Anleger müssen sich weiterhin auf ‌ein schlagzeilengetriebenes Hin ⁠und Her einstellen. Das bis zum 7. April um 02.00 Uhr (MESZ) verlängerte Ultimatum der USA an den Iran zieht die Ungewissheit in die Länge. Mit jedem ⁠Tag, der verstreicht, verschlechtert sich Börsianern zufolge die Stimmung: Immer mehr Strategen gehen mittlerweile davon aus, dass die Kriegshandlungen sich hinziehen werden und ergo die Konjunktur stärker darunter leiden wird als anfangs erhofft. «Kurzfristig machen ‌sich die gestiegenen Energiepreise vor allem an den Tanksäulen bemerkbar. Infolge höherer Transport- und Vorleistungskosten dürfte jedoch mittelfristig die ganze ‌Breite an Gütern betroffen sein», sagt Helaba-Experte Samuel Will.

Schon in der alten Woche ​standen die Börsen im Bann der Ölpreise, die je nach Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten entweder stark ins Plus oder stark ins Minus drifteten. Der Dax verlor in der Summe per Freitagabend bei 22'300 Punkten rund ein halbes Prozent auf Wochensicht. Die US-Börsen gaben in der gleichen Zeit zwischen 1 Prozent (Dow Jones) und fast 4 Prozent (Nasdaq) nach. Der Stoxx 600 und der SMI konnten dagegen zulegen, um 0,4 respektive 2 Prozent.

Seit Monatsbeginn weisen dagegen alle diese Indizes ein Minus auf: Die US-Börsen verlieren zwischen 7 und 8 Prozent, die drei europäischen Indizes zwischen 9 Prozent (Stoxx 600) und 12 Prozent (Dax) - der SMI gibt 10 Prozent nach. Die Dax-Korrektur dürfte sich zunächst fortsetzen, sagen die Strategen der Commerzbank. Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Persischen Golf und widersprüchliche Aussagen zu möglichen Verhandlungen und Feuerpausen zehrten an den Nerven der Investoren.

Von Panik ‌sei aber noch nichts zu spüren, wohl aber schürten die hohen Energiepreise die Inflationsängste, sagt Will. In der neuen Woche, die wegen der Feiertagspause am Karfreitag auf vier Tage verkürzt ist, werden deswegen anstehende Preisdaten genau beäugt werden. Die Marktstrategen der DZ Bank verabschiedeten sich generell von der Annahme einer kurzfristigen Deeskalation und gehen nun davon aus, ​dass die USA die Kampfhandlungen zwar beenden, aber die Spannungen im Nahen Osten dennoch anhalten.

Ölpreise dürften weiter hoch bleiben

Der seit ​vier Wochen andauernde Krieg der USA und Israel gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise ​in die Höhe getrieben. Der Iran hat die Strasse von Hormus weitgehend geschlossen: Über die Meerenge wird ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert. Das sorgt für Knappheiten, weshalb die Preise gestiegen sind. Zuletzt sanken ‌die Ölpreise wieder, nachdem US-Präsident Donald Trump die angedrohten Angriffe auf Energieanlagen im Iran nach eigenen Angaben für weitere zehn Tage ausgesetzt hat. Doch teils zerstörte Öl- und Gasproduktionsstätten im Persischen Golf dürften die Versorgungslage über eine längere Zeit gefährden und Experten zufolge die Ölpreise hoch halten.

An den Terminmärkten steigen die Wetten darauf, dass der Ölpreis bis April ​auf mindestens ​150 Dollar je Fass steigen könnte. Die Analysten der DZ Bank Research rechnen auf ⁠Drei-Monatssicht mit einem Ölpreis in Höhe von 90 Dollar. Die erhöhten Rohstoffkosten und gestörten Lieferketten sorgen in ​der Folge für eine anziehende Inflation, was ⁠wiederum Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank wahrscheinlicher macht, sagen die Experten.

Verkürzte Handelswoche - US-Arbeitsmarkt am Karfreitag

Am Montag dürfte mit den Inflationsdaten ein weiterer Dämpfer kommen: Denn der Krieg ‌lässt die deutschen Konsumentenpreise nach Prognose von Ökonomen so schnell steigen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen dürften sich im März um durchschnittlich 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat verteuern. Das wäre der grösste monatliche Zuwachs seit September 2022, als nach der russischen Invasion in ‌der Ukraine viele Rohstoffe teurer wurden. Am Dienstag folgen die Inflationsdaten für die Euro-Zone.

Auf die am Karfreitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten werden viele europäische Anleger erst am darauffolgenden Dienstag reagieren können: Am Karfreitag und Ostermontag ruht der Handel hierzulande. Nach dem Schwächeanfall im Februar gehen die Experten der Commerzbank davon aus, dass diesmal mehr Stellen in den USA geschaffen wurden. «Im Einklang mit dem Sägezahnmuster der letzten Monate sollten die Sonderfaktoren diesmal einen Schub gegeben haben, weil der im Februar belastende Streik rechtzeitig vor der Datenerhebung ‌für März endete und das Wetter sich normalisierte», ​sagen die Experten.

In der Schweiz bleibt die Nachrichtenlage dünn. Am Montag wird der KOF KOF‑Konjunkturbarometer für den Monat März veröffentlicht. Am Dienstag publizieren kleinere Werte aus der hinteren Reihe die Jahresergebnisse, darunter Jungfraubahn oder SoftwareOne. Am Mittwoch dürfte der Schweizer Einkaufsmanager-Index vom März im Anlegerfokus stehen und am Donnerstag legen Aevis, lastminute.com und Montana Aerospace die Jahresergebnisse respektive definitiven Zahlen vor.

(Reuters/cash)