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Auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt blicken wir auf eine bewegte Handelswoche zurück. Gerade am Donnerstag ging es hierzulande hoch zu und her. Aus dem Swiss Market Index (SMI) warteten an diesem Morgen ABB, Roche und Givaudan mit viel Zahlenmaterial auf. Und bei den Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe hielten uns Wirtschaftsjournalisten und Börsenkolumnisten Firmen wie Bucher, Emmi, Landis+Gyr oder Interroll auf Trab.
Doch auch die Aktienanalysten waren nicht untätig. Hohe Wellen warf in hiesigen Börsenkreisen insbesondere eine 18 Seiten starke Unternehmensstudie in Sachen UBS aus der Feder des für Jefferies tätigen Joseph Dickerson. Darin erhöhte der Londoner Bankenanalyst sein Kursziel mal eben schnell auf 55 (zuvor 37) Franken. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass er die Valoren der grössten Schweizer Bank selbst nach dem guten Lauf der letzten Wochen zum Kauf anpreist.
Wie Dickerson schreibt, kippt die politische Diskussion rund um strengere Eigenmittelvorschriften zusehends in Richtung der UBS. In Erwartung, dass die Grossbank ihre Auslandstöchter künftig mit bis zur Hälfte mit AT1-Pflichtwandelanleihen unterlegen kann, geht er bereits ab dem laufenden Jahr von jährlichen Aktienrückkäufen im Umfang von sechs Milliarden Dollar aus – Tendenz steigend. Doch auch aufgrund ihrer starken Marktstellung in Asien wähnt der Jefferies-Analyst die Aktien für 2026 in der Favoritenrolle. Im Rahmen seines «Upside-Szenarios» hält er sogar Kurse von bis zu 60 Franken für möglich.
So hoch die Wellen in hiesigen Börsenkreisen auch schlugen – so bescheiden fiel die Kursreaktion aus. Um gerade einmal ein halbes Prozent nach oben ging es für die UBS-Aktien an diesem Tag. Im Wissen um die Marktmacht der amerikanischen Investmentbank ist diese Kursreaktion ganz schön mager.
Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, wäre es für die UBS eigentlich ein Leichtes, das leidige Thema «strengere Eigenmittelvorschriften» mit den im Raum stehenden Forderungen im Zusammenhang mit AT1-Pflichtwandelanleihen der Credit Suisse zu verknüpfen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass gerade das Finanzdepartement angesichts des drohenden Fiaskos nach dem Negativentscheid des Verwaltungsgerichts in dieser Causa durchaus gesprächsbereit wäre.
Die Kurszielerhöhung durch Jefferies verlieh den UBS-Aktien nicht den erhofften Rückenwind (Quelle: www.cash.ch)
In der ganzen Diskussion um die AT1-Anleihen der Credit Suisse darf übrigens nicht vergessen gehen, dass diese unmittelbar vor der Finma-Verfügung vom März 2023 für nicht mal mehr 30 Cents je Dollar an Nominalwert gehandelt wurden. Dadurch liegt der tatsächliche finanzielle Schaden, welche die Gläubiger gegenüber der Eidgenossenschaft oder wem auch immer geltend machen können, weit unter den in hiesigen Medien herumgereichten 17 Milliarden Dollar.
Ein Kompromiss könnte etwa so aussehen: Die Politik in Bern kommt der UBS beim strengeren Eigenmittelregime entgegen, die Grossbank nimmt im Gegenzug einen Teil der AT1-Pflichtwandelanleihen der Credit Suisse wieder in die Bücher – wobei dieser Teil den zusätzlich benötigten Eigenmitteln zur Unterlegung der Auslandtöchter angerechnet wird.
Nicht weniger spektakulär als die Kurszielerhöhung für die Aktien der UBS mutete die Kaufempfehlung für jene von ABB durch Kepler Cheuvreux an. In einer Branchenstudie stufte der Autor William Mackie die Papiere des schweizerisch-schwedischen Industrie-Urgesteins von «Hold» auf «Buy» herauf. Und um seiner neu gewonnenen Zuversicht den nötigen Nachdruck zu verleihen, erhöhte er sein Kursziel auf 70 (zuvor 55) Franken.
Wer nun denkt, dass dem deutlich höheren Kursziel auch deutlich höhere Gewinnerwartungen zugrundeliegen, der irrt. Die überarbeiteten Annahmen des Analysten liegen gerade einmal fünf Prozent über den vorherigen. Vielmehr ist die grosszügige Kurszielerhöhung das Ergebnis einer Umstellung des Bewertungsmodells auf Discounted-Cashflow.
Die Aktien von ABB nach ihrem beeindruckenden Lauf der letzten Jahre in unmittelbarer Nähe zum Rekordhoch zum Kauf anzupreisen, dürfte dem Analysten viel Mut abverlangt haben. Mut, welcher nach dem zahlenbedingten Kurssprung von gestern Donnerstag bereits belohnt wurde.
Mit einem Umsatz von gut 9 Milliarden Dollar und einem operativen Gewinn (EBITA) von 1,59 Milliarden Dollar übertraf das Industrie-Urgestein die Erwartungen im Schlussquartal zwar nur leicht. Analysten waren von einem operativen Gewinn von 1,56 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 8,66 Milliarden Dollar ausgegangen.
