Im Endspiel am Sonntag stehen sich mit Argentinien und Spanien ‌zwei ⁠von dem fränkischen Konzern ausgerüstete Nationalmannschaften gegenüber. Der grosse Rivale Nike geht dagegen ausgerechnet bei der WM ⁠im eigenen Land leer aus, nachdem seine letzten Hoffnungen mit der Niederlage Englands im Halbfinale am Mittwoch zerschlagen wurden. ‌Für Adidas bedeutet das rein von der Marke mit den drei ‌Streifen dominierte Finale eine enorme Steigerung der Sichtbarkeit.

Der ​Erfolg auf dem Spielfeld spiegelt sich auch in der jüngsten Geschäftsentwicklung wider. Der Anteil von Adidas am Schuhmarkt stieg Daten des Analysehauses M Science zufolge im Juni auf 19,2 Prozent von 16 Prozent im Vorjahr. Nike verlor im selben Zeitraum Marktanteile. Adidas sei der «klare Gewinner», erklärte ein Analyst ‌von M Science. Der Konzern aus Herzogenaurach, ein offizieller WM-Sponsor, rechnete allein für das zweite Quartal mit Bestellungen für WM-Produkte im Wert von rund 250 Millionen Euro. Adidas bezeichnete das WM-Finale als «Moment des Stolzes» ​für das Unternehmen, wollte sich jedoch nicht zu Umsatzprognosen äussern.

Hohe Investitionen vor dem WM-Turnier

Nike hatte ebenfalls stark in das Turnier ​investiert, unter anderem mit einer aufwendigen Werbekampagne. Einem Analysten von Morningstar zufolge sind die Probleme des US-Konzerns jedoch grundlegender. «Es gibt wichtigere ‌Themen wie Innovation bei Schuhen, Lagerkontrolle und die Stabilisierung von Umsatz und Margen in China», sagte David Swartz.

Die Nike-Aktie hat in diesem Jahr fast ein Drittel an Wert verloren, da Anleger mit dem ​Fortgang ​der Sanierungsstrategie unzufrieden sind. Ein Nike-Sprecher sagte, die ⁠Vision des Unternehmens für den Fussball sei «nie an einen einzigen ​Moment gebunden» gewesen. Neben dem ⁠Sponsoring von Nationalmannschaften hatte Nike vor der WM zwei neue «Mercurial»-Fussballschuhe vorgestellt, Partnerschaften mit lokalen Streetwear-Designern geschlossen ‌und das Fussball-Merchandise in weltweit mehr als 5000 Nike- und Einzelhandelsgeschäften aktualisiert.

Die WM-Kampagne «Rip the Script» – deren Herzstück ein Film mit Fussballikonen und Prominenten wie dem französischen Stürmer Kylian ‌Mbappe und dem Reality-TV-Star Kim Kardashian ist – erzielte laut Nike in der ersten ​Turnierwoche 1,5 Milliarden Aufrufe. Bis zum Anpfiff verkauften sich die Trikots der Nationalmannschaften 2,5-mal häufiger als im vergleichbaren Zeitraum der WM 2022 in Katar.

(Reuters)