Börse - Diese Schweizer Aktienindizes müssen Sie kennen

Aktienindizes sind für Anleger wichtige Orientierungspunkte. In der Schweiz gibt es zwei Referenzgrössen, aber auch kleinere Gradmesser.
09.09.2015 14:00
Von Pascal Züger
Schriftzug am Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Schriftzug am Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.

Ob Online, am Radio oder am TV ist immer wieder vom SMI die Rede, wenn von Börsenschwankungen berichtet wird. Doch was ist überhaupt der SMI? Und wieso sollte dessen Korrektur Einfluss auf die Investitionen haben?

In der Börsenwelt nehmen Aktienindizes wie etwa der Schweizer Leitindex Swiss Market Index (SMI) oder der US-Leitindex Dow Jones tatsächlich eine bedeutende Stellung ein.  Sie stehen für einen Korb von Aktien aus einzelnen Ländern oder Branchen. Sie sind somit auch ein Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes oder einzelner Sektoren.

Index-Leicht- und -Schwergewichte

In Spitzenjahren kann der SMI durchaus um 20 Prozent zulegen, so geschehen im Jahr 2013. Der Verlauf eines Index hängt zum einen von den einzelnen Kursen der im Index enthaltenen Aktien ab. Zum anderen aber auch davon, welches Gewicht die Einzelaktien im Index haben. Eine Kursveränderung des Grossunternehmens Novartis wirkt sich stärker auf den Index SMI aus als eine Aktienkursschwankung der um einiges kleineren Firma Swatch, die ebenfalls Teil des SMI ist.

Man unterscheidet desweiteren Kursindizes (auch Preisindizes genannt) von Performanceindizes. Erstere bilden die reine Veränderung der Kurse der enthaltenen Aktien ab. Performanceindizes zählen Dividenden und sonstige Einnahmen, die mit dem Aktienbesitz einhergehen,  dazu. Performanceindizes werden deshalb erstellt, weil die ausbezahlten ­Dividenden häufig wieder in die Aktie reinvestiert werden.

Aktienindizes sind für Anlageprofis wichtige Orientierungspunkte: Die Indizes nehmen eine Benchmark-Funktion ein, indem zum Beispiel die Performance einer Einzelaktie oder eines Anlagefonds mit derjenigen des Index verglichen wird.

In der Schweiz existieren verschiedene Aktienindizes, die sich auf eine unterschiedliche Zahl Aktientitel fokussieren und zum Teil Kursindizes, zum Teil Performanceindizes sind - was einen direktenVergleich der Indizes erschwert.

 

Alex Hinder, Inhaber Hinder Asset Management in Zürich, im Kurzinterview

cash: Wie kann man in Aktien­indizes investieren?
Alex Hinder: Mit Exchange Traded Funds,  oder kurz ETF, mit Indexfonds und mit Indexzertifikaten.

Wieso sollen Anleger auf ­indexbasierte Anlagen setzen?
Man erhält kostengünstig die Performance des breiten Aktienmarkts. Unzählige Studien zeigen, dass 80 bis 90 Prozent der aktiven Anlagefonds ihre Vergleichsindizes nach Kosten nicht schlagen. Langfristig verschlechtert sich der Performancevergleich noch mehr.

Was sollten Anleger beachten, wenn sie auf ein Indexprodukt setzen?
Fünf Kriterien spielen hier eine Rolle: der zugrunde liegende Index, die Höhe der Gebühren, die Replikationsmethode, die Liquidität des Fonds und das Domizil des Fonds wegen Steuerimplikationen.

Spielt es eine Rolle, ob man in Kurs- oder Performanceindizes investiert?
Ja, weil Dividenden langfristig die wichtigste Performancekomponente darstellen. Da aber die meisten Indexprodukte die vereinnahmten Dividenden an die Anleger weitergeben, kann der Anleger auch bei einem Preisindex die gesamte Performance vereinnahmen. Nur bei manchen Indexzertifikaten kann es Ausnahmen geben.

 

Die wichtigsten Aktienindizes der Schweiz

Swiss Performance Index (SPI)
Der Swiss Performance Index (SPI) wurde Mitte 1987 eingeführt und enthält nahezu alle an der Schweizer Börse, der SIX Swiss Exchange, gehandelten Aktien aus der Schweiz. Er gilt deshalb als Gesamtmarktindex für den schweizerischen Aktienmarkt. Auch ausländische Firmen, die an der Schweizer Börse kotiert sind, können auf Antrag aufgenommen werden. Der österreichische Halbleiterhersteller AMS ist ein Beispiel hierfür. Es befinden sich über 200 Aktien im SPI. Der SPI ist, wie der Name bereits sagt, ein Performanceindex. Das heisst, dass Dividendenzahlungen bei der Indexentwicklung berücksichtigt werden.

Swiss Market Index (SMI)
Der Swiss Market Index (SMI), der Leitindex und damit auch das international bekannteste Aktienbarometer der Schweiz, startete Mitte 1988 bei einer Indexbasis von 1500 Punkten. Er hat sich seither versechsfacht und steht im September 2019 auf einem Rekordhoch. Der SMI ­beinhaltet die 20 liquidesten und grössten Titel - auch Blue-Chips genannt - aus dem SPI.

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Im Gegensatz zum SPI ist der SMI ein Kurs­index. Der Indexstand wird also aufgrund der Aktienkurse ermittelt, Dividendenzahlungen sind nicht im Index enthalten. Die drei Schwergewichte des wichtigsten Index der Schweiz ­bilden die Pharmaunternehmen Novartis und Roche sowie der Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Mit einer Indexgewichtung von über 60 Prozent beeinflussen diese drei Flaggschiffe den SMI-Kurs massgeblich. Der SMI gilt als repräsentativ für den Schweizer Markt und wird als Basiswert für zahlreiche ­Finanzprodukte herangezogen. Der SPI und vor allem der SMI stehen bei Börsenbetrachtungen in der Schweiz klar im Vordergrund, es gibt jedoch noch zahlreiche weitere Indizes:

Swiss Leader Index (SLI)
Er enthält die 30 grössten Titel des Schweizer Aktienmarktes. Die vier grössten Titel haben je 9 Prozent Indexgewicht, die restlichen im SLI vertretenen Titel je 4,5 Prozent. Der SLI wurde 2007 wegen der ausgeglicheneren Gewichtung der Einzeltitel als Alternative zum SMI eingeführt.

Swiss Market Mid Caps Index (SMIM)
Der SMIM, oder SMI Mid, besteht aus den 30 grössten Mid-Cap-Titeln des Schweizer Aktienmarktes, die nicht schon im Blue-Chip-Index SMI vertreten sind. Er wurde 2004 aus der Taufe gehoben.

Special Industry Index (SXI)
Im SXI sind Branchen enthalten, die für die Schweizer Wirtschaft von besonderer Bedeutung sind. So gibt es den SXI Life Sciences, den SXI Real Estate und den SXI Bio+Medtech.

Swiss All Share Index
Dieser Index beinhaltet sämtliche Aktien der Schweiz, also auch Aktien von Firmen, deren Anteil frei handelbarer Aktien unter der Schwelle von 20 Prozent des Firmenkapitals liegt, was eine Aufnahme in den SPI verunmöglicht. Der Index wurde 1998 eingeführt.

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