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Auch bei uns in der Schweiz hat die Eskalation im Nahen Osten die Kurse in den vergangenen Wochen kräftig durchgeschüttelt. Nicht eben wenige Aktien gingen sogar mit prozentual zweistelligen Verlusten aus dem Monat März hervor. Eine dieser Aktien ist ausgerechnet jene des Rüstungszulieferers Cicor Technologies.
Angesichts der vielen geopolitischen Krisenherde müsste das Tagesgeschäft beim Hersteller von Elektronikkomponenten eigentlich ja brummen. Allerdings neigt die Aktie auch in diesen Tagen wieder zur Schwäche. Ein Grund hierfür könnte ein Ausblick der UBS auf die anstehende Quartalsergebnisveröffentlichung sein. Darin warnt der für die Grossbank tätige Analyst Marti Queral Ferre sogar vor einer leicht rückläufigen organischen Umsatzentwicklung. Er stützt sich bei dieser Prognose auf Aussagen des Unternehmens selbst ab, wonach der Start ins neue Geschäftsjahr eher verhalten ausfällt. Dennoch hält der UBS-Analyst eisern an seiner Kaufempfehlung fest, wobei das Zwölf-Monats-Kursziel mit 172 Franken weit über den zuletzt bezahlten 118 Franken liegt. Seines Erachtens bleiben die längerfristigen Aussichten für das Unternehmen gut.
Bei Kepler Cheuvreux sieht man sich ebenfalls zu einem verteidigenden Kommentar veranlasst. Nach einer Road-Show mit Alexander Hagemann bestätigt auch Chefanalyst Torsten Sauter seine Kaufempfehlung für die Valoren von Cicor Technologies. Er veranschlagt sogar ein Kursziel von 175 Franken. Eigenen Angaben zufolge sei der Hersteller von Elektronikkomponenten nur indirekt von der Lage im Nahen Osten betroffen. Es gebe bisher keine Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Produktkomponenten und somit auch keine direkten negativen Folgen fürs Tagesgeschäft, berichtet Sauter. Er selber geht davon aus, dass das Unternehmen im Jahresverlauf auf den Wachstumspfad zurückfindet - wenn auch im Rüstungszuliefergeschäft vermutlich eher später im Jahr.
Aufstieg und Fall der Aktien von Cicor Technologies über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)
Doch nicht nur beim letztjährigen Börsenüberflieger Cicor Technologies, auch bei weiteren Aktien aus der Schweiz sahen sich die Analysten des Brokers in den vergangenen Wochen zu verteidigenden Kommentaren veranlasst. Ich denke da etwa an jene von Cosmo Pharmaceuticals. Diese werden wie bis anhin mit «Buy» und einem Kursziel von 130 Franken eingestuft. Dies, obwohl die Valoren zeitweise für weniger als 80 Franken zu haben waren.
Diesem Kommentar ging – wie schon bei Cicor Technologies – eine Road-Show voraus. Pharmaanalyst Nicolas Pauillac traf mit einigen seiner Anlagekunden in Paris auf Finanzchefin Svetlana Sigalova. Im Zentrum stand dabei der Wirkstoff Clascoterone. Ursprünglich eigentlich zur Akne-Behandlung entwickelt, soll dieser künftig auch bei hormonell bedingtem Haarausfall zur Anwendung kommen.
Das Pharmaunternehmen selbst schätzt das Marktpotenzial alleine in den USA auf mehr als 20 Milliarden Dollar und führt mittlerweile Gespräche mit möglichen Vertriebspartnern. Allerdings geht der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst davon aus, dass eine Vereinbarung womöglich erst Ende dieses Jahres - wenn nicht sogar erst Anfang nächsten Jahres – spruchreif ist. Er hält die Investmentthese bei Cosmo Pharmaceuticals dennoch für intakt und rät auf dem momentanen Kursniveau ganz klar zum Zukauf von Aktien.
Auch zu den beiden Börsenüberfliegern Implenia und Inficon gingen jüngst verteidigende Kommentare aus dem Hause Kepler Cheuvreux ein. Im Kommentar zum Tiefbauunternehmen Implenia bekräftigt Chefanalyst Torsten Sauter sowohl seine Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 90 Franken, obwohl er seine Gewinnschätzungen um bis zu acht Prozent nach unten nimmt. Sauter stützt sich in seiner Zuversicht auf den hohen Anteil an öffentlichen Aufträgen und die randvollen Auftragsbücher ab und sieht im diesjährigen Investorentag von Anfang Juni einen möglichen Kurstreiber.
Auch die Aktien von Überflieger Implenia sind zuletzt unter ihre Höchstkurse zurückgefallen (Quelle: www.cash.ch)
Sein Berufskollege Craig Abbott setzt hingegen bei seinen Gewinnschätzungen für Inficon den Korrekturstift an und kürzt diese um bis zu sieben Prozent. Von den überarbeiteten Annahmen lässt sich immerhin noch ein Kursziel von 117 (zuvor 122) Franken ableiten. Am «Buy» lautenden Anlageurteil für die Valoren des Halbleiterausrüsters hält der Analyst indes fest.
Neben den Aktien von Dätwyler («Buy» mit einem Kursziel von 195 Franken, aktuell 148 Franken) findet man beim Broker sogar für jene von Nestlé wohlwollende Worte. Der zuständige Kepler-Analyst Jon Cox glaubt, dass dem Nahrungsmittelmulti aus Vevey in den vergangenen Monaten weitere operative Fortschritte gelungen sind, sofern man denn die Probleme mit kontaminierter Säuglingsnahrung ausklammert.
Das Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten vom heutigen Mittwoch scheint allen diesen Analysten Recht geben zu wollen – wobei das letzte Wort in Bezug auf den Ausgang des Nahost-Konflikts höchstwahrscheinlich noch nicht gesprochen ist.
| Pläne von Börsenüberflieger Cicor kommen an - der cash Insider warnt aber |
An dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz auf die Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux für die Aktien des letztjährigen Börsenüberfliegers Cicor Technologies zu sprechen kommen. Diese geht nämlich auf Mitte März 2024 zurück, als die Valoren gerade einmal etwas mehr als 50 Franken kosteten und noch so etwas wie ein Mauerblümchen-Dasein fristeten. Wer damals der Heraufstufung von «Hold» auf «Buy» folgte und an seiner Position festhielt, konnte den Einsatz nahezu verdreifachen. Man pries die Aktien des Rüstungszulieferers jedoch selbst im vergangenen Herbst noch zum Kauf an, als Kurse von 200 Franken und mehr bezahlt wurden.
Einmal mehr gilt deshalb: Wenn sich ein Analyst irrt, dann überarbeitet er seine Schätzungen, das Kursziel und falls notwendig sein Anlageurteil. Irrt sich ein Anleger, kostet ihn das viel Geld.
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