1. Home
  2. News
  3. Top News
  4. Insider
  5. Aktienumstufungen bis zum Abwinken: Bei den Anlegern macht sich eine gewisse Müdigkeit bemerkbar
Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Aktienumstufungen bis zum Abwinken: Bei den Anlegern macht sich eine gewisse Müdigkeit bemerkbar

Teilen

Merken

Drucken

Kommentare

Google News

Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche: Alle Augen auf den Nestlé-Chef, Beazley-Kauf noch nicht vom Tisch - Und: Die Börse will nicht länger so, wie es die Aktienanalysten gerne hätten.

23.01.2026   11:50
Von cash Insider
 Hauptsitz der Swiss Re (Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft) in Zürich.

Hauptsitz der Swiss Re (Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft) in Zürich.

Quelle: imago images/Geisser

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

+++

Auch am Schweizer Aktienmarkt blicken wir auf bewegte Tage zurück. Einerseits drückte der verbale Schlagabtausch zwischen Washington und Brüssel auf die Stimmung und damit auch auf die Risikobereitschaft hiesiger Marktakteure. Andererseits hatte so manches Unternehmen negative Neuigkeiten mit im Gepäck.

Eines dieser Unternehmen war und ist Nestlé. Der Rückruf von Säuglingsnahrung aufgrund möglicher Verunreinigungen wächst vom lauen Lüftchen immer mehr zum veritablen Sturm. In Frankreich läuft mittlerweile sogar eine Untersuchung, ob ein Zusammenhang zwischen dem Tod eines Säuglings und den möglichen Verunreinigungen besteht. Noch sei ein solcher Zusammenhang nicht nachgewiesen, wie das französische Gesundheitsministerium am Mittwoch gegenüber den Kollegen von AWP durchblicken liess.

Ebenfalls seit Mittwoch ist bekannt, dass auch andere Anbieter wie etwa Danone von denselben Problemen betroffen sind. An der Börse wurden die Aktien des französischen Rivalen zeitweise mit Kurseinbussen von mehr als sechs Prozent abgewatscht.

Wie der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst Jon Cox – er gilt als profunder Kenner der Nahrungsmittelindustrie – schreibt, sollte sich der finanzielle Schaden für Nestlé in einem halbwegs verkraftbaren Rahmen bewegen. Der Imageschaden sei jedoch nicht zu unterschätzen. Er kürzt seine diesjährigen Gewinnschätzungen um etwas mehr als zwei Prozent und preist die Aktien mit einem überarbeiteten Kursziel von 90 (zuvor 95) Franken weiterhin zum Kauf an.

Die Einschätzung des Vontobel-Analysten Jean-Philippe Bertschy, wonach Nestlé mit dem Rücken zur Wand stehe, teile ich hingegen nicht – selbst wenn auch er die Valoren mit «Buy» und einem Kursziel von 90 Franken einstuft.

Die Aktienkursentwicklung bei Nestlé ist ein Trauerspiel (Quelle: www.cash.ch)

Erst seit wenigen Monaten auf dem Chefsessel, wird der Rückruf von Säuglingsnahrung für Philipp Navratil womöglich zur ersten grossen Bewährungsprobe an der Unternehmensspitze. Gerade in amerikanischen Börsenkreisen schaut man momentan ganz genau hin. Getreu dem Motto: Wie schlägt sich «der Neue» denn so...?

Neben Nestlé gehörte die mediale Bühne diese Woche ganz Zurich Insurance. Am Montagnachmittag suchte die Versicherungsgruppe mit einer milliardenschweren Übernahmeofferte für die britische Beazley die Öffentlichkeit, nachdem man zuvor am Londoner Hauptsitz des Spezialversicherers mit einem geringfügig tieferen Angebot abgeblitzt war.

Den Anteilseignern werden 12,80 Pfund je Aktie oder umgerechnet rund 10,3 Milliarden Dollar in bar geboten. Das wiederum entspricht einem grosszügigen Aufschlag von 56 Prozent gegenüber dem Schlussstand vom Freitag.

