Vier Aktien für ein Halleluja

Die Schweizer Börse ist nach einer starken Performance ins Stocken geraten. Für Anleger ist das ein Grund, um jetzt nach Titeln mit speziellen Stories zu suchen. cash bringt vier Vorschläge.
21.11.2013 01:00
Von Frédéric Papp
«Schlagende Argumente» für vier Schweizer Aktien (im Bild Bud Spencer und Terence Hill im Western «Vier Fäuste für ein Halleluja» aus dem Jahr 1971).
«Schlagende Argumente» für vier Schweizer Aktien (im Bild Bud Spencer und Terence Hill im Western «Vier Fäuste für ein Halleluja» aus dem Jahr 1971).
Bild: iNg

Mit einem Plus von 22 Prozent läuft der Swiss Market Index 2013 dem besten Aktienjahr seit 2005 entgegen. Damals legten die Dividendenpapiere gar 31 Prozent zu. Derzeit scheint es unwahrscheinlich, dass der Schweizer Leitindex diese Marke noch zu knacken vermag. Denn seit dem Sommer ist der Aktien-Hausse etwas die Puste ausgegangen.

Seit Mitte Juli, als sich die Schweizer Börse vom Mai-Einbruch wieder erholt zeigte, sind die Kurse nur noch unwesentlich angestiegen. Umso mehr suchen Anleger seither nach Aktien, die in letzter Zeit von der Börse vernachlässigt wurden oder wegen der günstigen Bewertung noch Raum nach oben aufweisen.

cash schlägt deshalb vier Titel vor, die für die kommenden Wochen wegen ihrer Story Chancen auf eine überdurchschnittliche Kursperformance bieten.

Der "Raider"-Titel": Für Aufsehen sorgte Publigroupe am Dienstag mit einer Meldung, die eigentlich "no news" war: Wegen dem Ausbleiben von relevanten Neuigkeiten wurde der Investorentag abgesagt, hingegen der bisherige Jahresausblick bestätigt. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Konzernführung mit einem operativen Ergebnis im Bereich "Break Even". Daraufhin avancierte der Aktienkurs der Werbevermarkterin um über 5 Prozent. Doch dies ist nur ein kleiner Wermutstropfen für die Aktionäre. Seit Januar ist der Titel 37 Prozent abgesackt.

Sorgenkind ist und bleibt Publicitas. Das in dieser Division angesiedelte Geschäft der klassischen (Print-)Medienvermarktung leidet in immer stärkerem Ausmass unter der strukturellen Verschiebung hin zu Online. Publigroupe versucht darauf seit mehreren Jahren eine Antwort zu finden, bisher indes ohne nachhaltigen Erfolg. Der tiefe Aktienkurs – aktuell rund 90 Franken – spiegelt einen Firmenwert von bloss 210 Millionen Franken. Ohne Publicitas wäre die Firma aber laut Analystenschätzungen zwischen 350 bis 500 Millionen Franken wert.

Dies könnte so genannte "Raider" auf den Plan rufen. Dies sind Investoren, die eine Gesellschaft oder Teile davon gegen den Willen ihres Managements übernehmen wollen. Im Falle von Publigroupe hiess dies: Publicitas verkaufen, schliessen oder über ein Management-Buyout auslagern. Eine solche Aktion würde den Aktienkurs in die Höhe treiben.

Die vernachlässigte Aktie: Die Titel des Zürcher Fleischveredlers Orior sind von den Anlegern monatelang vernachlässigt worden. Doch vor sechs Wochen ist die Aktie wiederentdeckt worden. Seither hat der Kurs über 7 Prozent auf 52 Franken zugelegt und nähert sich schrittweise dem Allzeithoch von 58 Franken.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass Orior noch in diesem Jahr diese Marke erreichen könnte. Aufholpotenzial wäre durchaus gegeben - angesichts der unterdurchschnittlichen Jahresperformance von zwei Prozent. Für Orior sprechen die attraktive Dividendenrendite von 4 Prozent und das relativ günstige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2014 von 11.

Der Turnaround-Kandidat: Die Titel des auf Diabetes spezialisierten Medizinaltechnikunternehmens Ypsomed werden seit Monatsanfang mit guten Volumen gekauft. Die Titel kletterten am Dienstag auf 69 Franken. Dies ist der höchste Stand seit über vier Jahren. Dem Vernehmen nach steigen hier neue grössere Investoren ein. Laut CEO Willy Michel hat die Gesellschaft den Turnaround geschafft und möchte mittelfristig wieder eine EBIT-Marge im Bereich von 15 bis 20 Prozent erreichen. Dies teilte er anlässlich der Präsentation der Semesterzahlen des Geschäftsjahres 2013/14 vor wenigen Tagen mit.

Zudem erwartet Ypsomed einen baldigen Wachstumsschub. Der Kundenkreis soll von 10 auf gut 30 Pharmagesellschaften erweitert werden. Für Turnaroundliebhaber gestaltet sich die Ausgangslage somit spannend. Hemmend wirkt allerdings der geringe Streubesitz von 24 Prozent. CEO und Grossaktionär Michel denkt allerdings noch nicht daran, sein Aktienpaket zu reduzieren.

Der Basler Überflieger: Die Aktien der in der Feinchemiebranche tätigen Lonza gehören nicht zur Kategorie der zurück gebliebenen Titeln. Seit dem Sommer 2012 kennt der Titel nur eine Richtung: nach Norden. Allein im laufenden Jahr verteuerten sich die Valoren um 72 Prozent – fast vier Mal so viel wie der Gesamtmarkt – und zählen damit zu den Überfliegern im SPI.

Trotzdem bietet der Titel noch Einstiegschancen. Die Bank Vontobel hat erst kürzlich die Lonza-Aktie auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel auf 100 Franken angehoben. Derzeit notiert der Titel bei 85 Franken. Laut Vontobel-Analystin Carla Bänziger zeichnet sich eine positive Wende in der Division Biopharma ab und damit auch eine deutliche Margenverbesserung.