Wenn Top-Manager und Verwaltungsräte eigene Aktien handeln, schaut der Markt genau hin. Denn niemand kennt die Gegebenheiten und Aussichten eines Unternehmens besser als die Führungsetage selbst. Doch was bedeutet es, wenn sie plötzlich verkaufen, kaufen - oder ganz schweigen?
Der Juli hielt für Anleger einige Überraschungen bereit. Bei drei Schweizer Firmen verkaufte das Management Aktien, bei zwei anderen kaufte es überraschend zu. Und bei vier weiteren - die noch bis in jüngster Vergangenheit zu den aktivsten Käufern zählten - herrschte plötzlich Funkstille.
Richemont: Gewinne sichern auf dem Höchststand?
Am 26. Juli folgte die Meldung an der SIX: Ein Mitglied der Geschäftsleitung von Richemont verkaufte Aktien im Gegenwert von rund 2 Millionen Franken. Die zeitliche Abfolge ist auffällig: Erst wenige Tage zuvor hatte der Luxusgüterkonzern seine jüngsten Jahresergebnisse vorgelegt - und die Prognosen hinweggefegt. Die Valoren sprangen daraufhin um 6,7 Prozent auf ein Allzeithoch von rund 197 Franken. Genau diesen Peak nutzte ein Manager für den Ausstieg.
Hat sich das Geschäftsleitungsmitglied angesichts der Kurshausse gefragt, ob die Lage kurzfristig überhaupt noch zu überbieten sei - und lieber einen Gewinn ins Trockene gebracht? Ein Warnsignal muss die Transaktion für Anleger aber nicht sein. Denn die operative Stärke des Luxusgüterkonzerns dürfte nicht abrupt zum Stillstand kommen. Auch die Bewertung ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 26,6x noch weit vom Bewertungsrekord vor sechs Jahren bei fast 37x entfernt. Damit sehen auch Analystinnen und Analysten weiteres Aufwärtspotenzial: Das durchschnittliche Kursziel liegt über 5,2 Prozent höher bei 206 Franken. 16 der 27 Experten raten bei Richemont zum Kauf.
EFG International: Kalte Füsse nach den Zahlen?
Ein nervöseres Bild zeichnete sich beim Vermögensverwalter EFG ab. Hier wurde am 23. Juli eine Verkaufstransaktion im Umfang von 1,3 Millionen Franken gemeldet. Am Tag zuvor hatte das Finanzinstitut seine Quartalszahlen publiziert.
Die Reaktion an der Börse auf den Zahlenkranz war ernüchternd: Innerhalb von zwei Sitzungen stürzte die Aktie um 11 Prozent ab - auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. Zwar hielt das Unternehmen an seiner Prognose fest, doch Zinsergebnis und Kosten lagen unter den Erwartungen. Dass ein Geschäftsleitungsmitglied ausgerechnet mitten in diesem Kursrutsch Titel veräusserte, ist allerdings ungewöhnlich.
Analystinnen und Analysten beurteilen die Lage etwas gelassener und sehen nach dem jüngsten Kurstaucher eine Einstiegschance: Zwei der fünf bei LSEG gelisteten Experten haben in den vergangenen Tagen ihr Rating um mindestens eine Stufe auf «Kaufen» hochgeschraubt. Das durchschnittliche Kursziel wird bei 19,60 Franken prognostiziert - rund 22 Prozent höher.
Infracore: Ungewöhnlicher Kaufrausch nach dem IPO
Ein ebenfalls ungewöhnliches Muster zeigte sich bei der auf Spitalimmobilien spezialisierten Infracore. Im Juli wurden gleich vier Kauftransaktionen im Gesamtvolumen von 560'000 Franken registriert. Das Bemerkenswerte daran: Infracore hat ihren Börsengang erst Anfang des Monats absolviert. Normalerweise sind die Wochen nach einem IPO von Verkäufen durch Altaktionäre oder Manager geprägt, die erste Tranchen versilbern wollen.
Dass das Management genau diese Phase für Käufe nutzt, dürfte ein starkes Vertrauenssignal an den Markt senden. Den Aktien könnte dies die nötige Dynamik verleihen - denn seit dem IPO schwankt der Aktienkurs zwischen 52 und 54 Franken.
Wegen des noch nicht lange zurückliegenden Börsengangs wird die Aktie bislang von keinem Analysten abgedeckt. Erste Einstufungen dürften in den kommenden Monaten folgen und zeigen, ob die Experten den Optimismus der Führungsetage teilen.
