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Die mediale Bühne gehörte diese Woche – mit Blick auf die künftigen Eigenmittelanforderungen - ganz der UBS. Allerdings liess sich der Bundesrat am Mittwoch viel Zeit und behandelte dieses Traktandum erst um 16 Uhr. Es scheint, als wollte das Siebner-Gremium einmal mehr dem Klischee gerecht werden, dass die Uhren in Bundesbern langsamer ticken als in anderen Landesteilen.
In den letzten Tagen wurde in den hiesigen Medien viel zum Thema geschrieben. Und so lässt sich mit Blick auf die überarbeitete Vorlage festhalten, dass grössere Überraschungen dann doch ausgeblieben sind. Gerade bei der vollständigen Unterlegung der ausländischen Tochtergesellschaften mit Eigenkapital bleibt alles beim Alten. Beim Einsatz von Pflichtwandelanleihen und der Anerkennung latenter Steuergutschriften kommt der Bundesrat der Grossbank erwartungsgemäss entgegen.
Interessant erscheint mir, dass bereits am Mittwochmorgen erste Indiskretionen in die hiesigen Medien durchsickerten. Das wiederum lässt die schiere Intensität erahnen, mit welcher die politischen Grabenkämpfe hinter den Kulissen geführt wurden.
Dass die UBS die Vorlage entscheiden ablehnt, liegt im Sinn der Sache. Darauf abgestützt, errechnet die Grossbank einen zusätzlichen Eigenmittelbedarf von rund 22 Milliarden Dollar. Konkret äussern will sie sich spätestens am nächsten Mittwoch, wenn sie mit dem Zahlenkranz für das erste Quartal aufwartet. Ich erhoffe mir wertvolle Anhaltspunkte.
Seit Mittwoch haben die Aktien der UBS wieder einen schweren Stand (Quelle: www.cash.ch)
Analysten gehen übrigens von einem Vorsteuergewinn von gut 3 Milliarden Dollar aus, was einem Plus von knapp 40 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode entspräche. Wie schon so oft dürfte nicht zuletzt die Ergebnisqualität darüber entscheiden, ob die Aktien der UBS nun mit Kursgewinnen belohnt oder mit Kursverlusten abgestraft werden. Wichtig ist, wie die Grossbank in ihrer Paradedisziplin – dem Wealth Management – abschneidet.
Was die künftigen Eigenmittelanforderungen anbetrifft, wird uns dieses Thema wohl noch eine ganze Weile begleiten. Gut möglich, dass die jetzige Vorlage im Zuge des parlamentarischen Prozesses weiter entschärft wird. Bis dahin gilt: Nichts scheut die Börse so sehr, wie die Ungewissheit – was die verhaltene Aktienkursbilanz seit Mittwoch erklären würde.
Und wenn wir schon bei der UBS sind, dann ist die Swiss Marketplace Group nicht weit. Denn schliesslich zählt die grösste Schweizer Bank gemeinsam mit J.P. Morgan und Goldman Sachs zu den Hauptverantwortlichen des Börsengangs vom vergangenen September.
Vor wenigen Tagen wurden die Aktien des Betreibers von Online-Marktplätzen erstmals seit ihrem Debüt ex Dividende gehandelt. Wie nun auskommt, hat Pictet Asset Management ihre Beteiligung kurz zuvor auf weniger als drei Prozent ausgedünnt. Das geht zumindest aus einer Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange hervor.
Da es sich bei den Genfern sozusagen um einen «Grossaktionär der ersten Stunde» handelt, birgt die Beteiligungsreduktion durchaus eine gewisse Sprengkraft. Sowieso ist der Börsengang der Swiss Marketplace Group den Erwartungen vieles schuldig geblieben. Und das nicht nur mit Blick auf die enttäuschende Kursbilanz. Im September zu 46 Franken je Stück ausgegeben, kosten die Aktien mittlerweile keine 30 Franken mehr.
Rückblickend wird mir vermutlich niemand widersprechen wollen, wenn ich behaupte, dass das Unternehmen, seine Ankeraktionäre und die mit dem Börsengang betrauten Banken schlichtweg zu viel wollten. Freuen darf sich die Mobiliar. Sie brachte im September ihr gesamtes Paket bei neuen Investoren unter.
Kommen wir an dieser Stelle auf Nestlé zu sprechen. Gestern Donnerstag hatten die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionäre gleich doppelt Grund zum Feiern. Zum einen blickt der Nahrungsmittelmulti aus Vevey – allen Unkenrufen zum Trotz – auf ein erfreuliches erstes Quartal zurück. Obwohl die Verkaufspreise, wie von Analysten erhofft, im Jahresvergleich um durchschnittlich 2,3 Prozent erhöht werden konnten, liess sich ein Volumenwachstum von 1,2 Prozent erzielen. Folglich übertraf das organische Umsatzwachstum mit 3,5 Prozent selbst die kühnsten Erwartungen. Vor dem Hintergrund, dass der Rückruf von Säuglingsnahrung im vergangenen Quartal satte 90 Basispunkte an Wachstum kostete, ist die beobachtete Beschleunigung gegenüber dem Schlussquartal letzten Jahres noch viel beeindruckender. Man könnte schon beinahe den Eindruck bekommen, das Prinzip der Preiselastizität scheine am Ufer des Genfersees nicht länger zu gelten.
