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Kurz nachdem der Covid-Erreger seine unheilvolle Reise von der chinesischen Grossmetropole Wuhan in die Welt antrat, setzten hierzulande die Aktien von Relief Therapeutics zu einem spekulationsgetriebenen Höhenflug an. In der Hoffnung, dass der Wirkstoff Aviptadil bei der Behandlung schwer erkrankter Covid-Patienten zum Einsatz kommt und die Notfallzulassung erhält, brachte das zuvor unbedeutende Pharmaunternehmen im Hochsommer des Pandemiejahres 2020 in der Spitze einen Börsenwert von mehr als 1,6 Milliarden Franken auf die Waage.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, welch grosse Aufmerksamkeit Relief Therapeutics damals zuteilwurde. Auch in unserem Leserforum waren diese Aktien während langer Wochen das dominierende Thema. Lange ist es her.
Nach einem Zusammenschluss mit der amerikanischen NeuroX firmiert Relief Therapeutics mittlerweile unter MindMaze Therapeutics – wobei das Pharmaunternehmen an der Börse ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Schlimmer noch: Mit einem satten Minus von knapp 85 Prozent seit Januar wird MindMaze Therapeutics die undankbare Rolle des diesjährigen Börsenschlusslichts zuteil. Mit einem Kurs von weniger als 30 Rappen gilt die Aktie zudem als spekulativer «Penny Stock».
Kursseitige Talfahrt der Aktien von Relief-Nachfolgerin MindMaze Therapeutics seit Januar (Quelle: www.cash.ch)
Soweit mir bekannt ist, decken dennoch nur zwei Analysten sie ab. Einer davon ist jener von AlphaValue. In seinem neusten Kommentar dreht sich vieles um das letztjährige Ergebnis. Mit einem Jahresumsatz von 642 Millionen Franken und einem Verlust von knapp 10 Millionen Franken blieb dieses hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Dennoch rät er Anlegerinnen und Anlegern, sich auf die Zukunft des Unternehmens – sprich auf die Finanzierung sowie auf das operative Geschäft - zu konzentrieren.
Im Kommentar preist der Analyst die Aktien von MindMaze Therapeutics mit «Buy» und einem Sechs-Monats-Kursziel von 1,78 Franken zum Kauf an, wobei seine Kursprognose aus heutiger Sicht beinahe einer Verfünffachung entspräche. Allerdings muss er das letztjährige Ergebnis erst noch in sein Bewertungsmodell miteinbauen. Ich wäre nicht überrascht, wenn dieser Schritt mit einem tieferen Kursziel einherginge.
Meines Erachtens ist die Kursschwäche der letzten Wochen und Monaten der Ungewissheit im Zusammenhang mit künftigen Finanzierungsrunden geschuldet. Selbst der AlphaValue-Analyst räumt ein, dass die bestehenden Aktionärinnen und Aktionäre Gefahr laufen, in bedeutendem Umfang verwässert zu werden.
Und auch mit Blick auf den geringen Börsenwert und den engen Markt - zuletzt wechselten täglich bloss etwas mehr als 700'000 Aktien die Hand – bleibt dieser «Penny Stock» höchst spekulativ.
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Bei den Aktien der Partners Group setzt sich die Talfahrt der letzten Tage ungebremst fort. Hohe Wellen wirft eine Unternehmensstudie des gefürchteten amerikanischen Leerverkäufers Grizzly Research. Darin werfen die Autoren dem Risikokapitalspezialisten aus Baar nichts Geringeres vor, als dass sie die Bewertungen der Firmenbeteiligungen in ihrem Flaggschifffonds «Master Fund» und anderen Anlagegefässen zu hoch ausweisen würden.
Die Autoren stützten sich bei diesem Vorwurf auf nicht namentlich genannte Branchenkenner, frühere Mitarbeiter sowie auf Universitätsexperten ab. Einer dieser Experten habe sich sogar zur Aussage hinreissen lassen, dass die Situation «schlimmer als bei Wirecard sei». Auch das geht aus der Unternehmensstudie hervor.
Die Aktien der Partners Group geraten am Mittwoch unter die Räder (Quelle: www.cash.ch)
Der Zeitpunkt dieser Kampagne gegen die Partners Group scheint mir geschickt gewählt, da sowohl die britische als auch die amerikanische Finanzpresse die gesamte Risikokapitalindustrie doch schon seit Wochen in ein schlechtes Licht stellt. Im Mittelpunkt der negativen Berichterstattung stehen einerseits die Probleme einiger kleinerer Anbieter im Private-Credit-Bereich und andererseits der Kurszerfall bei Softwareunternehmen.
Dass bei der Partners Group nun auch noch firmenspezifische Anschuldigungen hinzukommen, gibt dem Ganzen eine völlig neue Dimension. Dass Grizzly Research die Öffentlichkeit sucht, überrascht mich nicht. Hinter dem Leerverkäufer steckt übrigens Siegfried Eggert, ein gebürtiger Deutscher und früherer Investmentbanker.
Ich bin nun gespannt, ob und wie die Partners Group auf die Vorwürfe reagieren wird. Eine Stellungnahme dürfte wohl nicht lange auf sich warten lassen. Denn gerade in der Vermögensverwaltung ist der gute Ruf von zentraler Bedeutung.
Zumindest am Hauptsitz des Risikokapitalspezialisten in Baar scheint man noch immer fest an die eigene Aktie zu glauben. Der SIX Swiss Exchange werden schon seit Wochen immer wieder millionenschwere Titelkäufe aus der Chefetage gemeldet – die letzte solche Transaktion übrigens erst gestern Dienstag. Ausserdem hat die Aktionärsgruppe um den Firmenmitgründer Fredi Ganter ihre Stimmkraft leicht ausgebaut.
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