Dividendenaktien gehören in jedes Portfolio. Sie bieten regelmässige, handfeste Erträge und sorgen für mehr Stabilität im Depot während unruhiger Marktphasen. Gerade die Dividendenkönige und Dividendenaristokraten sind im Fokus vieler Investierender. Ein Dividendenkönig hat seine Ausschüttungen während mindestens einem halben Jahrhundert jedes Jahr erhöht, während ein Dividendenaristokrat diesen Status bereits nach 25 Jahren in Folge erreicht.
Ein Kauf eines Dividendenkönigs oder Dividendenaristokraten sollte aber gut überlegt sein. Ein negatives Beispiel ist der amerikanische Fleisch- und Lebensmittelkonzern Hormel Food, welcher in den vergangenen 58 Jahren die Dividenden kontinuierlich gesteigert hatte. Wegen stark gestiegener Rohstoffkosten, Vogelgrippe und veränderten Konsumgewohnheiten lag der Gesamtertrag über die letzten drei Jahre bei minus 43,4 Prozent. Daran änderte auch die mittlerweile rekordverdächtige Dividendenrendite von 5,9 Prozent nichts.
Ein ähnliches Muster zeigt sich beim Schweizer Dividendenaristokraten Nestlé. Über die letzten drei Jahre verlor der Valor inklusive Dividendenzahlungen 17,4 Prozent an Wert, wie Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigen.
Das bescheidene Dividendenwachstum über die letzten vier Jahre beim Nahrungsmittelhersteller aus Vevey fällt ins Gewicht. Die Ausschüttung wurde pro Jahr um 0,05 Franken erhöht, was einem Wachstum von rund 1,6 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Der französische Konkurrent Danone konnte die Dividende in der gleichen Periode jeweils um mehr als 4 Prozent pro Jahr anheben. Gemäss nachfolgender Tabelle fällt der Gesamtertrag - sprich Kursgewinne und Dividende - positiv aus.
Entwicklung Gesamtertrag, Dividendenrendite und Dividendenwachstum
| Titel | Gesamtertrag 2023-2026 in Schweizer Franken | Dividendenrendite in % |
Durchschnittliches Dividendenwachstum 2023-2025 |
| Hormel Foods | - 43,4 % | 5,8 % | 1,4 % |
| Danone | +12,11 % | 3,9 % | 4,1 % |
| Nestlé | - 17,4 % | 4,1 % | 1,7 % |
Daten: Bloomberg
Während viele klassische Dividendentitel hohe Renditen aufweisen, kann ein bescheiden ausfallendes Dividendenwachstum die Kursentwicklung beeinträchtigen. Das muss aber nicht sein. Die sogenannten Dividenden-Compounder weisen als Erfolgskombination hohe Kursgewinne und ein hohes Wachstum bei der Dividende aus und lassen die klassischen Dividendenperlen zuweilen deutlich hinter sich.
Die Spitzenreiter in der Übersicht
In den Top-Positionen reiht sich Lotus Bakeries ein. Das belgische Unternehmen, das für sein Spekulatius-Biskuit bekannt ist, hat für die Aktionäre einen phänomenalen Mehrwert geschaffen. Im Vergleich zur Erstkotierung im Mai 2002 ist der Titel 200-mal mehr wert. Im gleichen Zeitraum stieg die ausgeschüttete Dividende von 1,04 auf 90 Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg der Ausschüttungen von 19,5 Prozent.
Ganz vorn mischt auch der US‑Baumaschinenkonzern Caterpillar mit, der seine jährliche Dividende seit 32 aufeinanderfolgenden Jahren erhöhen konnte. Das annualisierte Dividendenwachstum kommt bei 9,8 Prozent zu stehen und entspricht einer Verzehnfachung der Ausschüttungen.
Das Schweizer Unternehmen Belimo kann das Dividendenwachstum von Caterpillar mit annualisierten 10,8 Prozent sogar übertrumpfen. Der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaspezialist aus Hinwil (ZH) profitiert seit geraumer Zeit vom KI-Boom bei den Rechenzentren.
Der Gesamtertrag der Belimo-Valoren in den vergangenen 20 Jahren steht bei 2547 Prozent und somit deutlich vor den Schweizer Dividendenaristokraten Nestlé (+209 Prozent), Novartis (+287 Prozent) sowie Roche (+203 Prozent) oder den Dividendenperlen Swiss Life (+520 Prozent), Swiss Re (+350 Prozent) oder Zurich Insurance (+485 Prozent).
Ähnlich sieht es im Finanzbereich aus. Während Schweizer Finanzwerte von den Kantonalbanken bis zur UBS in den vergangenen 20 Jahren insgesamt steigende Ausschüttungen unter teils sehr hohen Schwankungen aufwiesen, gehören die beiden Zahlungsanbieter Visa und Mastercard in die weltweite Spitzengruppe beim Kurswachstum und beim Dividendenwachstum.
Visa hat seit dem Börsengang 2008 und der ersten Auszahlung im selben Jahr die Dividende jedes Jahr um knapp 20 Prozent gesteigert. Bei Mastercard liegt dieser Wert sogar über 26 Prozent.
