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Den Aktionärinnen und Aktionären von AMS Osram bietet sich ein Trauerspiel sondergleichen: Seit gestern Dienstag werden erstmals Kurse von weniger als einem Franken bezahlt. Zeitweise kosten die Valoren des Sensorenherstellers keine 95 Rappen mehr.

Selbst denjenigen, welche sich im November im Zuge der letzten Kapitalerhöhung Aktien zu 1,07 Franken je Stück angelacht haben, dürften mittlerweile Tränen der Verzweiflung in die Augen schiessen. Die damals ach so gelobten Ertragsaussichten im Geschäft mit microLEDs sind spätestens nach dem überraschenden Rückzieher eines künftigen Grossabnehmers in Frage zu stellen.

Es macht ganz den Anschein, als hätten da einige grosse Aktionäre in den letzten Tagen bei ihren Aktienpositionen wohl die Reissleine gezogen. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass der Sensorenhersteller nicht mal mehr eine Milliarde Franken an Börsenwert auf die Waage bringt.

Einer dieser Aktionäre ist Credit Suisse Funds. Die Fondstochter der Grossbank hatte kurz nach der Kapitalerhöhung vom November bei Kursen um die 1,40 Franken Aktien zugekauft. In den letzten Tagen hat sie sich nun wieder von Aktien getrennt, wie aus einer Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange hervorgeht.

Der Kurszerfall bei den Aktien von AMS Osram nimmt immer extremere Züge an (Quelle: www.cash.ch)

Gehörig die Finger an AMS Osram verbrannt hat sich vermutlich auch Fidelity. Kürzlich berichtete ich von einem mutigen Paketausbau durch die Amerikaner. Da der Fondsriese hierzulande zuvor schon mit einem kurzen aber lukrativen Gastspiel bei Idorsia von sich Reden machte, sprangen damals sogar Trittbrettfahrer auf. Ich hielt damals wie folgt fest:

Der Schwelle von einer Milliarde Franken beziehungsweise Dollar wird bei der Börsenkapitalisierung deshalb eine grosse Bedeutung zuteil, weil viele Grossinvestoren von ihren Anlagevorschriften her nicht in kleinere Unternehmen investieren dürfen. Doch selbst im Wissen um diese mögliche Erklärung macht mich der Kursrutsch der letzten Tage einfach nur sprachlos...

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Für interessierte Privatanlegerinnen und Privatanleger endet in diesen Minuten die Zeichnungsfrist für die Aktien von Galderma. Institutionelle Anleger können heute Mittwoch hingegen noch bis um 15 Uhr unserer Zeit Zeichnungen aufgeben.

Den mir vorliegenden Informationen zufolge dürften die 40,5 Millionen Namenaktien am oberen Ende der Preisspanne von 49 bis 53 Franken platziert werden – ganz nach dem Gusto des Finanzinvestors Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und des Staatsfonds von Abu Dhabi. Gemeinsam hatten sie die einstige Nestlé-Tochter vor weniger als fünf Jahren für 10 Milliarden Franken erworben. Analysten gehen davon aus, dass Galderma nach dem Debüt am Freitag einen mehr als doppelt so hohen Börsenwert aufweisen wird. Ein ziemlich lukratives Geschäft für die beiden verkaufswilligen Finanzinvestoren also.

Selbst wenn sich das Zeichnungsfenster für Privatanleger bereits geschlossen hat, raten die Autoren des in hiesigen Börsenkreisen als "Düsseldorfer" bekannten Anlegerbriefs ihrer Leserschaft am kommenden Dienstag – dem ersten Handelstag - in die Börseneröffnung hinein zum Kauf von Galderma-Aktien.

Wie in der aktuellsten Ausgabe des Anlegerbriefs nachzulesen ist, lege das Konsortium um KKR angeblich grossen Wert auf eine angemessene Erstnotiz. In den Wochen nach dem Debüt soll der Kurs dann nach oben gepflegt werden, damit der Börsengang als Erfolg verkauft werden könne, so spekulieren die Autoren. Ihres Erachtens lässt sich dies durchaus spielen.

In einem ersten Schritt werden – den sogenannten "Green Shoe" mitberücksichtigt - keine 30 Prozent an Galderma im Publikum platziert. Es handelt sich hierbei um das übliche Vorgehen, wodurch sich das Angebot künstlich verknappt. Die beiden Finanzinvestoren haben sich dazu verpflichtet, in den nächsten sechs Monaten keine weiteren Teile ihres Aktienpakets zu veräussern.

Mir erscheint die Preisspanne für den Börsengang eher hoch angesetzt. Das heisst natürlich nicht, dass der Aktienkurs am Freitag und in den darauffolgenden Wochen nicht noch weiter steigen kann. An dieser Stelle möchte ich allerdings einmal mehr darauf hinweisen, dass Finanzinvestoren vom Schlag von KKR oder dem Staatsfonds von Abu Dhabi geradezu berüchtigt dafür sind, keine Geschenke zu machen. Ganz im Gegenteil...

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