Stark gestartet, dann zurückgefallen und unter dem Strich nur minim zugelegt: So lautet das Fazit zum Abschneiden des Schweizer Aktienmarktes im August. Nach dem Rekordhoch von 14'669 Punkten sackte der Swiss Market Index (SMI) ab und erholte sich danach nur leicht. Alles in allem blicken Investorinnen und Investoren somit auf ein 0,1-prozentiges Plus des Leitindex.

Derweil haben einzelne Aktien überdurchschnittlich zugelegt oder ausserordentlich viel Boden verloren. Im SMI stehen 13 Gewinner sieben Verlierern gegenüber.

Die Performance der SMI-Aktien im August 2026.

Die Performance der SMI-Aktien im August 2026.

Quelle: Screenshot Bloomberg

Unter den Werten des Leitindex SMI stach der Privatmarktspezialist Partners Group heraus, dessen Aktie im Juni auf ein Sechs-Jahres-Tief gefallen war. Anleger nutzten die historisch tiefe Bewertung für Zukäufe und trieben die Aktie um 10,5 Prozent nach oben. Wichtig war dabei auch, dass der Strom schlechter Nachrichten um die Finanzgesellschaft aus Baar zumindest vorerst versiegte. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ist ungebrochen zuversichtlich. Der zuständige Analyst stuft den Titel mit «Übergewichten» ein und sieht den fairen Wert bei 1050 Franken - 40 Prozent über dem Schlusskurs vom letzten Freitag, der 749,40 Franken betrug. Von den am Dienstag vorgestellten Halbjahreszahlen erwartet der ZKB-Experte allerdings wenig Impulse.

Kaum Unterstützung für den Gesamtmarkt kam von den Schwergewichten. Roche (plus 0,5 Prozent auf 354,80 Franken), Novartis (minus 2,4 Prozent auf 123,25 Franken) und Nestlé (minus 2,9 Prozent auf 78,60 Franken) gaben ein gemischtes Bild ab. Die Partizipationsscheine von Roche bewegten sich zweimal über mehrere Handelstage nordwärts, wobei sie jeweils das durchschnittliche Kursziel von 368,84 Franken überschritten. Beide Male prallten die Titel zurück und stehen nun Ende August nur unwesentlich höher als zu Monatsbeginn. Der Blick der Investoren richtet sich auf den Roche-Pharmatag, der Ende September in London stattfindet, sowie auf US-Zulassungsentscheide zum Brustkrebsmittel Giredestrant in zwei Anwendungsfeldern. Sie werden für November beziehungsweise Dezember erwartet.

Das Börsengeschehen um Nestlé wurde zunächst von der Meldung überschattet, der Lebensmittelkonzern werde wohl die Kontrolle über sein Russland-Geschäft verlieren. Hinzu kam die Herabstufung von «Übergewichten» auf «Marktgewichten» durch den zuständigen Experten der ZKB. Er sieht das Management um CEO Philipp Navratil auf einem Balanceakt, der Zeit brauche. Investitionen in Marketing sowie Forschung und Entwicklung laufen, während die Verschuldung abgebaut werden soll. Zugleich geht es um neue Wachstumsfelder, um höhere Effizienz und den Rückgewinn von Anlegervertrauen.

Grösster Verlierer im SMI ist der Baukonzern Amrize. Er schliesst den August mit einem 9,4-prozentigen Minus bei 36 Franken ab. Massgebend für den Kursverlust war der Halbjahresbericht, der Anfang August veröffentlicht wurde. Bitter schmeckte dabei die gesenkte Guidance für den bereinigten operativen Gewinn (EBITDA). Zudem konnte die starke Umsatzdynamik die Kosten nicht vollumfänglich auffangen, sodass der Gewinn unter den Erwartungen ausfiel. In der Folge haben mehrere Analysten ihre Kursziele für den von CEO Jan Jenisch geführten Konzern gestutzt, aber nicht in grösserem Stil zusammengestrichen. So deutet das durchschnittliche Preisziel von 47,70 Franken auf einen mehr als 30-prozentigen Kursgewinn in den nächsten zwölf Monaten hin.

Gemischtes Bild bei den Bau-Werten: Während Holcim um 2,1 Prozent nachgab, glänzten Sika (plus 6,9 Prozent) und Geberit (plus 8,4 Prozent) als Top-Performer.

