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Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Rekordjagd: Der SMI pulverisiert das Jahresendziel der UBS mal eben schnell

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Diese Woche: SMI übertrifft schon heute das Jahresendziel der UBS, Nicht-IPO-Bank versucht sich an der Swiss Marketplace Group - Und: ZKB gleich mit drei atemberaubend hohen Kurszielen.

26.06.2026   12:00
Von cash Insider
Ein Bergsteiger steht auf dem Gipfel und geniesst die Aussicht.

Ein Bergsteiger steht auf dem Gipfel und geniesst die Aussicht. Ähnliches gilt auch für den Schweizer Aktienmarkt.

Quelle: © Biletskiy Evgeniy

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Seit wenigen Tagen wird auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt Geschichte geschrieben. Gestern Donnerstag stiess der Swiss Performance Index (SPI) erstmals seit seinem Bestehen auf über 20'000 Punkte vor. Und selbst der als träge verschriene Swiss Market Index (SMI) – anders als beim SPI gehen die Dividendenabgänge bei diesem Börsenbarometer bekanntlich in Abzug – setzte bei etwas mehr als 14'200 Zählern eine neue Bestmarke.

Damit notiert der SMI schon heute über dem Jahresendziel der UBS von 14'000 Punkten, obwohl die Strategen aus dem Chief Investment Office des Global Wealth Management der Grossbank ihr Indexziel letztmals vor gut einer Woche bestätigten. Mittlerweile flirtet das Börsenbarometer sogar mit der bankeigenen Prognose für Mitte 2027, die mit 14'400 Zählern etwas höher liegt.

Zugegeben: Unter gewissen Umständen trauen die UBS-Strategen dem SMI eigenen Aussagen zufolge bis Mitte nächsten Jahres sogar einen Vorstoss auf 15'500 Punkte zu – oder aber auch einen Rücksetzer auf 11'000 Punkte. Sie machen diese beiden Szenarien abhängig vom konjunkturellen Umfeld, von der Gewinnentwicklung und Dividendenpolitik der 20 darin enthaltenen Unternehmen sowie davon, ob und wie hoch die hiesigen Aktien aus den Wirtschaftszweigen Nahrungsmittel und Pharma dannzumal in der Anlegergunst stehen. Lange Rede, kurzer Sinn: Man lässt sich im Chief Investment Office des UBS Global Wealth Management viele Möglichkeiten offen.

Bleiben wir doch gleich bei den Banken. In einem diese Woche erschienenen Strategiepapier befassen sich Vontobel-Analyst Andreas Venditti und sein Mitautor Matteo Lindauer mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) bei den hiesigen Banken. Ihr Fazit: Noch sei es zu früh, um bereits jetzt konkrete Gewinner und Verlierer nennen zu können. Dennoch erkennen die beiden Autoren insbesondere bei Swissquote eine grosse Bereitschaft, auf diesem Gebiet künftig Lösungen anzubieten.

Zeitgleich lassen nun aber ausgerechnet ihre Berufskollegen von der UBS um Chefdenker Sebastian Vogel einen ersten Test-Ballon steigen. In einem ersten Schritt lassen sie ein KI-Modell auf Kühne+Nagel, Bossard und Oerlikon los. Dieses Modell wurde von der bankeigenen Empirical Scientific Approaches Abteilung entwickelt. Mir war bis jetzt nicht bewusst, dass es überhaupt eine solche Abteilung bei der Grossbank gibt.

Auf die Ergebnisse abgestützt, erhöht Vogel seine Gewinnschätzungen für Kühne+Nagel um bis zu vier Prozent. Er stuft die Aktien des Transporteurs aus dem steuergünstigen Schindellegi wie bis anhin mit «Neutral» ein, wenn auch mit einem leicht höheren Zwölf-Monats-Kursziel von 179 (zuvor 177) Franken.

Bei den Valoren von Bossard bleibt mit «Neutral» und einem Zwölf-Monats-Kursziel von 156 Franken hingegen alles beim Alten. Das gilt auch für die bankeigenen Gewinnerwartungen.

Ganz anders bei Oerlikon. Vogel lässt die Erkenntnisse in sein Bewertungsmodell für den Oberflächenbehandlungsspezialisten mit einfliessen, was mit um 25 Prozent höheren Gewinnerwartungen fürs laufende Geschäftsjahr einhergeht. Das Zwölf-Monats-Kursziel für die ebenfalls mit «Neutral» eingestuften Aktien lautet neuerdings 3,80 (zuvor 3,55) Franken.

Die Aktien von Oerlikon verspüren wieder Auftrieb (Quelle: www.cash.ch)

Interessant ist, dass ein Berufskollege bei einer anderen Bank seine diesjährigen Gewinnerwartungen mit wenigen Stunden Verspätung ebenfalls um etwas mehr als 20 Prozent nach oben anpasste. Alles bloss ein Zufall?

