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Beim aufstrebenden Pharmaunternehmen Cosmo zeichnet sich eine Erfolgsgeschichte ab, welche ihresgleichen sucht. Denn der Wirkstoff Clascoterone – ursprünglich zur Behandlung von Akne entwickelt – könnte künftig auch bei hormonell bedingtem Haarausfall verschrieben werden. Entsprechende Studien auf diesem Gebiet laufen zwar noch, liefern aber erste vielversprechende Ergebnisse.
Die amerikanische Investmentbank Jefferies geht bei Clascoterone von einem kommerziellen Potenzial von bis zu vier Milliarden Dollar jährlich aus - bei einem Börsenwert von zuletzt 1,5 Milliarden Franken mehr als bloss ein Apropos. Gespräche des Unternehmens mit möglichen Vertriebspartnern laufen bereits.
Gegenüber Analysten und Investoren versprühen Firmenchef Giovanni Di Napoli und seine Finanzchefin Svetlana Sigalova denn auch Zuversicht. Kürzlich berichtete ich von einer ermutigenden Rückmeldung von Kepler Cheuvreux nach einer Road-Show mit Sigalova in der französischen Grossmetropole Paris. Ende letzter Woche richtete sich der Broker dann auch noch nach einem sogenannten «Fireside-Chat» mit Di Napoli mit einem wohlwollenden Kommentar und einer Bestätigung der Kaufempfehlung und des 130 Franken lautenden Kursziels an die Anlagekundschaft.
Der Kurs der Cosmo-Aktien ist in den letzten Monaten kräftig gestiegen (Quelle: www.cash.ch)
Zeitgleich entledigte sich Firmengründer und Verwaltungsrat Mauro Ajani über sein Investment-Vehikel in drei Schritten von Aktien im Gesamtbetrag von knapp fünf Millionen Franken. Das zumindest geht aus Offenlegungsmeldungen an die SIX Swiss Exchange hervor.
Es sind dies die ersten grösseren Titelverkäufe seit Mitte Dezember. Damals trennte sich ein Verwaltungsrat über eine ihm nahestehende Gesellschaft von Aktien im Gegenwert von 4,5 Millionen Franken. Selbst wenn der Verkäufer in den Offenlegungsmeldungen vom Dezember – anders als in denen von vergangener Woche – nicht namentlich erwähnt wird, tragen auch diese Transaktionen die Handschrift Ajanis.
Dass sich der Firmengründer mit Blick auf die höchst erfreuliche Kursbilanz von kleinen Teilen seines Aktienpakets trennt, sei ihm verziehen. Denn schliesslich hält er auch weiterhin grössere Bestände. Dass die Verkäufe jüngst mit einer Charme-Offensive des Firmenchefs und seiner Finanzchefin bei Investoren einhergehen, gibt dem Ganzen aber ein Geschmäckle...
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Kürzlich setzte die UBS bei ihren Markterwartungen für GLP-1-Präparate den dicken Korrekturstift an. Ursprünglich für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes entwickelt, haben Medikamente dieser Wirkstoffklasse einen willkommenen Nebeneffekt: Sie zügeln den Appetit.
Eigentlich in die Jahre gekommen, erleben GLP-1-Präparate gerade so etwas wie ihren zweiten Frühling. Will man den Prognosen der grössten Schweizer Bank Glauben schenken, dann dürfte der weltweite Umsatz mit Medikamenten dieser Wirkstoffklasse von 67 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr bis in fünf Jahren auf 125 Milliarden Dollar heranwachsen. Das sind zwar weniger als die zuvor erwarteten 150 Milliarden Dollar – entspräche aus heutiger Sicht aber noch immer fast einer Verdoppelung.
Da überrascht es mich nicht, wenn man auch am Hauptsitz von Roche in Basel ein Stück dieses Kuchens abhaben will. Vor etwas mehr als zwei Jahren liess sich Firmenchef Thomas Schinecker den Wiedereinstieg ins Geschäft mit Abnehmspritzen knapp drei Milliarden Dollar kosten, als er die amerikanische Carmot Therapeutics übernahm. Zahlungen von weiteren bis zu 5,3 Milliarden Dollar sieht die strategische Zusammenarbeit mit der dänischen Zealand Pharma auf eben diesem Gebiet vor.
Die Valoren von Roche sind zuletzt wieder etwas im Kurs zurückgefallen (Quelle: www.cash.ch)
Eine grosse Zukunft prophezeit Schinecker insbesondere der von Carmot Therapies entwickelten Abnehmpille CT-996, dürften oral verabreichbare Wirkstoffe den Abnehmspritzen eines Tages doch den Rang ablaufen. Während man in den Laboren von Roche noch daran herumtüftelt, feiert die dänische Novo Nordisk auf diesem Gebiet bereits seit langen Wochen kommerzielle Erfolge.
Und auch Eli Lilly steht mit der Pille Foundayo in den Startlöchern. Der darin enthaltene Wirkstoff Orforglipron stammt übrigens nicht aus den Laboren der Amerikaner, sondern aus jenen der japanischen Roche-Tochter Chugai. Wenigstens auf Lizenzzahlungen dürfen die Basler nun hoffen – wobei die Analystenschätzungen hierfür weit auseinander gehen. Während Pharmaanalyst Richard Vosser von J.P. Morgan bis zu 2,5 Milliarden Franken für Foundayo in sein Bewertungsmodell mit einfliessen lässt, ist sein Berufskollege Stefan Schneider von der Bank Vontobel mit seinen 1,5 Milliarden Franken um einiges zurückhaltender. Ihm erscheint die Wegovy-Pille von Novo Nordisk denn auch überlegen.
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, dominieren mit Novo Nordisk und Eli Lilly gleich zwei Giganten den Markt für GLP-1-Präparate. Sie beide verfügen - zumindest gefühlt - über nahezu unbeschränkte finanzielle Mittel, um sich auf diesem Gebiet auf Dauer behaupten zu können. Aufstrebende kleinere Anbieter drängen zwar mit innovativen neuen Wirkstoffen auf den Markt, dürften allerdings entweder übernommen oder an die Wand gedrückt werden.
Mir erschliesst sich nicht, wie sich der Wiedereinstieg Roches ins Geschäft mit Schlankheitsmitteln für zig Milliarden Franken aus Aktionärssicht irgendwann auszahlen soll. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Basler auf diesem hart umkämpften Therapiegebiet immer weiter von der Konkurrenz abgehängt werden.
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