Es gibt hunderte Exchange Traded Funds (ETF) auf die bekannten Indizes wie Nasdaq, S&P 500 Index oder die Schweizer Pendants Swiss Market Index (SMI), Swiss Performance Index (SPI) oder Swiss Mid Cap Index (SMIM). Allen ETFs ist gemeinsam, dass sie in schwankungsanfälligen Märkten meist gleich stark korrelieren respektive sich deren Kurse ähnlich nach unten oder oben bewegen. 

Für ein Portfolio ist es indessen wichtig, in Produkte zu investieren, die sich nicht gleich wie der Gesamtmarkt - gemessen an einem grossen Leitindex - verhalten. Hinzukommen in einem Portfolio harte Anlagen wie Immobilien, da sich deren Preise im Normalfall unabhängig von Aktienanlagen bewegen. 

In der Vergangenheit galt dieses entgegengesetzte Kursverhalten auch für Obligationen. Gingen die Aktienmärkte runter, zogen die Preise für Obligationen an respektive die Renditen sanken. Dieser Kausalzusammenhang wird indessen immer schwächer, weil die ausufernde Fiskalpolitik tendenziell zu steigenden Renditen von Staatsobligationen führt. Davon profitieren wiederum die Aktienmärkte. Gerade für Schweizer Investoren bleiben wegen der niedrigen Renditen Frankenobligationen aber oftmals unattraktiv.

Ebenso haben sich Bitcoin, Gold und Rohwaren nur teilweise als Diversifikationswerte bewährt. Gold und Bitcoin werden in Krisenzeiten schnell einmal abverkauft, weil sie sofort Liquidität liefern im Bedarfsfall. Spekulative Rallyes sind an der Tagesordnung, welche wiederum keine Stabilität ins Portfolio bringen.  

Unter den ETFs gibt es allerdings gut drei Dutzend sogenannter «Long/Short»-ETFs, welche einen effizienten Diversifikationseffekt mit sich bringen. Anstatt bei Marktgewinnen lediglich auf eine «Long-only»-Strategie zu setzen, bedienen sich diese ETFs eines aktiven Managements, das darauf abzielt, die Rendite zu maximieren und das Marktrisiko durch gleichzeitige Kauf- und Leerverkaufspositionen zu dämpfen. 

Diese Strategien werden oftmals als 130/30-Strategie bezeichnet. Die Zahlenkombination gibt das Verhältnis von Long- zu Short-Positionen an. Bei dieser Strategie investiert der Manager 100 Prozent des Kapitals in Long-Positionen. Zusätzlich werden 30 Prozent des Portfoliowerts leerverkauft (Short). Der Erlös aus diesen Leerverkäufen wird wiederum genutzt, um weitere 30 Prozent in Long-Positionen zu investieren.

Unter den rund dreissig amerikanischen Long-Short-ETFs stechen drei Produkte heraus: Der «Convergence Long/Short Equity ETF», der «First Trust Long Short Equity ETF» und der «Militia Long/Short Equity ETF». Alle drei Fonds warten mit stabilen Erträgen und einem stetigen Kursverlauf nach oben auf. 

Weniger Abwärtsrisiken

Das Spezielle dieser drei ETFs zeigt sich bei der Kennzahl «Sortino Ratio». Dieses misst die risikoadjustierte Rendite einer Anlage, indem es nur das Downside-Risiko berücksichtigt. Das Sortino Ratio für den «Convergence Long/Short Equity ETF» liegt bei 3,26,  beim «First Trust Long Short Equity ETF» bei 1,93 und beim «Militia Long/Short Equity ETF» bei 2,03. Im Vergleich dazu kommt der S&P 500 Index auf einen Wert von 1,7 Prozent. Das heisst, die drei Fonds sind gegen potenzielle Kursverluste besser aufgestellt als der Gesamtindex. 

Der Total Return - sprich der gesamte Ertrag aus Kursgewinnen und Dividendenerträgen - beträgt gemäss Daten von Bloomberg beim «Convergence Long/Short Equity ETF» 14,2 Prozent seit Einführung, beim «First Trust Long Short Equity ETF» 9,2 Prozent und beim «Militia Long/Short Equity ETF» 25,8 Prozent. Beim letztgenannten gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass der ETF nur ein Jahr aufliegt. Insgesamt sind diese Performancezahlen nach Gebühren vielversprechend.

Diese Performancezahlen nach Gebühren lassen sich sehen, auch wenn etwa der Nasdaq 100 Index in den vergangenen zehn Jahren eine höhere Gesamtrendite abwarf. Allerdings sind die Kursverwerfungen beim führenden US-Technologiebarometer deutlich höher. Nach dem «Liberation Day» gab der Nasdaq 100 Index binnen Monatsfrist mehr als 25 Prozent nach, während es mit dem «First Trust Long Short Equity ETF» nur um 15 Prozent nach unten ging.

Dies zeigt, wie gut der Mechanismus dieser ETFs funktioniert und gerade in volatilen oder seitwärts tendierenden Märkten einen Mehrwert für Anlegerinnen und Anleger generieren kann. 

Dieser doppelte Ansatz ermöglicht es dem ETF, sogenanntes Alpha aus der Dispersion der Aktien zu generieren und von Marktauf- und -abschwüngen zu profitieren. Ziel ist es dabei nicht, eine höhere Performance als ein Leitindex zu erzielen. Vielmehr zielen diese ETFs darauf ab, eine absolute Rendite mit einer geringeren Korrelation zu den breiteren Indizes zu erzielen, was diese ETFs zu einer potenziell wertvollen Portfolio-Absicherung macht.

Ganz risikolos ist diese Strategie nicht. Die Entwicklung eines Long/Short-ETFs hängt stark von den proprietären Modellen der Manager ab. Leerverkäufe bergen zudem inhärente Risiken, einschliesslich theoretisch unbegrenzter Verluste bei «Short Squeezes». 

Aufgrund dieser Eigenschaft sind diese Long-Short-ETFs für Anlegerinnen und Anleger attraktiv, die eine attraktive, risikobereinigte Rendite anstreben und mit der zugrunde liegenden Hebelwirkung und den Leerverkaufsmechanismen vertraut sind.

Thomas Daniel Marti
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