Wer nun denkt, dass wenigstens die nachgebesserte Offerte in London auf offene Ohren stossen würde, der irrt gewaltig. Der Verwaltungsrat weist auch diese als zu tief zurück und legt mit einer Indiskretion nach: Wie aus der Medienmitteilung hervorgeht, war Zurich Insurance im letzten Frühsommer sogar bereit 13,15 Pfund je Aktie zu bezahlen. Rückblickend kassierte man schon damals eine klare Absage.

Mit etwas mehr als 11 Pfund haben sich die Aktien von Beazley in den vergangenen Tagen weit unter dem Barangebot eingependelt. Dass bisher kaum Trittbrettfahrer aufspringen, ist mehr als ungewöhnlich. Und auf eine Offertnachbesserung wird erst recht nicht spekuliert – selbst wenn das letzte Wort diesbezüglich noch immer nicht gesprochen ist. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn sich nun die «üblichen Verdächtigen» aus der Hedgefonds-Industrie beim britischen Spezialversicherer einnisten würden.

Die hohen Wellen, welche das milliardenschwere Übernahmeangebot in den hiesigen Medien wirft, erstaunen mich schon sehr. Denn schliesslich hat Zurich-Chef Mario Greco in den letzten Jahren nie ein Geheimnis aus seinen Ambitionen gemacht, das Geschäft mit Spezialversicherungen gegebenenfalls auch über grössere Zukäufe ausbauen zu wollen. Er macht nun nichts anderes, als dass er auf Worte auch Taten folgen lässt.

Mein Interesse gilt nun zum einen der Reaktion seitens von Zurich Insurance auf die erneute Absage aus London und zum anderen auf das Jahresergebnis der britischen Beazley vom 4. März.

Beazley-Chef Adrian Cox signalisiert in der neusten Ausgabe der «Times» übrigens durchaus Gesprächsbereitschaft. Er selber erachte das überarbeitete Angebot nicht als Beleidigung, selbst wenn dieses den längerfristigen Aussichten seines Unternehmens bei weitem nicht gerecht werde.

Greco hingegen hat in all den Jahren an der Spitze von Zurich Insurance stets bewiesen, dass er rechnen kann. Mir wäre er jedenfalls nie durch überteuerte Ergänzungsübernahmen negativ aufgefallen. Bleibt zu hoffen, dass er sich auch diesmal nicht zu kostspieligen Abenteuern verleiten lässt.

Für Gesprächsstoff sorgte gestern Donnerstag – wenn auch unverschuldet - Sandoz. Als vorbörslich mehr als vier Prozent höhere Kurse gestellt wurden, staunte vermutlich nicht nur ich Bauklötze. Nach und nach lichtete sich der Nebel, verwies die Zürcher Kantonalbank in einem Kurzkommentar doch auf ermutigende Aussagen des indischen Rivalen Dr. Reddy's zu einer eigenen Version des Diabetesmittels Semaglutid. Dieser Wirkstoff kommt auch bei der Abnehmspritze Ozempic zum Einsatz. Wie der Autor Urban Fritsche im Kurzkommentar schreibt, fühlt er sich von den Aussagen in seinen Absatzerwartungen für eine Sandoz-eigene Version von Semaglutid bestärkt. Folglich preist der Analyst die Aktien der einstigen Novartis-Tochter auch weiterhin mit «Übergewichten» und einem rechnerischen fairen Wert von 73 Franken zum Kauf an.

Hohe Wellen warf aber weniger dieser Kommentar, als viel mehr der Umstand, dass die Sandoz-Aktien mit 62,50 Franken dann bloss einen halben Franken über dem Schlussstand vom Vorabend in den Donnerstag starteten und selbst diese Kursgewinne nicht bis Sitzungsende halten konnten.

Mir ist durchaus bewusst, dass es sich bei den vorbörslichen Kursindikationen bloss um eine Moment-Aufnahme handelt und diese nicht zuletzt auch aufgrund des nicht unbeträchtlichen «Spreads» zwischen Geld- und Briefkurs mit Vorsicht zu geniessen sind. Dennoch lassen solche Diskrepanzen, wie sie gestern Donnerstag bei Sandoz zu beobachten waren, auch mich etwas ratlos zurück...