DSM-Firmenich: Kasse machen nach gelungenem Debüt
Im Gegensatz zu Infracore zeigte sich das Management von DSM-Firmenich auf der Verkäuferseite. Am 29. Juli wurde eine Verkaufstransaktion im Umfang von etwa einer Million Franken gemeldet. Das Spezialchemie- und Aromaunternehmen hatte erst Ende Mai sein Schweizer Börsendebüt gegeben - als Zweitnotierung neben dem Handelsplatz Amsterdam.
Der Konzern entstand 2023 aus der Fusion des niederländischen Spezialchemiekonzerns DSM mit dem Genfer Duftstoffhersteller Firmenich. Nach dem Verkauf des weniger profitablen Tierernährungsgeschäfts ähnelt DSM nun immer mehr dem Schweizer Branchenprimus Givaudan. Dies zeigt sich auch beim Kursverlauf: Seit der Erstnotiz der Schweizer Aktien legten die DSM-Titel um etwa 14 Prozent zu, während diejenigen von Givaudan um rund 15 Prozent stiegen.
Cham Swiss Property: «Buy the Dip»?
Auffällige Bewegungen gibt es auch ausserhalb der Geschäftsleitung. Bei Cham Swiss Property wurde Ende Juni eine Kauftransaktion über die beachtliche Summe von rund 7 Millionen Franken gemeldet - getätigt von einem nicht-exekutiven Mitglied des Verwaltungsrats.
Nach einer Korrektur von März bis Juli dieses Jahres fielen die Aktien von Cham Swiss Property rund 16 Prozent. Der millionenschwere Zukauf erfolgte nahe dem Tiefpunkt bei rund 23,50 Franken. Die Führung hält den jüngsten Kurssturz demnach für eine Übertreibung. Ob es sich bei diesem Insiderkauf um ein Lehrbuchbeispiel für ein gelungenes «Buy the Dip» handelt, muss sich allerdings erst noch weisen - die Aktien notieren seither wenig verändert.
Partners Group: Wann greift das Management wieder zu?
Der Privatmarktspezialist Partners Group gehörte im vergangenen Jahr zu den Titeln mit den aktivsten Insiderkäufen unter den Schweizer Bluechips. Allein im Zeitraum von April 2025 bis April 2026 hat die Geschäftsleitung Titel für fast 12 Millionen Franken erworben. Doch seit den enttäuschenden Halbjahreszahlen am 16. Juli - die Aktie brach um 6 Prozent ein - herrscht Funkstille.
Nachdem nun Partners Group auf einem 15-jährigen Bewertungstief gehandelt werden, bleibt das weitere Verhalten der Führungsetage spannend: Nutzt das Management dieses Tief nach Ablauf der «Blackout Period» - die Sperrfrist vor der Publikation von Resultaten - wieder als Einstiegschance?
Amrize und Holcim: Die versiegte Kaufwelle
Ein ähnliches Bild wie bei Partners Group zeigte sich lange Zeit bei Amrize und Holcim. Das Management der beiden Konzerne zählte während der zwölf Monate bis April dieses Jahres zu den aktivsten Käufern der eigenen Aktien an der Schweizer Börse und kauften 52 respektive 3 Millionen Titel. Seither ist diese Nachfragequelle versiegt.
Stadler Rail: Zahltag für Peter Spuhler?
Bei Stadler Rail zeigte über Jahre hinweg Patron Peter Spuhler Vertrauen in die Zukunft des angeschlagenen Zugherstellers. Gemeinsam mit der Geschäftsleitung hat er über zwei Jahre im grossen Stil zugekauft. Allein im August 2024 erwarb Spuhler Aktien für 4,7 Millionen Franken, gefolgt von weiteren Tranchen im September und Dezember 2025 für fast 5 Millionen Franken. Seit April 2026 gab es jedoch keine Kauftransaktionen mehr - stattdessen veräusserte ein Geschäftsleitungsmitglied Titel für rund 70'000 Franken.
Die Halbjahreszahlen am 26. August werden zeigen, ob Spuhler mit seinen mutigen Käufen weiterhin richtig liegt. Bisher hat sich seine Strategie jedenfalls ausgezahlt: Die Aktie hat seit September respektive Dezember 2025 rund 20 bis 25 Prozent zugelegt.

