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Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Abenteuerliche Kaufempfehlungen und Aktienkursexzesse: Das Geschehen heizt sich auf

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Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche: AMS Osram rehabilitiert sich, UBS lässt bei Huber+Suhner die Muskeln spielen, Lonza braucht Zeit - Und: Swiss Re und Alcon fallen an der Börse durch.

08.05.2026   12:00
Von cash Insider
Halbleiter von AMS Osram.

Halbleiter von AMS Osram. Die Aktie des Sensorenherstellers führen die Liste der Wochengewinner an.

Quelle: zVg

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

+++

Auch in den letzten Tagen stand das Geschehen bei uns am Schweizer Aktienmarkt wieder ganz im Zeichen der Quartalsberichterstattung. Insbesondere der gestrige Donnerstag verlangte uns Wirtschaftsjournalisten und Börsenkolumnisten alleine schon von seiner schieren Zahlenflut einiges ab. Denn neben Swiss Re und Swisscom aus dem Swiss Market Index (SMI) warteten mit Montana Aerospace, Valiant, AMS Osram und Avolta gleich mehrere Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe mit Zahlenkränzen auf. Und nicht eben wenige dieser Zahlenkränze waren gespickt mit Überraschungen unterschiedlichster Art – wobei man schon ganz genau hinschauen musste, weshalb denn jetzt die Börse so reagierte wie sie reagierte.

AMS Osram etwa erwischte die Leerverkäufer eiskalt auf dem falschen Fuss. Der Sensorenhersteller aus Unterpremstätten setzte im ersten Quartal 796 Millionen Euro um und erzielte dabei einen operativen Gewinn (EBITDA) in Höhe von 131 Millionen Euro. Analysten waren im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung von einem operativen Gewinn (EBITDA) in Höhe von 122 Millionen Euro bei einem Quartalsumsatz von 781 Millionen Euro ausgegangen.

Dass die operative Gewinnmarge gegenüber dem Weihnachtsquartal gehalten werden konnte, kam an der Börse ebenso gut an wie der Umstand, dass das Unternehmen die gemachten Versprechen – anders als auch schon – in vollem Umfang erfüllen konnte.

Es ist erfreulich zu sehen, dass AMS Osram an der Börse nicht länger als Sorgenkind betrachtet wird. Ob sich das hässliche Entlein irgendwann zu einem stolzen Schwan mausert, bleibt abzuwarten. Eines muss man Firmenchef Aldo Kamper lassen: Er scheint vieles richtig zu machen. Da überrascht es mich nicht, wenn sich die für gewöhnlich zähnefletschende Börsenspezies der Leerverkäufer mit Blick auf die Aussagen des Sensorenherstellers zum kommerziellen Potenzial in den Bereichen künstliche Intelligenz und künstliche Realität zusehends handzahm gibt – wie das Kursfeuerwerk von gestern Donnerstag unschwer erkennen lässt. Um die Mittagszeit herum lagen die Aktien nämlich mit mehr als 40 Prozent im Plus.

Zeitweise notierten die Aktien von AMS Osram diese Woche mehr als 40 Prozent im Plus (Quelle: www.cash.ch)

Auf der Liste der hiesigen Wochengewinner liefern sich AMS Osram sowie Huber+Suhner auf den letzten paar Meter ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gold-Medaille. Die Valoren des Herstellers elektronischer Komponenten aus Herisau erklommen bereits am frühen Mittwochmorgen bei 281 Franken ein neues Rekordhoch und liessen das vorherige von Mitte April bei 234 Franken weit hinter sich zurück.

Für viel Rückenwind sorgte die UBS und stellte damit einmal mehr ihre geradezu beeindruckende Marktmacht unter Beweis. In einer Unternehmensstudie verleiht Autor Tommaso Operto seiner Kaufempfehlung mit einer kräftigen Kurszielerhöhung Nachdruck. Neuerdings traut er den Aktien über die nächsten zwölf Monate einen Vorstoss auf 320 (zuvor 230) Franken zu. Dieser Kursprognose liegen um bis zu 34 Prozent höhere Gewinnschätzungen des Analysten zugrunde.

Operto sieht ab 2028 alleine das Geschäft mit optischen Schaltern jährlich bis zu 400 Millionen Franken zum Umsatz beitragen und lässt diese Annahme auch gleich in sein Bewertungsmodell miteinfliessen. Unter Berücksichtigung seiner bestmöglichen Annahmen hält er bis in zwölf Monaten sogar Kurse von bis zu 400 Franken für denkbar.

Dass die Aktien von Huber+Suhner alleine am Mittwoch um fast 18 Prozent höher aus dem Handel gingen, dürfte auch dem erfreulich starken Abschneiden des Gegenspielers Lumentum im zurückliegenden Quartal geschuldet sein. Die Amerikaner wähnen sich auf Kurs, den Umsatz mit optischen Schaltern im Jahresvergleich zu verzehnfachen. Ziemlich beeindruckend.

Wenn sich abenteuerliche Kaufempfehlungen – jene der UBS für Huber+Suhner war in den letzten Tagen beileibe nicht die Einzige – und Aktienkursexzesse häufen, ist das in Bezug auf die Stimmung an den Märkten nicht eben ein Zeichen der Stärke. Vielmehr zeigen mir solche Beobachtungen, dass das Geschehen ziemlich aufgeheizt ist.

