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Für die Aktionärinnen und Aktionäre der BKW beginnt das neue Jahr mit einer Überraschung der unfeinen Art: Der Stromversorger aus Bern sieht sich zu einem satten Abschreiber auf seiner Beteiligung am Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven gezwungen. Dieser Abschreiber wird ins Ergebnis fürs vergangene Jahr verpackt und schmälert den operativen Gewinn (EBIT) voraussichtlich um 110 Millionen Franken.
In der Folge gerieten die Aktien gestern Dienstag unter die Räder und gingen um 13 Prozent tiefer aus dem Handel. Ein Grund hierfür war auch, dass der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst Emanuele Oggioni im Laufe des Nachmittags sein Anlageurteil in negative Revision nahm.
Nun lässt der Analyst den Worten auch Taten folgen und stuft die Valoren des Stromversorgers von «Buy» auf «Hold» herunter. Gleichzeitig streicht er seine Gewinnschätzungen um bis zu 32 Prozent zusammen und veranschlagt neuerdings noch ein Kursziel von 160 (zuvor 190) Franken. Seines Erachtens sitzt der Vertrauensverlust aus Anlegersicht tief.
Sein Berufskollege bei der Basler Kantonalbank sieht es hingegen gelassener und trimmt sein Kursziel auf 182 (zuvor 195) Franken. Er preist die Aktien wie bis anhin mit «Übergewichten» zum Kauf an und macht kein Geheimnis daraus, dass er im jüngsten Kurstaucher eine günstige Einstiegsgelegenheit sieht.
Für die Aktien der BKW ging es in den letzten Tagen steil nach unten (Quelle: www.cash.ch)
Wie heute Mittwoch aus einer Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange hervorgeht, hat sich Blackrock in den Tagen unmittelbar vor der Gewinnwarnung noch rasch von Aktien getrennt. Interessant erscheint mir dabei, dass die Meldepflicht auf Anfang diese Woche zurückgeht. Honi soit qui mal y pense...
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Schon seit Wochen, wenn nicht gar seit Monaten, fristet Nestlé an der Börse so etwas wie ein Mauerblümchen-Dasein. Während der Schweizer Aktienmarkt von einem Rekord zum nächsten klettert, bekunden die Valoren des Nahrungsmittelmultis aus Vevey sichtlich Mühe. Letzteres dürfte nicht zuletzt dem Umstand geschuldet sein, dass gerade amerikanische Grossinvestoren noch immer einen grossen Bogen um diese Aktien machen.
In einem Kommentar aus der Feder des UBS-Analysten Guillaume Delmas stolpere ich nun allerdings über eine für mich ziemlich überraschende Textpassage. Und zwar berichtet er nach einer Reise nach Übersee und einem Treffen mit mehr als 30 Grosskunden von einem ungewöhnlich grossen Interesse letzterer an den europäischen Gebrauchsgüterherstellern. Dabei fällt neben dem Namen des französischen Kosmetikherstellers L'Oréal auch jener von Nestlé.
Die Nestlé-Aktien bekunden seit Jahren Mühe (Quelle: www.cash.ch)
Gerade bei Nestlé gibt es allerdings ein grosses «Aber». Wie Delmas nämlich schreibt, signalisierten die amerikanischen Grosskunden ihm gegenüber überwiegend Zurückhaltung. Seines Erachtens ist diese Zurückhaltung einerseits dem verhaltenen Wachstum in margenstarken Produktbereichen und den wichtigsten Absatzmärkten und andererseits der nachlassenden Preisgestaltungsmacht geschuldet. Thema sei ausserdem der kürzlich bekanntgewordene Rückruf von Säuglingsnahrung sowie Lieferkettenprobleme – etwa bei Buitoni-Tiefkühlpizzen oder Nahrungsergänzungsmitteln – gewesen.
Davon müsste Nestlé eigentlich profitieren können, hält der Nahrungsmittelmulti aus Vevey doch ein L'Oréal-Paket mit einem Verkehrswert von umgerechnet knapp 40 Milliarden Franken.
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