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Am vergangenen Freitag berichtete ich von einer Kurszielreduktion aus London für die Aktien von Nestlé. Kurz zuvor überarbeitete der für Jefferies tätige Analyst David Hayes – er gilt als profunder Branchenkenner – seine Gewinnschätzungen unter negativen Vorzeichen. Seither lautet das Kursziel für die mit «Hold» eingestuften Valoren des Weltmarktführers aus Vevey noch 76 (zuvor 81) Franken.
Ich begegnete diesen Anpassungen mit folgenden Worten:
Mittlerweile haben auch die Berufskollegen bei der Deutschen Bank, Bernstein Société Générale und der UBS bei ihren Gewinnschätzungen und Kurszielen den Rotstift angesetzt – mit Folgen für den Aktienkurs.
Ebenfalls am Freitag schrieb ich, dass sich Nestlé an der Börse momentan in einem ähnlichen Stimmungstief wiederfindet, wie sich Roche im vergangenen April bei Kursen um die 240 Franken für die Genussscheine befand. Und weiter: Allein das Ausbleiben von Enttäuschungen dürfte deshalb schon ausreichen, um ein Kursfeuerwerk zu zünden.
Die Nestlé-Aktien bekunden seit langen Jahren Mühe (Quelle: www.cash.ch)
Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank scheint meine Einschätzung zu teilen. Im Ausblick auf die Jahresergebnisveröffentlichung vom 25. Februar stolpere ich über folgende Passage: «Wie im Vorjahr braucht es für eine Gegenbewegung wenig, da viele Investoren vorsichtig sind» - gefolgt von einem etwas kryptischen «mögliche Short-Coverage, ZKB-E». Letzteres setzt er in Klammern.
Vermutlich will Schwendimann damit nichts anderes sagen, als dass er mit Blick auf die Ergebnisveröffentlichung von einem sogenannten «Short Squeeze» ausgeht. Ganz uneigennützig erscheint mir diese Äusserung nicht, preist der Analyst die Nestlé-Aktien doch schon eine ganze Weile mit «Übergewichten» an. Neuerdings tut er dies mit einem überarbeiteten fairen Wert von 102 (zuvor 103) Franken.
Es wäre ja nicht so, dass gegen die Aktien von Nestlé übertrieben hohe Wetten laufen würden. An der New York Stock Exchange (NYSE) wurde – Stand Mitte Dezember – mit gerade einmal 115'000 der dort gehandelten Titel auf rückläufige Kurse spekuliert. Das sind zwar gut fünf Prozent mehr als vier Wochen zuvor, entspricht umgerechnet jedoch weniger als 10 Millionen Franken. Vom Umfang her also völlig vernachlässigbar.
Mit Roche konnte sich ein anderes SMI-Schwergewicht aus dem Stimmungstief befreien (Quelle: www.cash.ch)
Schwendimann dürfte denn auch eher auf den Umstand anspielen, dass nicht eben wenige Grossinvestoren bei den Valoren des Nahrungsmittelmultis schon seit Jahren chronisch unterinvestiert sind. Aufgrund der vielen hausgemachten Probleme hat sich dies denn auch bezahlt gemacht. Hinter vorgehaltener Hand gilt es in hiesigen Bankenkreisen selbst heute noch als ein «Erfolgsrezept», einen grossen Bogen um das SMI-Schwergewicht zu machen und stattdessen deutlich beliebteren Indexkomponenten wie etwa Holcim oder Richemont ein höheres Gewicht im Aktienportefeuille einzuräumen.
Wie so oft an der Börse geht der Krug solange zum Brunnen – bis er irgendwann bricht. Eigentlich sah es bereits im Februar letzten Jahres ganz danach aus, als der Kurs der Nestlé-Aktien nach der Veröffentlichung des Jahresergebnisses innerhalb weniger Wochen von 78 auf mehr als 90 Franken hochschoss. Doch die Freude über diese Gewinne sollte nicht lange anhalten. Mitte Oktober kam es dann zu einem weiteren Aufbäumen mit einem Kurssprung von mehr als neun Prozent allein am Tag der Bekanntgabe der Neunmonatsumsatzzahlen. Rückblickend war auch das bloss ein kurzes Aufbäumen. Aber vielleicht sind ja «aller guten Dinge drei»? Zu wünschen wäre es den nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionären jedenfalls...
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