In die andere Richtung ging es in den letzten Tagen für die Aktien von Swiss Re und Alcon. Zumindest auf den ersten Blick lässt der Zahlenkranz von Swiss Re für die ersten drei Monate keine Aktionärswünsche offen. Der Rückversicherer aus Zürich steigerte den Reingewinn im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 1,51 Milliarden Dollar und übertraf damit selbst die kühnsten Erwartungen. Durchschnittlich waren Analysten von einem Quartalsgewinn in Höhe von 1,19 Milliarden Dollar ausgegangen, wobei die Schätzungen zwischen 1,13 und 1,25 Milliarden Dollar angesiedelt waren.

Dass die Börse dennoch unterkühlt auf den Zahlenkranz reagierte und die Aktien mit Kursverlusten abwatschte, dürfte nicht zuletzt den eher etwas enttäuschenden Aussagen zur April-Erneuerungsrunde geschuldet sein. Ausserdem verzichtet das Unternehmen trotz sattem Gewinnplus in den ersten drei Monaten auf eine Erhöhung der Jahresvorgaben. Und selbst die Ergebnisqualität scheint nicht über jegliche Zweifel erhaben zu sein, wenn man den Finanzwertespezialisten von Keefe, Bruyette & Woods denn Glauben schenken will. Ihres Erachtens verfehlt der Quartalsgewinn die Erwartungen sogar, sofern man einmalige Faktoren herausrechnet. Sie stufen die Aktien von Swiss Re wie bis anhin mit «Underperform» und einem Kursziel von gerade einmal 120 Franken ein.

Nach mehreren schadenarmen Jahren in Folge überrascht es mich nicht, wenn die Prämienansätze im Rückversicherungsgeschäft ins Rutschen geraten und einige Erstversicherer damit begonnen haben, ihre Risiken nicht mehr vollumfänglich rückzuversichern. Gehören die goldenen Jahre bald der Vergangenheit an? Zumindest mit Blick auf die Aktienkursflaute könnte man durchaus diesen Eindruck erhalten.

Die diesjährige SMI-Rangliste hat seit dieser Woche ein neues Schlusslicht: Alcon. Mittlerweile türmen sich alleine seit Januar Kursverluste von mehr als 18 Prozent auf.

Ich weiss nicht, was genau da schieflief, als das Ophthalmologieunternehmen am späten Dienstagabend sein Quartalsergebnis vorlegte. Und noch viel weniger, was tags darauf die Teilnehmer der Telefonkonferenz in den falschen Hals bekommen haben. Aber die Quittung könnte happiger kaum sein. Alleine am Mittwoch ging es für die Aktien um mehr als elf Prozent nach unten.

Die Aktien von Alcon stürzten diese Woche regelrecht ab (Quelle: www.cash.ch)

Heute Freitag wird sogar das auf 50 (zuvor 55) Franken gesenkte Kursziel der Bank of America unterschritten. Der Londoner Analyst Julien Ouaddour hält fest, dass die Erwartungen im ersten Quartal verfehlt wurden. Insbesondere das geringe Umsatzwachstum nähre Sorgen in Bezug auf die künftige Wachstumsentwicklung, werde die Vergleichsbasis aus dem Vorjahr im weiteren Jahresverlauf doch nicht eben einfacher. Er bleibt mit seinen Schätzungen denn auch klar hinter den firmeneigenen Vorgaben zurück und fühlt sich in seiner «Underperform» lautenden Verkaufsempfehlung für die Aktien bestärkt.

Mir geht die Kurszäsur der letzten Tage eindeutig zu weit. Ich vermute, dass die Börse auch deshalb so unterkühlt reagiert hat, weil man von einer deutlicheren Erhöhung der firmeneigenen Zielvorgaben ausgegangen war. Am Beispiel von Alcon zeigt sich einmal mehr, wieviel Gewicht der Erwartungshaltung rund um die Ergebnisveröffentlichung herum beigemessen werden muss. Eigentlich müsste der Bank-of-America-Analyst nun seine Verkaufsempfehlung unter positiven Vorzeichen überdenken.

Die Aktionärinnen und Aktionäre von Lonza dürfen erleichtert aufatmen. Allen Unkenrufen zum Trotz birgt der Zwischenbericht des Pharmazulieferers für die ersten drei Monate keine grösseren Überraschungen. Auch bei den diesjährigen Finanzzielen der Basler bleibt alles beim Alten. Dennoch gerät der Aktienkurs ins Rutschen.

Aber vielleicht ist ja genau das das Problem: Positive Kursimpulse gehen vom Zwischenbericht eben auch nicht aus. Zudem zeugen die Aussagen des Unternehmens in Bezug auf die Produktionsauslagerung durch grössere Pharmahersteller von einer gewissen Zurückhaltung.

Die Lonza-Aktien im untersten Viertel der diesjährigen SMI-Rangliste anzutreffen, macht mich ehrlich gesagt ziemlich ratlos. Denn eigentlich müsste der Pharmazulieferer aus der Produktionsverlagerung nach Übersee Kapital schlagen können. Ausserdem verfügt das Unternehmen mit dem früheren Siegfried-Chef Wolfgang Wienand über einen profunden Branchenkenner an seiner Spitze. Geduld dürfte sich hier auszahlen.

Mit Blick auf die kommende Woche gilt mein persönliches Interesse den Zwischenberichten von Tecan und Zurich Insurance. Ausserdem zeigt sich, wie sich der Stellenvermittler Adecco im schwierigen Umfeld so geschlagen hat. Mit der Börsenwoche im Schnelldurchlauf vom nächsten Freitag verabschiede ich mich dann für zwei Wochen in die wohlverdienten Ferien.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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