Gurit - Überflieger am breiten Markt

Auf Monatssicht grössere Kursausschläge als im SMI gab es am breiten Markt. Im Swiss Performance Index (SPI) haben 118 Titel an Wert gewonnen oder sind gleich geblieben, während 84 den August im Minus abgeschlossen haben.

Die Performance der SPI-Aktien im August 2026.

Die Performance der SPI-Aktien im August 2026.

Quelle: Screenshot Bloomberg

Dank eines 74,5-prozentigen Zuwachses schliessen die Aktien von Gurit den Monat August an der SPI-Spitze ab und sind nun 48,50 Franken wert. Grund für den Kurssprung des über Jahre tief gefallenen Industrietitels ist das vergangene Woche vorgestellte Halbjahresergebnis. Besonders auffällig waren der bereinigte operative Gewinn (EBIT), der fast 41 Prozent über der Konsensprognose der Analysten lag, sowie die Marge, die um 5,3 Prozentpunkte auf 11,0 Prozent anstieg. Zudem wurde die Guidance erhöht und Viktor Bernhardt als neuer CEO bekanntgegeben. Er leitete die Geschäfte nach dem Abgang von Tobias Lührig interimistisch. In welche Richtung sich die Titel mittelfristig bewegen werden, lässt die Kurszielerhöhung auf 49 von 43 Franken durch die UBS am heutigen Montag erahnen. Die Stimme des zuständigen Analysten hat Gewicht, da Gurit von vergleichsweise wenigen anderen Experten abgedeckt wird. Doch selbst wenn die Aktien von Gurit bald bei oder über der 50-Franken-Marke stehen, so sind sie doch noch weit vom Allzeithoch bei 280 Franken vom Januar 2021 entfernt.

Neben Gurit entwickelten sich auch die Valoren von Stadler Rail (plus 22,5 Prozent auf 30 Franken) und Basilea (plus 21 Prozent auf 63 Franken) stark. Beide Titel wurden von den jeweils unerwartet positiven Halbjahresberichten angeschoben und auf Langzeithochs gehievt. Die Bestätigung muss freilich erst noch folgen. Bei Stadler dürfte mitentscheidend sein, ob sich die Profitabilität weiter erhöht. Bei Basilea wird wichtig sein, dass die Pipeline so weit gefüllt wird, dass Patentabläufe aufgefangen werden können.

Auf der Verliererseite des SPI stand im August namentlich Idorsia, trotz einer positiven Nachricht aus den USA. Die dortige Drogenbekämpfungsbehörde will die Beschränkungen für eine Klasse von Schlafmitteln lockern, zu der auch das von Idorsia entwickelte Medikament Quviviq gehört. Die Meldung löste einen 13,4-prozentigen Kurssprung innert zweier Tage aus. Dass die Titel des Biotechnologieunternehmens auf Monatssicht dennoch um 15,8 Prozent auf momentan 5,12 Franken fielen, weist sie als eine der schwankungsanfälligen Valoren am Schweizer Markt aus. Zugleich schneiden sie über mehrere Monate hinweg betrachtet klar besser ab als der Gesamtmarkt. Allein in den vergangenen 52 Wochen kam ein Kursplus von 93 Prozent zusammen - während der SPI um 20 Prozent vorgerückt ist.

Schwach waren in den vergangenen vier Wochen auch die Aktien von Huber+Suhner (minus 9,8 Prozent auf 169,40 Franken). Das Erstsemesterergebnis hatte die Markterwartungen nicht erfüllt. Das Unternehmen ist dabei, die automatisierte Fertigung von optischen Schaltern (OCS) in Polen hochzufahren. Dafür fielen im ersten Semester Vorlaufkosten an. Zugleich gehört das OCS-Geschäft zu den Zugpferden des in Herisau beheimateten Konzerns. Analysten sehen diesen denn auch vor einem starken zweiten Halbjahr. Dennoch sind manche der Experten nicht mehr so zuversichtlich wie auch schon. Die Bank Berenberg senkte das Kursziel auf 200 von 250 Franken, die UBS ging auf 320 von 325 Franken und Research Partners zog auf 221 von 226 Franken zurück. Das Gegengewicht bildet die Bank Vontobel: Sie hat das Preisziel auf 255 von 245 Franken hochgenommen und das Rating auf «Buy» von «Hold» gesetzt.

Reto Zanettin
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