Zehn verblüffende Fakten über die Märkte

Goldman Sachs nennt in einer Strategiestudie die zehn dramatischsten Veränderungen an den Finanzmärkten der letzten Jahre. Was Anleger wissen sollten.
27.10.2014 08:21
Von Lorenz Burkhalter
Goldman Sachs sagt, wo die Marktmechanismen nicht wie gewohnt funktionieren.

An den Finanzmärkten wird gleich in mehrfacher Hinsicht Geschichte geschrieben. Nicht zuletzt der ultralockeren Zins- und Geldpolitik führender Notenbanken wegen läuft an den Märkten heutzutage manches anders als gewohnt.

Zu diesem Anlass tischen die Aktienstrategen von Goldman Sachs ihren Lesern in ihrer neusten Studie die zehn verblüffendsten Fakten auf:
 

  • Seit ihrem Rückschlag von Anfang März 2009 sind die weltweiten Aktienmärkte unter Miteinbezug der entrichteten Dividenden um 180 Prozent gestiegen. Der viel beachtete MSCI Equity World Index gewann in der Folge durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr.

 

  • Das Jahr 2013 gehört zu den stärksten Börsenjahren in der Geschichte. Die abgegangenen Dividenden berücksichtigt konnte der amerikanische Aktienmarkt um gut 30 Prozent zulegen.

 

  • Entgegen ihrer üblichen Angewohnheit, tendieren die Anleihenmärkte schon seit Jahren im Gleichschritt mit den Aktienmärkten. Seit März 2009 ist der Index von JP Morgan für globale Staatsanleihen um 24 Prozent gestiegen.

 

  • Trotz Schuldenkrise und wirtschaftlicher Stagnation ist es dem europäischen Stoxx-600-Index gelungen, seit Mitte 2012 um jährlich 14 Prozent zuzulegen. Die Börsen in Spanien und Italien brachten es in dieser Zeit sogar auf ein jährliches Plus von 22 respektive 17 Prozent.

 

  • Durch das Platzen der Technologieblase und die von der Finanzkrise losgetretene Rezession liegt der Stoxx-600-Index noch immer um knapp 20 Prozent unter seinen Höchstständen aus dem Jahr 2000.

 

  • Die Gewinne der im britischen FTSE-100-Index berücksichtigten Unternehmen werden erst in gut drei Jahren wieder den Stand von 2007 erreichen. Das Börsenbarometer liegt derweil sogar nur auf dem Niveau von 1997.

 

  • Die Schwellenländeraktien neigten über die letzten Jahre mehrheitlich zur Schwäche. Obschon China noch immer ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum aufweist, liegt der dortige Aktienmarkt noch immer um 60 Prozent unter den Höchstständen aus dem Jahr 2007.

 

  • Der Renditerückgang bei den Staatsanleihen mündete in einer historischen Renditejagd. Ein Anleihefonds, welcher zu 30 Prozent in amerikanische Staatsanleihen investiert, müsste rund die Hälfte seines Vermögens in Anleihen finanzschwacher Schuldner mit einem Rating unter BBB anlegen, um eine jährliche Rendite von 4 Prozent zu erzielen. Dies entspricht einem absoluten Rekordwert.

 

  • Deutsche Staatsanleihen weisen ein rechnerisches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 120 auf, deutsche Unternehmensanleihen ein Verhältnis von immerhin 65.

 

  • 60 Prozent der im europäischen Stoxx-600-Index berücksichtigten Aktien weisen eine Dividendenrendite auf, welche über der jeweiligen Rendite von Unternehmensanleihen liegen. Früher befand sich bestenfalls eine von fünf Firmen in dieser komfortablen Situation.

 

Obschon die US-Notenbank ihr Rückkaufprogramm für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypothekarkredite kontinuierlich zurückgefahren hat und ihre 4000 Milliarden Dollar schwere Bilanzsumme mittlerweile vermutlich sogar rückläufig ist, verfolgen andere führende Zentralbanken noch immer eine expansive Zins- und Geldpolitik. So schnell dürften die ausser Kraft gesetzten Marktmechanismen deshalb wohl nicht wieder Gültigkeit erhalten.