So wie ich Vogel und seine Abteilungskollegen verstehe, werden sie das besagte KI-Modell in den kommenden Wochen auf weitere kleine und mittelgrosse Schweizer Unternehmen aus dem Anlageuniversum der Grossbank anwenden. Ich bin jetzt schon gespannt, mit welchen Folgen für die Anlageurteile und Kursziele...

Am letzten Freitag berichtete ich davon, dass J.P. Morgan ihre Kaufempfehlung für die Aktien der Swiss Marketplace Group kassierte. Der zuständige Analyst Marcus Diebel strafte die Valoren der ImmoScout24-Mutter von «Overweight» auf «Neutral» herunter und strich das Kursziel auf 28 (zuvor 36) Franken zusammen.

Bisher wurden die Aktien ausschliesslich von jenen Banken mitverfolgt, welche das Unternehmen im September gemeinsam an die Börse brachten. Von den drei hauptverantwortlichen Banken preist mittlerweile gerade noch die UBS die Aktien zum Kauf an.

Neu hinzu kommt die Berenberg Bank in der Rolle der «Aussenseiterin». Die zuständige Analystin Chiara Di Giammaria nimmt die Erstabdeckung der Valoren der Swiss Marketplace Group mit «Buy» und einem Kursziel von 35 Franken auf. Aus ihrer Sicht erscheint das Kursdebakel seit September völlig übertrieben. Dasselbe gilt für die Angst vor negativen Folgen fürs Tagesgeschäft, ausgehend von der künstlichen Intelligenz.

Dass Di Giammaria vor ihrem Wechsel zur Berenberg Bank für die UBS und damit für die Hauptverantwortliche des Börsengangs tätig war, dürfte wohl nur ein Zufall sein. Somit schliesst sich der Kreis wieder.

Dass die Aktien nach einem kurzen Aufbäumen bereits wieder auf ihre Tiefstkurse zurückgefallen sind, lässt tief blicken und zeugt von grosser Skepsis. Rückblickend müssen sich sämtliche in den Börsengang involvierten Parteien unangenehme Fragen gefallen lassen. Wollte man in vielerlei Hinsicht schlichtweg zu viel...?

«The sky is the limit», dachten sich diese Woche gleich zwei Analysten der Zürcher Kantonalbank. So eilte Analyst Martin Hüsler dem SMI-Mauerblümchen Amrize mit einer Bestätigung seiner Kaufempfehlung zur Seite. Er preist die Aktien der einstigen Nordamerika-Tochter von Holcim wie bis anhin mit «Übergewichten» an und sieht – völlig unabhängig vom Gesamtmarkt - ein Aufwärtspotenzial von 30 Prozent.

Die Amrize-Aktien kommen hingegen nicht so recht vom Fleck (Quelle: www.cash.ch)

Kernstück der Kaufempfehlung ist der Bewertungsabschlag von Amrize gegenüber den amerikanischen Rivalen. Diesen gibt Hüsler mit rund 20 Prozent an. Für Anlegerinnen und Anleger mit einem langen Atem mag dieses Argument durchaus für einen Einstieg herhalten.

Denn rückblickend ist die Abspaltung von Holcim den hohen Erwartungen bisher vieles schuldig geblieben. Umso mehr muss Firmenchef Jan Jenisch – auch seines eigenen Willens wegen – künftig abliefern. Schliesslich ist er nach einem Zukauf von Aktien mit rund 100 Millionen Franken am Unternehmen beteiligt.

Eher eine Randnotiz war den Medien diese Woche übrigens eine Mitteilung wert, wonach Amrize mit einer umfassenden Modernisierung seines Zementwerks im kanadischen Québec begonnen habe. Durch die Aufrüstung der Produktionsanlagen und die Steigerung der Energieeffizienz soll der Standort zum modernsten und nachhaltigsten Zementwerk Ostkanadas ausgebaut werden. Durch die Modernisierung erhöhen sich die jährlichen Produktionskapazitäten von 900'000 auf 1,2 Millionen Tonnen.

Dieser organische Ausbau von Produktionskapazitäten ist aus Aktionärssicht sehr zu begrüssen, selbst wenn aus heutiger Sicht Geduld gefragt ist. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut...

Auch bei den Aktien von Lonza und ABB sorgten die Analysten der Zürcher Kantonalbank jüngst für rekordhohe neue Kursprognosen. Analyst Florian Sager traut dem diesjährigen SMI-Gewinner ABB Kurse von bis zu 92 Franken zu und sein Abteilungskollege Dani Jelovcan veranschlagt für die Valoren des Pharmazulieferers Lonza einen rechnerischen fairen Wert von 766 Franken.

Mal schauen, ob die Aktien dieser beiden Unternehmen nächste Woche an die jüngsten Kursgewinne anknüpfen können. Eventuell mehr dazu am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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