Geradezu beeindruckend war der Auftragseingang. Mit 10,3 Milliarden Dollar gingen zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember an ihrem Volumen gemessen 36 Prozent mehr Bestellungen ein als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das wiederum liegt weit über den von Analysten durchschnittlich erwarteten 8,5 Milliarden Dollar. Punkten konnte ABB ausserdem mit einem neuen Aktienrückkaufprogramm in Höhe von zwei Milliarden Dollar.
Ich bin jetzt schon neugierig, wie der für die Deutsche Bank tätige Analyst Gael de-Bray auf die randvollen Auftragsbücher reagieren wird. Zwei Wochen ist es nun her, dass ich folgendes zu berichten wusste:
...und weiter...
Wir dürfen gespannt sein...
Die Aktien von ABB vollzogen diese Woche einen Kurssprung auf ein neues Rekordhoch (Quelle: www.cash.ch)
Auch Lonza wartete diese Woche mit einem erfreulichen Jahresergebnis und vielversprechenden Finanzzielen fürs laufende Jahr auf. Das Kapselgeschäft ausgeklammert, stieg der Umsatz auf 6,53 Milliarden Franken und der operative Kerngewinn (EBITDA) auf 2,06 Milliarden Franken. In Analystenkreisen war man im Vorfeld von einem operativen Kerngewinn in Höhe von knapp 2 Milliarden Franken bei einem Jahresumsatz von 6,49 Milliarden Franken ausgegangen.
Für 2026 stellt das Vorzeigeunternehmen aus Basel ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen von 11 bis 12 Prozent bei einer operativen Kerngewinnmarge (EBITDA) von über 32 Prozent in Aussicht. Der starke Franken dürfte sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Kerngewinn Spuren im Umfang von je rund zwei Prozent hinterlassen.
Nichtsdestotrotz gerieten die Aktien des Pharmazulieferers am Mittwoch unter Verkaufsdruck, nachdem sie im frühen Handel zeitweise noch mit fünf Prozent im Plus gelegen hatten. Meines Erachtens gibt es gleich mehrere mögliche Erklärungen für diese Kursschwäche.
Für die wohl offensichtlichste Erklärung sorgt die amerikanische Regierung mit ihren gleichentags kommunizierten Plänen, die Krankenversicherungsprämien deckeln zu wollen. Ausserdem veröffentlichte Washington unter dem Inflation Reduction Act (IRA) eine weitere Liste mit Medikamenten, bei welchen die Preise neu ausgehandelt werden müssen. Diese Liste umfasst nicht weniger als 15 Präparate, darunter auch Xolair, Kisqali, Cosentyx sowie Botox. Folglich gerieten an der Börse auch andere Schweizer Pharmawerte unter die Räder.
Hinzu kommen firmenspezifische Gründe für die Kursschwäche. Ich denke da etwa an den Umstand, dass Gewinne auf Währungsabsicherungstransaktionen bei Lonza im vergangenen Jahr rund 70 Millionen Franken zur Gewinnentwicklung beitrugen. Ausserdem hatte man sich im Vorfeld der Ergebnisveröffentlich Neuigkeiten in Bezug auf die geplante Abspaltung des Kapselgeschäfts erhofft.
Das Warten auf Neuigkeiten zum Kapselgeschäft verkommt immer mehr zur Geduldsprobe. Zur Erinnerung: Es war Ende Dezember 2024, als der Pharmazulieferer unter dem neuen Firmenchef Wolfgang Wienand mit der Ausgliederung dieser Geschäftsaktivitäten begonnen hatte.
Etwas Erfreuliches gibt es in diesem Zusammenhang aber dennoch zu berichten: Denn das Kapselgeschäft hat in den vergangenen Monaten endlich wieder an Fahrt gewonnen. Mit einem Jahresumsatz von 1,09 Milliarden Franken und einem operativen Kerngewinn (EBITDA) von 270 Millionen Franken schnitt auch dieser Geschäftszweig besser als gedacht ab. Ich bin neugierig, wie viel Lonza bei einem Verkauf für das Kapselgeschäft löst. Ende 2016 bezahlten die Basler ja bekanntlich 5,5 Milliarden Dollar für die amerikanische Capsugel.
Mir ist durchaus bewusst, dass man sich gerade in Londoner Analystenkreisen auf eine positive Zahlenüberraschung eingestellt hatte. Bei J.P. Morgan setzte man die Aktien des Pharmazulieferers kurzfristig sogar auf die «Positive Catalyst Watch List». Lange Rede, kurzer Sinn: Man dürfte sich rückblickend mehr erhofft haben.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die letzten fünf langen Jahre aus Sicht der Aktionärinnen und Aktionäre unter dem Strich als ein Nullsummenspiel erwiesen haben. Gleichzeitig gelangen dem Vorzeigeunternehmen aus Basel in all den Jahren operative Fortschritte. Alleine schon deshalb müsste der Aktienkurs heute eigentlich deutlich höher stehen...
Mal schauen, was den Anlegern bei Lonza die kommende Woche so bringt. Eventuell mehr dazu am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
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