Die Sommerzeit mit geringem Handelsvolumen konnte die Börsenrallye nicht stoppen. Zwar stagnierte der Swiss Market Index (SMI) und der Stoxx 600 Index etwas, doch der S&P 500 legte im August um 2,6 Prozent zu. Damit konnte der US-Leitindex die schwache Performance im Juni und Juli mehr als wettmachen. Der Nasdaq 100 verzeichnete sogar seinen besten Monat seit Mai mit einem Plus von 4,2 Prozent.
Risikoreiche Ereignisse wie die Quartalszahlen von Nvidia und das Jackson Hole Symposium der Federal Reserve sorgten für eine uneinheitliche Marktstimmung und verringerten die Marktbreite, ohne den Aufwärtstrend zu bremsen. «Wir bewegen uns hin zu einer taktisch vorsichtigen, neutralen Einschätzung. Das heisst, die Fundamentaldaten des Aktienmarktes sind weiterhin stark, aber kurzfristige Faktoren werden die Märkte wahrscheinlich seitwärts bewegen», sagte Andrew Tyler, Leiter des Market Intelligence Desk von JPMorgan Chase.
Die JPM-Analysten weisen auf einige kurzfristige Risiken hin, darunter die zunehmend restriktivere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed, die unklare Positionierung, sich ausweitende Kreditspreads und die schwierige Saisonalität. Sie empfehlen, die «Magnificent Seven» zu halten, da KI, Speicher und Halbleiter keine nachhaltige Nachfrage aufweisen könnten, während US-Softwareaktien als attraktiv angesehen werden - insbesondere wenn die Halbleiterpreise weiter fallen. Sie bevorzugen den Gesundheitssektor innerhalb der defensiven Wertschöpfungskette, Grossbanken, die von einem gesunden Wirtschaftswachstum profitieren, und Long-Positionen im Nasdaq 100 gegenüber dem Small-Cap-Index Russell 2000.
Am Freitag in Jackson Hole bekräftigte Fed-Chef Kevin Warsh sein Versprechen, die Inflation einzudämmen, und heizte damit die Spekulationen auf eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung Ende des Monats an. Swap-Händler sehen nun eine Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent für eine Zinserhöhung, verglichen mit 40 Prozent vor einer Woche. Dies wird die Anleger angesichts der Arbeitsmarktdaten dieser Woche und der Inflationsdaten der nächsten Woche, die eine restriktive Haltung der Zentralbank untermauern könnten, vorsichtig halten.
Die Performance-Streuung blieb im August extrem, was den Markt zu einem von KI-Investitionen getriebenen Aktienmarkt machte. Das heisst aber nicht, dass sich die Einschätzungen der Anleger zu Gewinnern und Verlierern nicht geändert hätten. Der KI-Handel setzte sich fort, wenn auch mit weniger Begeisterung, doch Halbleiter- und Speicherchip-Aktien stagnierten trotz Nvidias herausragender Gewinne. Softwareaktien hingegen dominierten und übertrafen die Halbleiteraktien im August um 10 Prozentpunkte.
«Dieses Wiederaufleben der Softwarebranche deutet auf ein gestiegenes Interesse hin, da Händler und Investoren Kapital aus den überfüllten Halbleiterpositionen abziehen», sagte ein Team um Brent Kochuba von SpotGamma. Die starken Ergebnisse von Salesforce, Okta und Crowdstrike hätten offenbar die Risikobereitschaft der Händler angefacht. «Diese Entwicklung fand zudem branchenweit statt und beschränkte sich nicht auf einige wenige Unternehmen, wodurch sich konstruktive Einstiegschancen bei Software-Nachzüglern ergaben.»
Laut einer Analyse von SpotGamma ist die implizite Volatilität vieler Softwareaktien trotz der Rallye gesunken. Die meisten Aktien weisen einen gewissen Call-Skew auf, da Händler in Erwartung weiterer Kursgewinne an den steigenden Kursen teilnehmen. Oracle beispielsweise befinde sich in einer ähnlichen Position wie ServiceNow und Microsoft vor einem Monat. Beide zeigten eine positive Händler-Gamma-Positionierung unterhalb und eine negative Gamma-Positionierung oberhalb des Spot-Wertes und legten nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen stark zu.
«Dieses Setup kann Abwärtsbewegungen abfedern und gleichzeitig die Aufwärtsdynamik beschleunigen», so das Team von SpotGamma. Die Gesamtpositionierung ist jedoch nicht eindeutig. Daten der Deutschen Bank zeigen eine leichte Übergewichtung im 62. Perzentil. Obwohl das Engagement in Large Caps hoch ist, ist es im 85. Perzentil noch nicht übermässig. Die Risiken könnten von systematischen Fonds ausgehen:
Das Aktienengagement von amerikanischen Commodity Trading Advisors - kurz CTAs - ist hoch, während Volatilitätskontrollfonds maximal ausgeschöpft sind. Das begrenzt das Potenzial für weitere Zukäufe und schafft im Falle steigender Volatilität ein stark asymmetrisches Umfeld. Dies könnte angesichts der Saisonalität des Septembers zu einer heiklen Situation führen.
Rein rechnerisch ist der September der schwächste Monat für Aktien, mit einem durchschnittlichen Rückgang des MSCI World Index um 1,2 Prozent in den vergangenen 25 Jahren. Der Teufel steckt jedoch im Detail: Zwar ist der September nur in 40 Prozent der Fälle ein negativer Monat, aber wenn er es ist, fällt er um 2,9 Prozent bis 12 Prozent.
Der September ist zudem oft der Auftakt zum stärksten und letzten Quartal des Jahres. Zusätzlich könnten die US-Zwischenwahlen die Marktbewegungen verstärken, die laut mehreren Handelsabteilungen, darunter JPMorgan und Goldman Sachs, tendenziell negativ bis zur Wahl und dann stark positiv sind.
Fazit: In diesem Monat stellen sich Händler üblicherweise auf weitere Volatilität ein. Da der Volatilitätsindex (VIX) bei etwa 15 liegt und im September typischerweise auf 20 steigt, könnte es für Anlgerinnen und Anleger ratsam sein, einige Absicherungsstrategien zu verwenden.
(Bloomberg/cash)

