonzerne er den Vorzug gibt. Es ist Roche. Der DB-Experte hat den Partizipationsschein vor wenigen Tagen zum Kauf empfohlen und dabei einen Zielwert von 500 Franken veranschlagt.
Dieses Preisziel ist derzeit das höchste am Markt und insofern auch wieder zu relativieren. Dennoch setzt auch der Analystenkonsens die Priorität momentan eher auf Roche und weniger auf Novartis - so wie der Experte der Deutschen Bank. Bei Roche lauten 63 Prozent der Anlageurteile «Kaufen», bei Novartis sind es 28 Prozent. Spiegelbildlich verhält es sich mit den «Halten»- beziehungsweise «Verkaufen»-Ratings.
Gemessen daran werden sich die Anlegerinnen und Anleger fürs Erste stärker auf Roche konzentrieren, bei Novartis vorerst an der Seitenlinie bleiben - und zugleich weitere Titel im Blickfeld behalten.
Lonza
Zuletzt waren etwa auch die Aktien von Lonza stark. Sie sind im Handelsverlauf am Montag bei 651,40 Franken auf den höchsten Stand seit April 2022 gestiegen. Substanziell war der 14-prozentige Kursanstieg im Oktober, der einer eher mässigen Entwicklung in den ersten neun Monaten gefolgt war. Unternehmensspezifischer Auslöser war, dass das Management um CEO Wolfgang Wienand Mitte Monat ein solides Update zum dritten Quartal geliefert und dabei insbesondere das Mittelfristziel für die Kern-EBITDA-Marge angehoben hat. Die neue Perspektive veranlasste den verantwortlichen Analysten der britischen Investmentbank Barclays zu einem um 40 Franken erhöhten Kursziel von nunmehr 770 Franken. Auch der Konsens, der die Aktie bei 702 Franken sieht, deutet auf weitere Kursgewinne hin.
Getragen wird die Entwicklung des Pharmazulieferers nicht nur von eigener operativer Stärke, sondern auch vom anhaltenden Trend, dass die Arzneimittelproduktion ausgelagert sowie wieder stärker zu den Kernmärkten hin verlagert wird. Der Investmentcase bleibe denn auch attraktiv, unterstrich Sibylle Bischofberger, zuständige Analystin des Vermögensverwalters Vontobel. Der Kapitalmarkttag im Oktober habe ihre Anlagethese bestätigt, «dass Lonza ein Qualitäts-Compounder mit steigender Profitabilität ist».
Sandoz
Die Aktie des Generikaspezialisten stieg erst im September in den SMI auf. Unter allen Titeln des nunmehr neu zusammengestellten Leitindex hat sich die Aktie von Sandoz seit Jahresbeginn am stärksten entwickelt. Sie bewegt sich weiter auf Rekordniveau, obwohl Drittquartalszahlen enttäuschten und einen Kursverlust von 2,7 Prozent am Berichtstag auslösten.
Sinnbild der Zuversicht, welche das Unternehmen von CEO Richard Saynor umgibt, ist die jüngste Einschätzung der US-Investmentbank Jefferies. Der zuständige Analyst traut den Sandoz-Valoren nicht weniger als 97 Franken und damit einen knapp 18-prozentigen Kursgewinn in den nächsten zwölf Monaten zu. Förderlich sei, dass der höhere Anteil an Biosimilars die Margenbasis festige. Die Biosimilars-Sparte wächst zügiger und ist zugleich profitabler als die Generika-Sparte. So wird der Gesamtmix zusehends günstiger.
Derweil steht das durchschnittliche Kursziel bei 78,30 Franken. Der Wert ist aussagekräftig, da nach den Quartalszahlen verschiedene Investmentbanken neue Kursziele gesetzt haben. Dass der Konsens nun unter dem momentanen Stand der Aktie zu liegen kommt, kann vorsichtige Investoren zu einem Schritt an die Seitenlinie veranlassen.
Versicherer
Die Aktien des Versicherungskonzerns Swiss Life sind am Freitag vorübergehend auf 966,20 Franken gestiegen und haben damit ein neues Allzeithoch erreicht. Neben der Sektorrotation von Technologietiteln in defensivere Werte hat auch ein neues Kursziel zur zuletzt positiven Entwicklung der Swiss-Life-Valoren beigetragen. Der zuständige Analyst der Bank Berenberg, Michael Huttner, bestätigte vergangene Woche das «Buy»-Rating und erhöhte das Kursziel auf 1125 von 1073 Franken. Keine andere Analystenprognose räumt den Titeln mehr Luft nach oben ein als diese.
Huttner erachtet die Bewertung von Swiss Life als günstig und verweist in seiner Einschätzung auf das Handelsupdate für das dritte Quartal 2026, das am 11. November erscheinen soll. Der Ausblick darauf sei solide und begünstige die Aktie, so der Analyst.
Der Berenberg-Experte ist hierzulande kein Unbekannter, was hohe Kursziele betrifft. Huttner vertritt auch bei Zurich Insurance das höchste aller Preisziele am Markt. Auf 902 Franken sieht er die Zurich-Valoren anziehen. Diese haben vergangene Woche bei 630 Franken den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2001 erreicht. Zuträglich war hierbei auch die inzwischen abgeschlossene Übernahme des britischen Spezialversicherers Beazley, die nicht unerhebliches Wertschöpfungs- und Gewinnpotenzial freisetzen dürfte.
Nächster Orientierungspunkt für Investoren ist der 12. November, wenn das Zurich-Management das Update für die neun Monate bis Ende September 2026 liefern wird.
Reihenweise Hochs am breiten Markt
Nicht nur im Leitindex gab es aus Investorensicht erfreuliche Kursentwicklungen. Am breiten Markt haben Kühne+Nagel ein Zweijahreshoch, Emmi ein Zweieinhalbjahreshoch, Medartis ein Viereinhalbjahreshoch sowie die Berner und Luzerner Kantonalbank je Allzeithochs erreicht.
Medartis berichtete am Montagmorgen, dass das US-Geschäft mit der Touch-Daumensattelgelenkprothese besser als geplant laufe. Entsprechend geht das Management davon aus, dass das Jahresziel für das organische Umsatzwachstum übertroffen werden kann. Auf die Nachricht hin griffen die Investoren zu und hievten die Aktien zum Wochenauftakt um 7 Prozent nach oben.
Die Kantonalbanken profitieren derzeit von ihrem starken Fokus auf den Heimmarkt Schweiz und auch von unternehmensspezifischen News. So hat die Luzerner Kantonalbank (LUKB) am Freitag ein überzeugendes Drittquartalsergebnis vorgestellt. «Die von uns erwartete positive Entwicklung wurde leicht übertroffen», schrieb der zuständige Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Ausano Cajrati Crivelli. Er sieht die LUKB nach wie vor «gut aufgestellt und auf einem guten Entwicklungspfad». Jedoch sei dies grösstenteils schon im Aktienkurs abgebildet. Cajrati Crivelli stuft die LUKB mit «Marktgewichten» ein.
Kantonalbank-Aktien dürften in den kommenden Monaten im Fokus der Investorinnen und Investoren bleiben. Denn sollte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins anheben, könnte auch das Zinsgeschäft der Banken anziehen.