Wo steigen die Dividenden am Stärksten?
Unter den Dividenden-Compoundern finden sich auch Technologiewerte wie zum Beispiel ASML. Der niederländische Hersteller von Lithographiemaschinen für die Halbleiterproduktion weist über die letzten 25 Jahre ein Dividendenwachstum von 18,7 Prozent per annum aus.
Wie wichtig kontinuierlich steigende Dividenden auch im einstelligen Bereich sind, lässt sich an der Apple-Aktie ablesen. Das jährliche Dividendenwachstum betrug 7,8 Prozent seit der Wiederaufnahme der Ausschüttungen im Jahr 2012. Hinzu kamen die von Apple getätigten Aktienrückkäufe, welche die an der Börse frei handelbare Anzahl an Aktien reduzierten. Dies erhöhte den Gewinn pro Aktie und stützte den Aktienkurs. Der Gesamtertrag bei Apple als auch ASML spricht für sich gemäss nachfolgender Tabelle:
Die besten Dividenden-Compounder
| Titel | Gesamtertrag 2006-2026 in Schweizer Franken | Dividendenrendite |
Durchschnittliches Dividendenwachstum 2001-2025 |
| Apple | +7548 % | 0,8 % | 7,8 % |
| ASML | +9794 % | 0,5 % | 18,7 % |
| Belimo | +2547 % | 1,2 % | 10,0 % |
| Caterpillar | +1242 % | 0,7 % | 9,3 % |
| Lotus Bakeries | +4546 % | 0,7 % | 18,5 % |
| Mastercard | +2314 % | 0,6 % | 26,0 % |
| Visa* | +3026 % | 0,7 % | 20,0 % |
Daten: Bloomberg (*ab 2008)
Ob Apple in den nächsten zehn Jahren ähnlich gut performt, steht auf einem anderen Blatt. Zu den künftigen Gewinnern könnten indes Unternehmen aus den Sektoren Goldminen, Halbleitertechnologie und Rüstung gehören, welche in den vergangenen drei Jahren die Dividenden übermässig steigern konnten.
Unter den Minentiteln fallen AngloGold Ashanti (+212 Prozent), Harmony Gold Mining (+118 Prozent), Pan American Silver (+87 Prozent), Hecla Mining (+87 Prozent) oder Barrick Gold (+23 Prozent) beim Dividendenwachstum 2023 bis 2025. Die zwei europäischen Rüstungswerte Safran (Dividendenwachstum von +86 Prozent) und Rheinmetall (+38 Prozent) wissen ebenfalls zu überzeugen. Während bei den Minenaktien der Rückenwind mit der Goldpreiskorrektur seit Jahresbeginn abflachte, stehen die Zeichen im europäischen Rüstungssektor weiter auf Expansion.
Auch amerikanische Firmen aus dem Halbleiterbereich haben in den abgelaufenen drei Jahren dank starker Gewinne und Cashflows die Dividenden erhöht. Ganz oben auf der Liste steht Nvidia (+219 Prozent), gefolgt von Vertiv (+115 Prozent), Camtek (+98 Prozent), Quad/Graphics (+95 Prozent) oder Western Digital (+76 Prozent).
Diese Dividendenerhöhungen zahlen sich nicht nur mit mehr Geld im Portemonnaie der Anlegerinnen und Anleger aus. Das beflügelt auch die Aktienkurse. Alle Titel haben seit Oktober 2023 um mehr als 100 Prozent zugelegt.
Zwei unterschiedliche Strategien
Wer auf klassische Dividendentitel mit einer hohen Rendite setzt, erzielt einen sofortigen, höheren Cashflow. Dieser geht aber zulasten des Wachstums und kann wegen stagnierender Aktienkurse zu einem bescheideneren Gesamtertrag auf dem Investment führen. Wer dagegen auf ein hohes Dividendenwachstum setzt, kombiniert zukünftiges Ertragswachstum mit potenziellen Kursgewinnen.
Bei der Wachstumsstrategie profitieren Anlegerinnen und Anleger vom sogenannten «Yield on Cost». Dieser berechnet die aktuelle Ausschüttungs- oder Dividendenrendite einer Investition gemessen am Einstandspreis statt am aktuellen Marktwert. Deshalb können die steigenden Unternehmensgewinne die Rendite auf dem eingesetzten Kapital deutlich stärker anwachsen lassen.
Dies funktioniert allerdings nur, wenn das Unternehmen das versprochene Wachstum über die Jahre liefern kann. Ansonsten bricht die These in sich zusammen.
Die Strategie eignet sich ferner nur über einen langen Zeitraum. Wer die besten Jahre verpasst, hat das Nachsehen. Auf 25 Jahre beträgt der Gesamtertrag bei Belimo mehr als 6605 Prozent, auf die letzten 20 Jahre «nur» noch 2547 Prozent. Zudem ist die Volatilität in diesen Wachstumstiteln höher als bei den klassischen Dividendenperlen.

