Die Kosten für den Aufbau neuer Rechenzentren bereiten Anlegern jedoch Sorgen. Die Facebook-Mutter gab am Mittwoch einen Rückgang des Bargeldzuflusses um 91 Prozent auf 784 Millionen Dollar bekannt. «In einem Umfeld steigender Finanzierungskosten kommt das nicht gut an», sagte Analyst Thomas Monteiro vom Online-Broker Investing.com. Die Aktie des US-Konzerns brach daher im nachbörslichen Handel an der Wall Street um zehn Prozent ein.
Die Investitionen in die KI-Infrastruktur würden 2026 voraussichtlich zwischen 130 und 145 statt 125 und 145 Milliarden Dollar liegen, kündigte Meta-Chef Mark Zuckerberg an. «Es gibt nicht annähernd ausreichend Rechenleistung für die gesamte Nachfrage.» Meta benötige die zusätzlichen Server vor allem für das Training neuer KI-Modelle. Das Unternehmen arbeite neben KI-Assistenten für Verbraucher auch an Produkten für Firmenkunden. Diese seien nicht nur auf den Bereich Marketing beschränkt. KI-gestützte Anwendungen für Online-Anzeigen waren in den vergangenen Quartalen der Wachstumstreiber für Metas Werbeeinnahmen. In den vergangenen drei Monaten stieg der Konzernumsatz um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar.
KI-Wachstum auf Pump
Der Konzern finanziert seine KI-Projekte über zusätzliche Schulden oder holt Investoren mit ins Boot. So übernimmt der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock 80 Prozent der Anteile an einer 14 Milliarden Dollar teuren Anlage, die derzeit im US-Bundesstaat Texas gebaut wird. An einem anderen Rechenzentrum beteiligt sich der Finanzinvestor Blue Owl. Zuckerberg verteidigte seine Investitionspläne. Es wäre töricht, für kurzfristigen Profit sämtliche Rechenzentren zu verkaufen.
Google begründete in der vergangenen Woche die Anhebung seiner Investitionsziele auf 205 Milliarden Dollar ebenfalls mit einer rasant steigenden Nachfrage. Der Internetkonzern musste wegen der hohen Ausgaben jedoch erstmals in der Firmengeschichte einen Abfluss liquider Mittel hinnehmen. Microsoft hält vorerst an seinen Investitionsplänen fest. Zudem fiel der Cash Flow des Softwarekonzerns im abgelaufenen Quartal überraschend hoch aus. Schätzungen der Beratungsfirma Gartner zufolge werden die weltweiten Investitionen in Rechenzentren 2026 um mehr als 60 Prozent auf 822 Milliarden Dollar steigen. Die Experten der Bank Morgan Stanley rechnen damit, dass diese Summe im kommenden Jahr auf mehr als eine Billion Dollar anwachsen wird.
Ärger über angeblich süchtig machendes Design
Neben den KI-Kosten bereiteten Meta-Anlegern 2,4 Milliarden Dollar schwere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten Kopfschmerzen. Sie drückten den bereinigten Konzerngewinn überraschend um 13 Prozent auf 6,18 Dollar. Der Betreiber von Facebook und Instagram muss sich unter anderem wegen des Designs seiner Apps in mehreren Verfahren vor Gericht verantworten. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, Nutzer gezielt süchtig zu machen. Diese könnten signifikanten Verluste verursachen, warnte Meta-Finanzchefin Susan Li in einer Telefonkonferenz.
In einem Verfahren wollen vier US-Bundesstaaten Strafen in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar durchsetzen. In der Europäischen Union (EU) droht Meta ebenfalls Ärger. Im Frühjahr hatte ein US-Gericht Meta und Google zu Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe verurteilt.
(Reuters)