Und zum anderen wartete zeitnah auch L'Oréal mit überzeugenden Quartalsumsatzzahlen auf. Der französische Kosmetikriese setzte in den Monaten Januar bis März 12,1 Milliarden Euro um. Das liegt weit über den von Analysten durchschnittlich geschätzten 11,7 Milliarden Euro. Bemerkenswert ist vor allem aber das organische Wachstum von 6,7 Prozent. Analysten waren gerade einmal von einem Wachstum in Höhe von 3,6 Prozent ausgegangen.
Während die Aktien von L'Oréal gestern Donnerstag um neun Prozent höher aus dem Handel gingen, konnten jene von Nestlé immerhin um knapp sechs Prozent zulegen. Zur Erinnerung: Die Westschweizer halten noch immer ein 20-Prozent-Paket am Kosmetikhersteller und profitieren damit indirekt von höheren Kursen bei diesem.
Dauert die Aktienkursstärke bei Nestlé diesmal an? (Quelle: www.cash.ch)
Seit Firmenchef Philipp Navratil beim Nahrungsmittelmulti aus Vevey am Ruder ist, geht ein frischer Wind durchs Unternehmen. Die Folgen des Rückrufs von Säuglingsnahrung ausgeklammert, handelt es sich beim zurückliegenden ersten Quartal bereits um das dritte Quartal in Folge mit einem organischen Umsatzwachstum von vier Prozent und mehr.
Analyst Fulvio Cazzol von der Berenberg Bank veranschlagt neuerdings ein Kursziel von 100 (zuvor 99) Franken für die Nestlé-Aktien. Es ist das erste dreistellige Kursziel für die Valoren seit einer gefühlten Ewigkeit. Cazzol glaubt, dass die Talsohle beim Mengenwachstum durchschritten werden konnte. Er rechnet im Jahresverlauf mit einer weiteren Belebung.
Mit Blick auf das zahlenbedingte Kursfeuerwerk bleibt mir bloss zu hoffen, dass die Gewinne nicht wie kurz nach den beiden letzten Quartalsergebnisveröffentlichungen wieder verloren gehen. Für die Aktionärinnen und Aktionäre wäre das ein bitteres «Déjà-vu».
Das Börsenjahr 2026 ist zwar noch jung. Allerdings muss schon einiges passieren, damit ABB die Goldmedaille bei den Grossunternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) wieder hergibt. Mit einem Kursplus von 32 Prozent seit Januar führt das schweizerisch-schwedische Industrie-Urgestein die diesjährige Gewinnerliste mit komfortablem Abstand zur zweitplatzierten Swisscom (+15 Prozent) an.
Erst am Mittwoch legte der diesjährige SMI-Spitzenreiter einen geradezu beeindruckenden Zahlenkranz fürs erste Quartal vor. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 8,73 Milliarden Dollar und der operative Gewinn (EBITA) gar um knapp 24 Prozent auf 2,05 Milliarden Dollar. Analysten waren im Vorfeld von einem operativen Gewinn von 1,96 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 8,43 Milliarden Dollar ausgegangen.
Der eigentliche Lichtblick aber war der um 32 Prozent höhere Auftragseingang. Mit 11,3 Milliarden Dollar übertraf letzterer selbst die kühnsten Erwartungen klar. Einziger kleiner Schönheitsfehler: Die Gewinnentwicklung wurde im vergangenen Quartal durch einen Veräusserungsgewinn auf einer Liegenschaft in mir nicht bekannter Höhe aufgebläht.
Dennoch ziehe ich meinen Hut vor ABB-Chef Morten Wierod. Seit er im August 2024 den Chefsessel übernommen hat, brummt das Geschäft. Und auch die Kursbilanz kann sich sehen lassen, was Kritiker und Zweifler gleichermassen straft.
Nur wenige Stunden nach der Ergebnisveröffentlichung kassierte der für CIC Market Solutions tätige Analyst Eric Lemarié seine Verkaufsempfehlung. Er stufte die Valoren mit einem Kursziel von 66 (zuvor 57) Franken von «Sell» auf «Neutral» herauf.
In einer mir zugespielten Branchenstudie wirft nun auch sein Berufskollege Gael de-Bray von der Deutschen Bank das Handtuch. Er geht von «Sell» auf «Hold». Das Kursziel gibt der Analyst neuerdings mit 68 (zuvor 58) Franken an.
Der Analyst räumt ein, dass sich die Wachstumsdynamik des Unternehmens nun vollständig an die seiner Wettbewerber in der Elektroindustrie angeglichen habe. Darüber hinaus biete die starke Bilanz erheblichen Raum für Übernahmen sowie für Aktienrückkäufe. Er hält sogar die überarbeiteten Jahresvorgaben für konservativ, insbesondere da der Auftragsbestand von ABB bereits das untere Ende der angestrebten Wachstumsspanne vollständig abdeckt und zusätzliches Potenzial aus dem voraussichtlichen Wachstum des Auftrags- und Rechnungsgeschäfts resultiert.
Bleibt also noch der für AlphaValue tätige Analyst. Er stuft die Valoren mit «Sell» und einem Kursziel von gerade einmal 53,90 Franken ein. Mal schauen, wie lange es dauert, bis auch dieser Analyst einknickt.
Und was macht ABB? Das schweizerisch-schwedische Industrie-Urgestein kauft selbst jetzt – quasi zu Höchstkursen – zwischen 20'000 und 60'000 eigene Aktien täglich über die zweite Handelslinie zurück.
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