Kommen wir an dieser Stelle noch auf das Thema Aktienumstufungen und Kurszielanpassungen zu sprechen. Mir fiel in den letzten Tagen auf, dass die Börse nicht mehr länger so will, wie die Banken und ihre Analysten gerne hätten.

Am Mittwoch etwa stufte Vontobel-Analyst Stefan Schneider die Aktien von Novartis von «Hold» auf «Buy» herauf. Bei dieser Gelegenheit erhöhte er sein Kursziel auf 129 (zuvor 112) Franken, um dem widerstandsfähigen Geschäftsmodell der Basler sowie den jüngsten Ergänzungsübernahmen Rechnung zu tragen. Dennoch gingen die Valoren an diesem Tag nur geringfügig höher aus der Börsensitzung hervor.

Ähnliches trug sich bei Logitech zu. Dass der ebenfalls für Vontobel tätige Analyst Michael Foeth sein Kursziel zwar auf 96 (zuvor 103) Franken trimmte, die Aktien des Vorzeigeunternehmens aus Lausanne nach der jüngsten Kurszäsur jedoch von «Hold» auf «Buy» heraufstufte, fand kaum Gehör. Über weite Strecken notierten die Papiere sogar im Minus.

Schon seit Wochen kranken die Logitech-Aktien an einem zermürbenden Kursschwund (Quelle: www.cash.ch)

Nicht viel anders erging es den Analysten von Goldman Sachs um Andrew Baker. Baker und seine Abteilungskollegen straften die dividendenstarken Aktien von Swiss Re von «Neutral» auf «Sell» ab und kürzten das Zwölf-Monats-Kursziel auf 121 (zuvor 133) Franken. Doch die aus London eintreffenden Verkaufsorders wurden überraschend gut absorbiert. Das mag auch damit zu tun haben, dass der Rückversicherer in den letzten Wochen und Monaten bereits eine Kurszäsur über sich ergehen lassen musste.

Die Liste liesse sich übrigens um viele weitere Beispiele ergänzen – etwa um die Heraufstufung der Aktien von Also von «Halten» auf Kaufen» mit einem Kursziel von 280 (zuvor 300) Franken durch Research Partners oder um die Herabstufung jener von BKW von «Buy» auf «Hold» mit einem Kursziel von 160 (zuvor 190) Franken durch Kepler Cheuvreux. Während die Valoren von Also die frühen Gewinne im Sitzungsverlauf grösstenteils wieder abgeben mussten, kamen jene von BKW sogar in den Genuss anziehender Notierungen.

Nachdem in den letzten Wochen eine regelrechte Umstufungswelle über den Schweizer Aktienmarkt hereingebrochen ist, scheint sich bei den hiesigen Marktakteuren eine gewisse Müdigkeit bemerkbar zu machen. Es braucht momentan nicht viel und diese Müdigkeit kippt in Verdruss.

Wer weiss – vielleicht wissen wir diesbezüglich ja schon nächsten Freitag mehr, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
Das könnte Sie auch interessieren
 
 
 
 
 
 
 
 
Swiss Re
NameAktuell+/-%

CHFSWX

122.80

11:36:26

-0.32%

-0.40

CHFSWX

18'193.57

11:36:00

-0.67%

-122.27

CHFSWX

72.53

11:36:57

-0.90%

-0.66

EUREPA

67.60

11:36:34

-0.97%

-0.66

CHFSWX

550.80

11:36:35

-0.72%

-4.00

CHFSWX

62.12

11:33:50

-0.13%

-0.08

CHFSWX

115.48

11:36:58

+0.33%

+0.38

EUREPA

386.60

11:37:01

-0.17%

-0.65

CHFSWX

72.36

11:36:07

-0.80%

-0.58

CHFSWX

204.50

11:36:03

-1.21%

-2.50

CHFSWX

158.00

11:32:02

+0.83%

+1.30

Ausgewählte Produkte von UBS
ProduktBasiswert(e)StrikeVerfall
UBS Call Warrant Swiss RE AG110.00
UBS Put Warrant Swiss RE AG100.00
Presented by UBS KeyInvestDies ist keine Produktempfehlung. Weitere Produkte finden Sie auf UBS KeyInvest.
News